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Deutsche Autobauer: Dicke Luft in China

Unter Druck in China: Audi (Bild), BMW und Mercedes.
© Foto: Imago/Xinhua

Im Namen des Verbraucherschutzes greift Chinas Staatsfernsehen deutsche Oberklasse-Hersteller an: Dämmstoffe sollen angeblich giftige Dämpfe absondern. Die Autobauer rätseln über die Vorwürfe.


Datum:
25.03.2013
Autor:
<br>Von Andreas Landwehr, dpa
13 Kommentare

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Audi hat Vorwürfe in China über angeblich gesundheitsgefährdende Dämmstoffe in seinen Fahrzeugen deutlich zurückgewiesen. Auch die ebenfalls beschuldigten Hersteller BMW und Mercedes-Benz konnten sich die Beschuldigungen nicht erklären und verwiesen am Montag in Peking auf ihre weltweit einheitlichen Qualitätsanforderungen. Die Oberklasse-Hersteller reagierten damit auf einen Bericht im chinesischen Staatsfernsehen CCTV, wonach Bitumen in den Dämmstoffen von sechs Autos aus ihrer Fertigung bei heißem Wetter angeblich gefährliche Dämpfe in den Innenraum absondern könnten.

Nach eigenen Tests mit den genannten Dämm-Materialien sagte Audi-Sprecher Martin Kühl der Nachrichtenagentur dpa in Peking: "Es wurden keine gesundheitsgefährdenden Emissionen festgestellt." Die Materialien erfüllten die strengen globalen Standards von Audi ebenso wie die nationalen chinesischen Standards. Das Unternehmen teste die Luftqualität und Emissionen im Innenraum regelmäßig auch während des laufenden Produktionsprozesses, sagte der Sprecher.

Audi und sein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Partner First Automotive Works (FAW) verfügten über die weltweit höchsten Produktionsstandards und modernste Fertigungs- und Qualitätsprozesse, sagte Kühl. Auch ein Mercedes-Sprecher betonte, der Autobauer nehme die Qualität und Sicherheit seiner Fahrzeuge ernst. Das Unternehmen werde eng mit den chinesischen Behörden zusammenarbeiten, um "potenzielle Probleme mit unseren Fahrzeugen zu untersuchen". BMW versicherte in einer Stellungnahme, dass seine Produktionsstandards weltweit einheitlich seien. Das Unternehmen schenke dem Bericht große Aufmerksamkeit. Die zuständigen Abteilungen überprüften die Vorwürfe.

In dem TV-Bericht wird laut "Spiegel Online" ein Kunde, der einen BMW (chinesisch BauMa) fährt, mit den Worten zitiert. "Kommt mir bloß nicht mit Bau und Ma." Er habe 100.000 Yuan (rund 12.200 Euro) ausgegeben, um "diesen Gestank loszuwerden". Ein Mercedes-Fahrer klagte, er fühle sich schwindlig und müde, wenn er mit seinem Auto unterwegs sei.

Chinas Staatsfernsehen hatte Mitte des Monats zum Weltverbrauchertag auch über die schon seit einem Jahr bekannten Getriebeprobleme bei Volkswagen berichtet, was die staatliche Qualitätsaufsicht auf den Plan rief. Zwar lief schon länger eine Serviceaktion, doch entschieden sich Volkswagen und seine chinesischen Partner angesichts des derart steigenden Drucks vergangene Woche zu einer Rückrufaktion von 384 000 Autos, um die Probleme mit seinem Direktschaltgetriebe endgültig zu beheben (wir berichteten).

Mögliche Motive

Angesichts der vergleichsweise hohen deutschen Qualitätsstandards rätselten Branchenkenner über die Motive für die Angriffe des Staatsfernsehens gegen die deutschen Autohersteller. Die drei Autobauer Audi, BMW und Mercedes beherrschen rund drei Viertel des Premiummarktes in China. Der Branchenexperte Michael Dunne sah eine "politische Hand" hinter den Vorwürfen, die am Image der ausländischen Hersteller kratzen. Über die möglichen Motive spekulierte Dunne im "Wall Street Journal", dass die "notleidenden chinesischen Hersteller", die mit der erfolgreichen ausländischen Konkurrenz nicht mithalten könnten, vielleicht unterstützt werden sollten. Ihre Marktanteile und Gewinne fielen seit drei Jahren. (dpa)

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KOMMENTARE


MH

25.03.2013 - 15:23 Uhr

das böse Erwachen wird kommen! Wir verlassen uns auf China- unsere Politiker und auch Wirtschaftsbosse sehen nur den kurzfristigenErfolg. Gier und Macht machen blind.


Markus Meinhardt

25.03.2013 - 16:48 Uhr

Jetzt passiert genau das was jeder immer schon gedacht, aber nie gehofft hat:Blut ist dicker als Wasser!Zum Thema Berichtserstattung aus China ist wohl auch genug Erfahrung gesammelt worden, um zu wissen zu was das Regime fähig ist wenns eng wird!


Ricardo

25.03.2013 - 18:28 Uhr

naja... zur &#34;Dicken Luft &#34; kann ich nicht viel zu beitragen... aber was das Thema &#34;Gesundheitsgefährende Stoffe&#34; angeht - da sollten die Chinesen selbst vor der eigenen Haustür zu kehren und anfangen gegenzusteuern, wenn Ihnen das so wichtig erscheint. Seien es ungeklärte Chemieabwässer die in Seen oder Flüsse geleitet werden oder die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in den Industrien.


