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Experte: Werkstätten bräuchten Monate für Diesel-Rückrufe

Auf das Netz der VW-Vertragswerkstätten rollt mit dem Massenrückruf in der Diesel-Affäre eine gigantische Arbeitswelle zu.
© Foto: JiSIGN / stock.adobe.com

Branchen-Insider gehen von mindestens 90 Minuten Arbeitszeit pro betroffenem Wagen aus. Auch die Freien Werkstätten wollen einen Teil vom Kuchen abhaben.

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Auf das Netz der VW-Vertragswerkstätten rollt mit dem Massenrückruf in der Diesel-Affäre eine gigantische Arbeitswelle zu. Nach Konzernangaben gibt es bundesweit 2.173 Volkswagen-Partner, deren Werkstätten für den Rückruf autorisiert sind. Damit ergeben sich mit den 2,4 Millionen zurückgerufenen Dieseln rechnerisch 1.100 Fahrzeuge pro Werkstatt. Branchen-Insider gehen von durchschnittlich mindestens 90 Minuten Arbeitszeit pro betroffenem Wagen aus, worin neben der eigentlichen Nachbesserung auch die Zeit für Formulare und Dokumentation steckt. 

Damit ergeben sich gut 200 Arbeitstage für eine Kfz-Arbeitskraft - wenn diese sich ausschließlich mit dem Rückruf beschäftigte. Je nach Personalschlüssel und räumlichen Werkstattkapazitäten bräuchte also jeder VW-Servicepartner etliche Wochen für die Aktion. "Die muss aber neben dem ganz normalen Tagesgeschäft gewuppt werden", gibt ein Experte zu bedenken. Damit scheinen lange Wartezeiten absehbar. 

Neben den knapp 2.200 VW-Partnern gibt es zwar noch eine kleinere, nicht näher bekannte Zahl von autorisierten Servicebetrieben. Diese decken nur die ebenfalls vom Rückruf betroffenen VW-Schwestermarken Audi, Seat, Skoda und VW-Nutzfahrzeuge ab, nicht aber gleichzeitig auch die Kernmarke VW-Pkw. Diese Zahl dürfte aber zu vernachlässigen sein.

Freie Werkstätten wollen Teil vom Kuchen

Auch die freien Kfz-Werkstätten dringen bereits auf eine Teilnahme am Rückruf. "Allein schon aus Gründen der Kundenzufriedenheit sollte VW das ermöglichen", sagte Manfred Kaufhold vom Bundesverband Freier Kfz-Mehrmarkenwerkstätten am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Bei 2,4 Millionen Diesel geht es um ein Riesengeschäft.

Ein Volkswagen-Sprecher sagte, dass erst überprüft werden müsse, welche Werkstätten dabei sein können. Dabei gehe es neben technischen Fragen auch um das Nachverfolgen der Aktion, deren Lückenlosigkeit das Kraftfahrtbundesamt (KBA) überwacht. Fest stehe bisher nur, dass die bestehenden Vertragswerkstätten des Konzerns für die anstehenden Nachbesserungen nach Vorgabe des Herstellers autorisiert werden. 

Die freien Kfz-Werkstätten fürchten nicht nur eine Diskriminierung bei den millionenfachen Rückrufarbeiten. Es gehe auch um den Schatz an Kundendaten, die mit der Aktion in den Werkstätten gespeichert werden - und dann später für Werbeanschreiben genutzt werden könnten, etwa um auf anstehende Hauptuntersuchungen hinzuweisen. Laut Kaufhold wechselt ein Großteil der Neuwagenkäufer nach drei Jahren zu einer freien Kfz-Werkstatt und fährt nicht mehr zu den Vertragshändlern. (dpa)

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KOMMENTARE


poldi66

16.10.2015 - 12:30 Uhr

ach die armen freien Werkstätten!!!VW wäre ja noch dümmer als jetzt schon, wenn sie die Aktion NICHT auf VW-Werkstätten begrenzen würden. So viel neue Adressen, Interessenten und Möglichkeiten, dem Besucher ein neues Auto zu verkaufen!!! Was besseres kann einem ja in der Not nicht passieren..... Wie man da als freie Werkstätte auf den Gedanken kommen kann, VW möge das freigeben für alle, bleibt mir ein Rätsel...


THK

16.10.2015 - 14:46 Uhr

Die Hyänen lauern und wittern ein Geschäft ...


DS pfalz

16.10.2015 - 16:22 Uhr

Dieser Rückruf wird für einen langen Zeitraum die Servicequalität der VW-Vertragswerkstätten, auch für die Besitzer nicht betroffener Fahzeuge, erheblich beeinflussen. Bereits heute warte ich auf einen Inspektions-Termin ca. 3 Wochen! Wie lange werde ich wohl 2016 warten müssen?


hwb

16.10.2015 - 22:41 Uhr

Das nenne ich Mut, oder Dreistigkeit, Betriebe die sich bisher nicht als Vertrags-Partner eines Markenherstellers qualifizieren konnten, wollen etwas vom Kuchen abhaben und das vor dem Hintergrund einer dadurch möglichen Kundenzufriedenheit. Wenn ein Hersteller wie hier zum ersten Mal in der Geschichte dieser Republik von einer Bundesbehörde (KBA) zu einer Rückrufaktion verdonnert wird, fühlen sich Betriebe, die nur wiederstrebend Fahrzeugliteratur erwerben wollen und Universalwerkzeuge den Spezialwerkzeugen der Hersteller vorziehen, als Dienstleister anbieten. Wenn jetzt das KBA oder Politiker im Sinne einer schnelleren Umsetzung eine solche Umsetzung befürworten sollten, ist für mich klar, hier geht es nicht um nachhaltige Fehlerbeseitigung, sondern um effektheischenden Aktionismus mit erfolgreichem Lobbyismus. Eine typische Lösung in dieser Lobbyisten gesteuerten Politikwirtschaft.


Aschmu

17.10.2015 - 10:52 Uhr

@ DS Pfalz: ist doch normal - warum soll eine Werkstatt ( Händlerbetrieb - nicht freie Werkstatt ) unnötig Personla einsetzen, wenn nach einigen Jahren die Kunden eh zu den freien wechseln, weil die ja soooooviel günstiger sind? Nochmals: jeder Händler kann mit den freien Werkstätten mithalten: vorausgesetzt der Kunde unterschreibt den Auftrag sinngemäß: Kunde wünscht keine original Teile sondern Zubehör teile von ATU o.ä. - wenn das was defekt geht, verweise ich Sie gerne an meinen Lieferanten :-) .. außerdem führe ich dann keine Korrosionskontrolle durch für ca. 20,- ( macht die freie ja auch nicht ) ... bei Rost : Pech lieber Kunde, sie wollten es ja billig. SIe glauben nun, das gibt es nicht? Schauen Sie sich einige der Rechnungen der "freien" an, bei sich o. Ihren Bekannten: NIRGENDS findet sich das ! Außerdem: holen Sie mal einen Termin beim Facharzt... da warten Sie heute schon teilweise 6 Monate.... normal, oder?


Wolgang

18.10.2015 - 11:48 Uhr

Das wenn passiert verliere ich ganz den Glauben an unseren Hersteller.


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