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GVO-Experte: "Verbraucher aus dem Fahrersitz geworfen"

Genzow: Maßnahmen der marktmächtigen Hersteller täglich hinterfragen.

Branchenanwalt Christian Genzow lässt kein gutes Haar an den neuen Wettbewerbsregeln im europäischen Kfz-Sektor. Der GVO-Experte kritisiert den Wegfall wichtiger Händlerklauseln und die Rückkehr zum Markenzwang ab 2013.


Datum:
28.05.2010
4 Kommentare

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Branchenanwalt Christian Genzow von der Kanzlei Graf von Westphalen kann der am Donnerstag beschlossenen neuen Kfz-Gruppenfreistellungverordnung (GVO) kaum positive Aspekte abgewinnen. Seine Kritik entzündet sich vor allem am Wegfall wichtiger Händlerklauseln und der Rückkehr zum Markenzwang ab 2013. Im Interview mit AUTOHAUS Online fordert der GVO-Experte Händler und Verbände auf, die Maßnahmen der marktmächtigen Hersteller fortwährend zu hinterfragen.

AUTOHAUS Online: Die EU-Kommission hat gestern die neue Kfz-GVO angenommen. Wer sind die Gewinner?

Christian Genzow: Ganz klar die Hersteller. Der Verbraucher ist zu Gunsten des Herstellers aus dem "Driver's Seat" geworfen worden. Die Händler werden ihre mühsam seit 1985 erarbeitete Rechtsstellung zum 31. Mai 2013 verlieren, wenn sich nicht in den nächsten drei Jahren noch maßgebliche Änderungen ergeben.

Welche wesentlichen Anpassungen gibt es seit dem GVO-Entwurf vom Dezember 2009?

Nicht sehr viele. Zum Nachteil des Handels wurde die Besitzstandsklausel (Wettbewerbsverbot entfällt bei Vorhandensein eines Zweitfabrikats) gestrichen. Das ist eine nochmalig elementare Verschlechterung. Zu Gunsten der Händler wurde in den Leitlinien die Einhaltung eines Verhaltenskodex empfohlen, der aber keineswegs – wie vorher vorgesehen – vom Hersteller stammen muss.

In welchen Bereichen sehen Sie künftig die größten Probleme auf die Händler zukommen?

Im Mehrmarkenvertrieb. Viele, vor allem größere Hersteller werden ab 1. Juni 2013 wieder den Markenzwang einführen. Der Vertrieb von Zweit- oder sogar Drittmarken wird verboten.

Warum wurde für den Primärmarkt eine dreijährige Übergangsfrist von der EU-Kommission eingeräumt?

Die EU-Kommission hat 2002 erklärt, dass es zur Stärkung des Wettbewerbs notwendig sei, dass der Markenzwang abgeschafft wird. Das haben viele Händler aufgegriffen und eine zweite oder sogar dritte Marke aufgenommen. Die damit verbundenen Investitionen in sachliche und personelle Kapazitäten sind vielfältig und teuer. Auch in Brüssel wurde erkannt, dass sich solche Investitionen  amortisieren müssen.

Werden drei Jahre dafür ausreichen?

Nein. Entgegen der Annahme der Kommission sind drei Jahre eine viel zu kurze Frist. Und der Schutz für kleinere und mittlere Unternehmen, die sich die EU-Kommission noch vergangenes Jahr groß auf die Fahnen geschrieben hatte, blieb gänzlich auf der Strecke – zum Wohl der marktmächtigen Hersteller.

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KOMMENTARE


Jörg-Uwe Banach

28.05.2010 - 11:20 Uhr

"Unterm Strich bleibt die Hoffnung, dass in den nächsten drei Jahren erkannt wird, wie ruinös die Änderung für den Handel ist..." ... was bis zur ehrenwerten Erkenntnis durch die Kommission und das EU-Parlament viele Händler ihre Existenz und deren Mitarbeitern ihre bis dato noch relativ sicheren Arbeitsplätze kosten dürfte. Ich hoffe, dass Herr Creutzig (CECRA) noch eine Chance hat, unserer Branche ausreichend Gehör zu verschaffen.


Julian Becker

28.05.2010 - 13:09 Uhr

"...zum Wohl der marktmächtigen Hersteller..." war schon die erste GVO, die über Jahrzehnte bestehende Handelsstrukturen geschwächt und zerstört hat. Ich behaupte: die Mehrzahl der Händler hat nicht einmal bemerkt, dass die Chance, in eine Zweitmarke investieren zu dürfen, nur von ihren eigenen Unzulänglichkeiten mit ihrer Erstmarke, abgelenkt hat...


Marc meier

28.05.2010 - 17:49 Uhr

Na, wer hat da wohl die bessere bzw erfolgreichere lobbyarbeit gemacht- handel oder hersteller?


Udo Kern

30.05.2010 - 20:10 Uhr

Hallo Leute vom Autohaus , Top Sache für die Freien Betriebe , Nun müssen die Kolgen nur noch für sich den richtigen Weg finden . Es muss doch keiner was Unterschreiben , Kfz - Meister Udo Kern


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