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Nachhaltige Unfallreparatur: BVdP definiert Öko-Standards

Weniger Abfall, reduzierter CO2-Ausstoß, keine unnötigen Standzeiten für Ersatzwagen: Wer die Eco-Repair Standards erfüllt, generiert laut BVdP echte Mehrwerte.
© Foto: BVdP

Mit dem neuen Eco Repair Siegel will der BVdP nicht nur seine Mitgliedsbetriebe für ein Zukunftsthema sensibilisieren, sondern auch Versicherungswirtschaft und Prüfdienstleister zum Umdenken bewegen.

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Nachhaltigkeit ist nicht erst seit dem Amtsantritt der neuen Bundesregierung in aller Munde. Die Verbindung von Ökologie und Ökonomie ist auch für K&L-Betriebe ein wichtiger Zukunftsbaustein – und dies über eine Ersatzwagenflotte mit E-Antrieb, Ökostrom in der Werkstatt und Photovoltaik-Anlage auf dem Unternehmensdach hinaus. Der BVdP als einer der führenden Branchen- und Wirtschaftsverbände wünscht sich die Umsetzung nachhaltigen Gedankenguts auch im Kerngeschäft, der Unfallreparatur, wie Vorstandsvorsitzender Reinhard Beyer und Geschäftsführer Michael Pinto im AUTOHAUS-Interview betonen.

AH: Herr Beyer, warum messen sie der Verknüpfung von Ökologie und Ökonomie so großen Wert bei?

R. Beyer: Die aktuell beispiellos hohe Inflationsrate und steigende Energiekosten setzen die Reparaturbetriebe zusätzlich zu den bekannten Dauerthemen weiter unter Druck. Die Frage nach intelligenten, zeit- und marktgerechten Investitionen, um auch künftig handlungsfähig zu bleiben, wird also immer wichtiger – auch weil sich die Rekordpreise für die Lebenshaltung natürlich auch in den Gehaltsforderungen unseres Fachpersonals wiederfinden. Es ist also an der Zeit, die kurzfristige Perspektive hinter uns zu lassen und die Gespräche mit unseren Großauftraggebern auf Augenhöhe zu führen, sowie neue Gesichtspunkte in die Diskussion einzubringen.

Standards statt Wildwuchs

AH: Herr Pinto, welche Unterstützung können Sie als Verband durch das neu geschaffene Siegel Eco Repair und darüber hinaus leisten?

M. Pinto: Wir sehen unsere Aufgabe hier ganz ähnlich wie beim 2021 realisierten Standard zur Elektrofahrzeug-Reparatur. Bevor alle Marktteilnehmer anfangen, eigene Ideen umzusetzen und ein Wildwuchs an Schildern und Kennzeichen entsteht, setzen wir übergreifende Standards und weisen unseren Mitgliedsbetrieben den Weg in Sachen Nachhaltigkeit. Eco Repair ist ein Label für Reparaturwerkstätten, die verschiedene Ausbeultechniken beherrschen und in der Lage sind, moderne Karosserien nach Herstellervorgaben zu richten – inklusive geschultem Fachpersonal und Top-Werkstattausrüstung.

AH: Welche Voraussetzungen sind für Betriebe zu erfüllen?

R. Beyer: Die wichtigsten Kennzahlen – etwa die Instandsetzungsquote – müssen erfasst und bereit gestellt werden, zudem gibt es einen Kriterienkatalog, der zu erfüllen ist. Wer diese Standards umsetzt, kann sich mit dem Siegel Eco Repair schmücken und seine Kompetenz in Sachen „grüne Reparatur“ vor Kunde beweisen. Natürlich muss diese Entwicklung auch in sich nachhaltig sein, so dass wir in regelmäßigen Abständen die Einhaltung der Vorgaben prüfen. Ziehen alle mit, lassen sich nach unseren Erkenntnissen beträchtliche Fortschritte in Sachen Materialeinsparung, Wirtschaftlichkeit und Ressourcenschonung machen.

Mehrwerte für alle

AH: Welche Reaktionen erwarten Sie aus dem Markt, gibt es bereits Feedback?

M. Pinto: Wir sind uns sicher, dass gerade die umweltbewussten Kunden der jüngeren Generation ein Siegel wie Eco Repair zu schätzen wissen. Aber auch die Mitarbeiter bekommen damit ein wichtiges Signal, dass ihr tägliches Handwerk unter Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung ausgeführt wird. In Sachen Versicherungswirtschaft, Schadensteuerer und Prüfdienstleister würden wir uns ein Umdenken wünschen: Statt erforderliche Leistungen zu streichen, könnte man die eigene Rolle dahingehend interpretieren, zu prüfen ob ein Schaden nicht doch nachhaltig zu reparieren ist. Bisher war es leichter, eine neue Tür genehmigt zu bekommen, als wirkliches Reparaturhandwerk.

