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Auto-Stammtisch

Das Auto – ein Sorgenkind mit schlechtem Leumund?

Patrick Neumann

Während unserer 12. AUTOHAUS Santander Classic-Rallye konnte ich hautnah erleben, wie emotional Jung und Alt auf automobile Schätzchen reagieren. "Wann kommen denn die Autos?" Allein diese simple Frage musste ich am Zielbogen in Bad Neuenahr andauernd beantworten. Der oder die Fragende nickten dann kurz, grinsten und setzten sich wartend in den Schatten – bei gefühlten 35 Grad Celsius. Näherten sich dann Hingucker wie Peugeot Eclipse aus dem Jahr 1938, das Urlaubsgespann Volvo PV 210 Duett von 1968 oder die zahlreichen historischen Mercedes- und Porsche-Boliden der schwarz-weißen Zielfahne, zückten die Zuschauer fleißig ihre Smartphones und Digitalkameras – Paparazzi hätten an diesem Enthusiasmus ihre wahre Freude gehabt. Außerdem durfte ich mir beim Einsatz am Start-Ziel-Bogen viele Anekdoten anhören: vom ersten Urlaub mit den Kindern, die heute längst erwachsen sind, oder Erfahrungen mit dem Ford Mustang in der Werkstatt.

Da stellt sich doch die Frage, was eigentlich passiert ist? Hier das liebevolle wie emotionale Umarmen der Classic Cars, die ja alles andere als umweltfreundlich waren und sind, dort das Verteufeln aktueller Fahrzeuge. Die Faszination scheint sich schleichend, über Nacht oder erdrutschartig am 18. Dezember 2015 – dem Start des Diesel-Tsunamis – vom Auto verabschiedet zu haben. Wer heute zum Auto steht und es liebt, steht schon seit Längerem in Diskussionen mit Freunden schnell in der Investment-Banker-Ecke. Imagemäßig nicht gerade das Beste, was einem passieren kann.

Ein Grund lässt sich meiner Meinung nach an den Mainstream-Markengesichtern der aktuellen Automodelle festmachen. Für Individualisten ist in der heutigen Fahrzeugpalette kaum Platz, man möchte ja nicht, dass die Controller in den Autokonzernen und die anspruchsvollen Aktionäre Schnappatmung bekommen. Ein zweiter Grund ist, dass in den vielen Debatten nach dem 18. September 2015 verpasst wurde, die große Bedeutung des Pkw für den Individualverkehr herauszustellen. Negative Schlagzeilen verunsichern zusätzlich die Verbraucher und erschüttern das Vertrauen. Keine gute Voraussetzung für eine entspannte Liebesbeziehung zwischen Halter und Fahrzeug – auf das Ersterer ja Tag für Tag angewiesen ist.

Und drittens: der Zeitgeist. Laut dem aktuellen "AutokäuferPuls" hat die "Fridays for Future"-Bewegung direkte Auswirkungen auf die Anschaffung und Nutzung von Autos. Das gab jeder fünfte Autokäufer den Marktforschern zu Protokoll. Davon leiten sie dann vier konkrete Maßnahmen ab: Reduktion der Nutzung des Autos (53 Prozent), Umstieg auf Elektroautos (46 Prozent), Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel (43 Prozent) und Umstieg auf kleinere Autos (33 Prozent). Ob sie gleichzeitig auch ihre Flugreisen, Kreuzfahrten oder den Komfortöfen-Einsatz einschränken?

Digitale Grüße

Patrick Neumann,
stellvertretender Chefredakteur AUTOHAUS

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1 Kommentar
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Fabio Carlos
01.07.2019

vielen Dank! das trifft es aber Punkt genau. Kurz und knapp, genial.....Es wird leider durch immer weniger Wertschätzung, zum Produkt und Branche, etwas zerstört was keinen Grund dazu hat und nicht sein dürfte. In unserer Wegwerfgesellschaft, immer schnelleren Zeit und immer mehr mehr mehr, gehen Emotionen und Interessen verloren. Traurig aber war

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