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Marktexperte: "Gebrauchtwagenmarkt 2022 von diesjähriger Krisensituation doppelt betroffen"

© Foto: Andrea Warnecke/ dpa Themendi

Andreas Geilenbrügge, Regional Head of Valuations Germany, Nordics, UK bei der Schwacke GmbH, zu den Geschäftsaussichten bei Neu- und Gebrauchtwagen im nächsten Jahr.


Datum:
29.12.2021
Autor:
Andreas Geilenbrügge
Lesezeit: 
4 min
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Die teils krisenhaften, überwiegend äußeren Einflussfaktoren 2021 wie z.B. Produktionsstopp, Innovationsprämie und Halbleitermangel werden auch das automobile Geschehen des kommenden Jahres maßgeblich bestimmen. Zwar gehen wir nicht von weiteren, den Handel einschränkenden Lockdowns aus, aber die Material- und damit Lieferkrise ist – wie allseits berichtet – längst nicht zu Ende. Die Prognosen gehen derzeit teils von einer Entspannung Mitte des kommenden Jahres, manch andere sehen sogar Herausforderungen das gesamte Jahr hindurch und darüber hinaus. Auf dieser Basis rechnen wir mit einem Neuzulassungsvolumen von nicht mehr als 2,85 Millionen Pkw – tendenziell weniger.

Der Gebrauchtwagenmarkt 2022 ist von der diesjährigen Krisensituation doppelt betroffen. Zum einen fehlt erneut für das Alterssegment der jungen Gebrauchten ausreichend Nachschub aus Handel-, Hersteller- und Vermietzulassungen der Jahre 2020 und 2021. Zudem sind durch die diesjährige Marktunterversorgung die Läger quasi abverkauft worden und starten mit denkbar geringen Lagerbeständen ins neue Jahr. Allerdings war 2019 ein starkes Jahr für gewerbliche Zulassungen und wird mehr dreijährige Leasingrückläufer als letztes Jahr in den Markt zurückbringen. Dies gilt für alle Treibstoffarten, besonders aber natürlich für elektrifizierte Modelle. Wir gehen daher von einem leicht höheren Volumen als dieses Jahr aus.

Gebrauchte E-Autos: Wandel vollzieht sich unaufhaltsam

Wenn wir mit ca. 6,6 bis 6,7 Millionen Besitzumschreibungen in 2021 rechnen, kann man von 6,7 bis 6,8 Millionen Besitzumschreibungen nächstes Jahr ausgehen. Die Zusammensetzung wird sich aber natürlich bereits deutlich verändern. Waren Anfang 2020 nur knapp fünf Prozent des im Angebot stehenden GW-Börsenbestandswertes von sehr jungen Gebrauchten elektrifiziert, sind es Ende 2021 bereits 22 Prozent. Dieser Wert liegt damit auf gleicher Höhe des Dieselanteils, der im gleichen Zeitraum von 30 Prozent geschrumpft ist. Durch den rapide anwachsenden Zulauf in zunehmenden Alterssegmenten vollzieht sich der Wandel unaufhaltsam.

Dies hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf Restwerte. Einer der stärksten Treiber für Gebrauchtwagenpreise ist Volumen im Verhältnis zur Nachfrage. Die Unterversorgung bei den Verbrennern wird im kommenden Jahr insbesondere Dieselfahrzeuge weiter hoch im Preis halten und sicher noch ein wenig steigen lassen, da die Nachfrage stabil ist. Benziner kommen zunehmend bereits an die Preisgrenze, die Kunden noch bezahlen können und wollen. Dennoch sind auch hier die Aussichten einigermaßen stabil.

Bei den batterieelektrischen Gebrauchtwagen (BEV) und Plug-in Hybriden (BEV) ist aus unserer Sicht die Perspektive etwas getrübt. Zwar zieht das Preisniveau aktuell auch bei diesen noch an, allerdings ist besonders bei PHEW ein deutliches Auseinanderklaffen zwischen den euphorischen Einpreisungen der Händler und den erzielbaren Verkaufspreisen zu erkennen. Diese Diskrepanz zusammen mit dem bei batterieelektrischen Fahrzeugen sehr hohen Standzeitniveau wird spätestens mit Ablauf des ersten Halbjahres 2022 zu einem deutlichen Abfallen der Preise solcher Modelle führen. Insgesamt gilt weiterhin, dass angesichts der großen Mengen an bereits eingesteuertem "Elektro-Nachschub" für die Nachfrage der privaten Gebrauchtwagenkunden nicht ausreichend Kaufanreize vorhanden sind.

Verkauf proaktiv betreiben

Eine der größten Herausforderungen 2022 und danach wird demzufolge sein, den Verkauf von E-Fahrzeugen an Gebrauchtkunden proaktiv zu betreiben. Sonst bleiben die Fahrzeuge stehen und der Umsatz zunehmend auf der Strecke, weil das Geschäft andere Marktteilnehmer machen.

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