Michael Kühn

25.03.2013 - 19:08 Uhr

Vor einiger Zeit stellte Herr Prof. Brachat in &#34;ohne Filter&#34; bereits die Frage: &#34;Was passiert, wenn in China mal einer auf die Bremse tritt&#34;?(ich persönlich fand diese Frage durchaus angebracht, da die &#34;Goldgräberstimmung&#34; in China u. weiteren asiatischen Märkten zu einem &#34;Run&#34; führte, der sämtliche längerfristige Risiken auszublenden schien. Die Möglichkeit, dass eines Tages relativ &#34;brutal&#34; jemand &#34;auf die Bremse tritt u. hierfür passable Begründungen findet, bzw. &#34;konstruiert&#34; kam wirklich niemand in den Sinn? Man sollte schon seine Hausaufgaben machen, bevor man viel Geld in fremde Kulturen investiert u. von traumhaften Gewinnen bis in alle Ewigkeiit ausgeht. (Hierzu fällt mir ein Spruch ein: (sinngemäß angepasst) &#34; lerne dem Hilfesuchenden das Fischen + schenke ihm nicht ewig den gefangenen Fisch...&#34; ...Und die Chinesen lernen schnell, wie auch die Koreaner und damals die Japaner, - alles schon wieder vergessen...?Denken wir einmal an die ersten Toyota, Honda, Nissan, usw., in der Elektronik an Samsung vor vielen vielen Jahren...


heinz reitzel

26.03.2013 - 07:11 Uhr

Anders gesagt. Gier frisst Hirn


Bob R

26.03.2013 - 07:30 Uhr

Da heisst ja wohl mit anderen Worten, dass die schoenen geplanten Verkaufszahlen und Umsatzsteigerungen unserer Autobosse fuer China offensichtlich ihre Gueltigkeit verloren haben duerften und es in der Branche nun heftig abwaerts gehen wird.


Pet Schw

26.03.2013 - 08:39 Uhr

Ich glaube trotzdem wer in Peking Auto fährt sollte obwohl er in einem deutschen Fahrzeug unterwegs ist die Fenster geschlossen halten.Ich glaube einfach die Tests wurden bei offenem Fenster gemacht.


Herbert Mayer

26.03.2013 - 11:47 Uhr

@ Michael KühnGut. Und wenn es nur billige Gummifußmatten sind die so stinken?


SE

26.03.2013 - 11:54 Uhr

Abgesehen von hier gebrachten patriotischen Argumenten, muss ich sagen, dass meiner Tochter in einem Neuwagen, ich fahre BMW und Mercedes als Dauermietwagen, nach kurzer Zeit schlecht wird. In unserem älteren Zweitwagen passiert es nicht. Diese Problematik betrifft mit Sicherheit auch die meisten anderen Hersteller, insbesondere die mit den niedrigeren Qualitätsstandards. Allerdings ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die neuen Autos schon eigenartig riechen und so ganz ungefährlich ist es mit Sicherheit nicht. Gerade Premiumhersteller sollten von den Autofahrern mit den Anforderungen zu höheren gesundheitlichen Standards konfrontiert werden.


Klaus Krabbe

26.03.2013 - 11:57 Uhr

Früher oder später werden die Chinesen den Weltautomobilmarkt kontrollieren. Die Zweirad-, die optische-, die Elektronikidustrie sind Beispiele...


Ford VK

26.03.2013 - 12:46 Uhr

Na dann Ihr lieben - Kauft Ford Fahrzeuge - der einzige Hersteller mit allergiegetestetem Innenraum. Da mieft oder dünst nix. Da brauch es auch niemandem schelcht werden.


Herbert Mayer

26.03.2013 - 12:51 Uhr

@ SE Sie dürfen sich sicher sein: Der Verdacht auf gesundheitsbeeinträchtigende Gase, eingetragen durch serienmäßige Innenaustattung in Premium Marken, ist unbegründet. Gründe die zu &#34;einem schlecht werden&#34; führen, können auch durch Karosserieschwingungen entstehen. Oder durch billige Gummifußmatten.


Michael Kühn

26.03.2013 - 15:11 Uhr

@ Herbert Mayer, zu Ihrem 1. Kommentar; ob es heute nur Fußmatten sind, die &#34;stinken&#34; oder morgen etwas anderes wäre, darum ging es mir nicht. In China &#34;stinkt&#34; eine ganze Menge von überall her u. man darf nicht unterschätzen, dass in China auch in Bezug auf Menschenrechte oder Meinungsfreiheit, wie auch in wirtschaftlichen Fragen höchst &#34;eigenwillige&#34; Prioritäten/Gesetzmäßigkeiten gelten. Das bedeutet meines Erachtens, wenn die Regierung &#34;spezielle&#34; Ziele verfolgt, so wird diese relativ schnell entsprechende Fäden ziehen. 1,3 Milliarden Menschen wollen &#34;versorgt&#34; sein, z.B. mit Arbeit. Ergo wird man langfristig weniger importieren und eigene Produktionen forcieren, die dann auch exportiert werden können. Durch Zukauf von Waren alleine hat noch keine Volkswirtschaft langfristig Chancen sicherstellen können...(Zypern...?)2. Karosserieschwingungen sollten heute kein Thema mehr sein. Ich kann mich noch an die Mitfahrer auf den Rücksitzen erinnern, bei früheren Modellen, die heute jedoch nur noch in wenigen Einzelfällen gegeben sein mögen.


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