R. Beyer: Der reine Teiletausch produziert allerdings deutlich mehr Abfall, die Komponenten müssen teils mehrfach transportiert werden, so dass der vermeintliche ökonomische Vorteil oft aufgefressen wird – vom ökologischen Fußabdruck ganz zu schweigen. Stattdessen sollte das Gesamtpaket betrachtet werden: eine anspruchsvolle Instandsetzung nach Herstellervorgaben, die nicht nur höchsten Qualitätsansprüchen gerecht wird, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist, CO2-Ausstoß und unnötige Standzeiten für Ersatzwagen gleichermaßen reduzieren hilft. Unter diesem Gesichtspunkt könnten alle Beteiligten echten Mehrwert generieren – und das im zweistelligen Prozentbereich.

Rückkehr zur Marktpräsenz

AH: Welche weiteren Schwerpunkte setzt der BVdP für 2022 und wie geht es in Sachen m.o.r.e weiter?

R. Beyer: Wir gehen trotz der bekannten Herausforderungen und dem wachsenden Transformationsdruck zuversichtlich ins neue Jahr – nicht zuletzt, weil wir hoffen, im Laufe der Zeit wieder physische Treffen veranstalten zu können und den digital aufgenommenen Dialog so vertrauensvoll weiterzuführen. Ansonsten haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, die wichtigen Markttrends rechtzeitig zu erkennen, aufzugreifen und sie im Sinne der Werkstätten rechtzeitig in die Diskussion einzubringen.

M. Pinto: Unsere Marke m.o.r.e. wird im Laufe des Jahres digitaler werden, wenn wir die Schadenmeldung per Weblink deutschlandweit und für alle Kundengruppen, vom Autofahrer bis zur Großflotte, ausrollen. Wir planen zudem kleine, zeitgerechte Imagefilme rund um unsere Leistungsmarke und werden unter dem Motto „m.o.r.e. auf Achse“ im Juli bundesweit unterwegs sein, um den Netzwerkgedanken weiter zu stärken und zusätzliche starke Partner zu gewinnen. Ziel ist und bleibt es, flächendeckend hervorragende Arbeitsqualität und Kundenservice nach einheitlich hohen Standards zu garantieren, ohne die unternehmerische Freiheit der Betriebe einzuschränken.

AH: Herr Beyer, Herr Pinto, herzlichen Dank für dieses Gespräch. (kt)

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KOMMENTARE


Roger Allenspach

28.02.2022 - 09:42 Uhr

Das ist sehr interessant. Diese Gedanken machen wir uns im CH Markt ebenfalls. Ich erlaube mir ein paar Anmerkungen dazu anzufügen. Ist eine Fokussierung auf "reparieren statt ersetzen" genügend? Ist es nicht auch gemäss der KIT Studie von noch grösserer Relevanz mit "wie viel" und "was für" Energie die Reparaturen durchgeführt werden. Wer bestimmt welche Reparatur wirklich nachhaltig ist? Eine Quote kann weder qualitativ noch aus der Sicht der Nachhaltigkeit der verlässliche Ansatz sein. Welche Priorität erheben Sie auf die verwendeten Materialien und ein Entsorgungskonzept das den Wertschöpfungskreislauf optimiert? Ist für Sie demnach auch der Entfall von dem kalkulatorischen Totalschaden (reparieren statt ersetzen) eine logische Konsequenz daraus. Wie gehen Sie mit dem Ansatz von Vorschriften vs. Nachhaltigkeit (Scheinwerfer Reparatur, Frontscheiben Reparatur im Sichtbereich, Stossstangenrepartur im FAS Bereich...) um? Kommt der Nachhaltigkeits-Ansatz nur zum Tragen wenn es auch günstiger ist (greenwashing), oder sind die Kunden und Versicherungen auch bereit die nötigen Arbeitsaufwände zu bezahlen? Enthält ihr Konzept auch sozial nachhaltige Aspekte? Einen gesunden Arbeitsplatz der gesetzlichen Vorgaben entsprechen muss? Auf dem Weg in der Schadenmanagement Branche proaktiv eine nachhaltige Lösung zu finden, würde ich mich gerne darüber austauschen. Freundliche Grüsse Roger Allenspach


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