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Kommentare (0) 05. Juli 2017

Editorial: Augenmaß beim Diesel-Thema

Ralph M. Meunzel

Von Ralph M. Meunzel

Die Kaufzurückhaltung v. a. der privaten Kunden bei Autos mit Dieselmotor hat sich inzwischen deutlich auf den Handel ausgewirkt. Seit Monaten berichten Händler von Einbußen beim Selbstzünder. Jetzt ist es amtlich. Laut DAT belasten diese Autos die Händlermargen deutlich. Demnach stehen Diesel-Fahrzeuge im Schnitt zwölf Tage länger auf den Höfen als Benziner. In Kombination mit den durchschnittlichen Kosten pro Standtag von 24 Euro heißt das, dass sich die Händler-Marge im Schnitt um 288 Euro pro Diesel-Fahrzeug reduziert, sagt der Marktbeobachter.

Im aktuellen AUTOHAUS Panel geben 70 Prozent der von uns befragten Händler an, dass die Nachfrage gesunken sei, und zwar bei Neu- und Gebrauchtwagen gleichermaßen (s. Seite 46 ff.). Ein Viertel stellt fest, dass sich auch Gewerbekunden beim Diesel zurückhalten. Diese Entwicklung schlägt sich auf Umsatz und Ertrag nieder. So berichtete der Handel im aktuellen Panel von 18 Prozent beim Umsatz und 17 Prozent beim Ertrag. Zu den Gegenmaßnahmen zählen Abschläge auf die DAT- und Schwacke-Einkaufspreise oder man nimmt generell weniger bzw. gar keine Diesel mehr an. Was bei Leasingrückläufern ohne Restwertabsicherung allerdings keine Anwendung finden kann. Hier muss der Händler den Verlust übernehmen. Positiv dabei ist, dass der Kunde auf die Negativ-Kampagne nicht mit Kaufzurückhaltung reagiert, sondern sich zu 95 Prozent für einen Wagen mit Benzinmotor entscheidet.

Insgesamt wird vom Handel weiter mit sinkenden Restwerten bei Dieselautos besonders in der Mittelklasse gerechnet. Die Lage wird sich kurzfristig auch nicht ändern. Besonders das GW-Geschäft mit Diesel bleibt unter Druck, Vorsicht ist geboten bei Buy-back-Deals. Dieter Fess von Bähr und Fess Forecast dazu: "Der 'Umwelt-Paria Diesel' wird von uns schon seit längerer Zeit, nicht erst als erste Diskussionen um Fahrverbote und Kostenaufwand für die Technologie entstanden, kritisch gesehen und auf lange Sicht kontinuierlich in seinen Restwerten reduziert werden. Diese Reduzierungen werden die Fuhrparks spätestens dann erreichen, wenn Leasingraten und steuerliche Rahmenbedingungen für Diesel so uninteressant werden, dass die Zahl der Neuzulassungen auf ein vom GW-Markt problemlos absorbierbares Niveau zurückgeht."

Zur Verschlechterung der Situation tragen auch populistische Forderungen nach Fahrverboten, wie vom Münchner Oberbürgermeister Reiter, bei. Mit derart unpräzisen Vorschlägen werden die Autofahrer weiter verunsichert. Erhöhte Werte werden v. a. in den Stauzonen registriert. Vielleicht sollte man zunächst dafür sorgen, dass der Verkehr wieder fließt, und dann über weitere Maßnahmen nachdenken.

Beim CO2-Ausstoß schneidet der Diesel um 14 Prozent günstiger ab als der Benziner. Bei Stickoxiden (NOx) steht der Benziner 15 Mal besser da. Der Stickoxidausstoß ist allerdings von 1990 bis heute von jährlich 2,8 auf 1,1 Mio. Tonnen reduziert worden. Neben dem Auto gehören Landwirtschaft, Heizung der Häuser sowie die Industrie zu den Emittenten. Der Diesel hat daran den größten Anteil. Die Autoindustrie ist jetzt gefordert, akzeptable und bezahlbare Lösungen zu präsentieren, um zerstörtes Vertrauen wieder zurückzugewinnen.

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