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Kommentare (8)

Auto-Stammtisch

Hollywood-Effekte bei Mercedes

Patrick Neumann

Kein Wunder, dass unsere Online-Meldung mit dem Titel "Der Zuspruch ist enorm", in der es auch um die Daimler-Strategie in Sachen Online-Vertrieb geht, von unseren Lesern hervorragend geklickt wurde. Bis 2025 wolle Vertriebsvorständin Britta Seeger jeden vierten Mercedes-Neuwagen online verkaufen und zudem langfristig zu einem einheitlicheren und transparenteren Preissystem kommen, erklärte sie der Deutschen Presse-Agentur. Man sehe ein hohes Interesse im Online-Bereich, der Zuspruch sei enorm. Eine wichtige Weichenstellung beim Stern! Ein paar Zeilen später geht es dann – erfreulicherweise – auch um den stationären Handel. Der physische Vertrieb werde für die Marke weiter unverzichtbar sein, so Seeger. Also ein klares Bekenntnis zu den weltweit 6.500 Mercedes-Partnern.

Diese Kommunikationsstrategie kennt man auch von anderen Fabrikaten: den Aufbruch in neue, digitale Welten zu formulieren und gleichzeitig die große Bedeutung des persönlichen Kontakts zu postulieren. Und gerade bei Letzterem dürften die Mitarbeiter im Mercedes-Handel künftig den einen oder anderen kuriosen Moment erleben. Stichwort: Unboxing. Ein Fachbegriff, der von der Generation Youtube stammt. Smartphone zücken, die neuen Sneakers aus der Verpackung reißen und das Ganze kommentieren – fertig ist das Unboxing-Video. Das Publikum: die schöne neue Netzwelt.

Auf dieses Prozedere will jetzt auch, natürlich leicht adaptiert, Daimler setzen. Quasi in der Premium-Variante. Für Emotionen im abgedunkelten Übergaberaum soll künftig die "Unboxing Your Star"-Auslieferungszeremonie sorgen. Bislang bin ich davon ausgegangen, dass das georderte Auto genug Adrenalin im Körper freisetzt. Endlich ist er da, der Traumwagen! Warum muss ich jetzt noch eine sicherlich nicht ganz günstige und im Mercedes-CI gefertigte Stele berühren, um an den Fahrzeugschlüssel zu kommen? Was soll das ganze Hollywood-Brimborium? Untermalt von Licht-, Ton- und Filmeffekten? Das Auto an sich ist doch ein super-emotionales, mit viel Liebe und Aufwand gestyltes Produkt – und kann für sich alleine "sprechen". Wenn ich dann noch eine kompetente Einweisung ins Fahrzeug, besser mein Fahrzeug, bekomme, bin ich doch schon glücklich. Schließlich kaufe ich ja kein Erlebnis à la Jochen Schweizer, sondern einen Mobilitätsbegleiter für die nächsten Monate oder Jahre.

Digitale Grüße

Patrick Neumann,
stellvertretender Chefredakteur AUTOHAUS

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8 Kommentare
1
MB Verkäufer
30.07.2019

Dieses Gejammere ist ja furchtbar! Ich persönlich gehöre weder zu den Ü50 noch zu den, ich zitiere, jung, billig und willig. Ich verkaufe seit vielen Jahren PKW und habe Erfolg dabei. Über mein Jahresgehalt kann ich mich nicht beschweren, manche Studierten und Promivierten verdienen definitiv weitaus weniger als ich trotz relativ, im Vergleich dazu, geringen Garantiegehalt. Es ist eben immer noch die Fragen des WIE. Meine Kunden sind sehr zufrieden und loben die Beratungsqualität. Da wird auch gerne der ein oder andere Euro mehr verschmerzt. Wer als Verkäufer erfolgreich sein möchte, muss eben die immer noch geltenden Regeln an zwischenmenschlichen Beziehungen verstehen und beherrschen. Branchenübergreifend kann man ganz klar sagen, wer gut ist wird Erfolg haben!

2
Oliver Becker
26.07.2019

Die Wertschätzungskette Hersteller zu Händler, Händler zu Mitarbeiter und Verkäufer, Verkäufer zu Kunde stimmt einfach nicht mehr! Und in die andere Richtung... Dann ergibt sich auch keine Wertschöpfungskette. Weil immer mehr Kunden billig wollen, bekommen Sie billig. Und landen nach Kauf in einer Lagerhalle anschließend wegen Kartenmaterial, Inanspruchnahme der Werksgarantie und Kauf einer Anschlussgarantie doch im Vertragshandel. Eigentlich unfassbar? Gespart haben Sie nämlich nichts!

3
Branchenoutsider
26.07.2019

Es wird noch schlimmer kommen, das Berufsfeld wird sich komplett vom Verkäufer zum reinen Abwickler ändern. Die Arbeit des klassischen Verkäufers erhält doch überhaupt keine Wertschätzung mehr. Dann aber die immer schlechter werdende Beratungsqualität monieren. Wen wundert's?

4
Josef Schwab
24.07.2019

Autoverkäufer sind meiner Meinung nach unverzichtbar. Schließlich habe ich bei einem Neuwagenkauf in der Regel ein Gebrauchtfahrzeug abzugeben.Dies funktioniert über Online-Handel nur sehr begrenzt.

5
ex MB-Verkäufer
23.07.2019

Die richtig guten Verkäufer haben dem Job schon vor Jahren den Rücken gekehrt. Es gibt nur noch zwei Verkäufertypen: jung,billig.willig oder Ü50 und noch die Jahre bis zur Rente absitzen.Der Job hat keine Zukunft, wer da heute noch einsteigt, dem ist nicht zu helfen. Habe gerade mein Auto von der Inspektion abgeholt. Das sitzen 8 Verkäufer im Businessoutfit (C&A) bei 40 Grad im Glaskasten und warten bis 19h auf Kunden die nicht kommen. Immer mehr und noch mehr hat uns dahin gebracht. Der Kunde will den ganzen Zirkus nicht, denn er bezahlt Ihn ja schliesslich mit. Für 10,-€ weniger Leasingrate holt der das Auto auch aus einer Lagerhalle ab(siehe Tesla)Quo Vadis Autohandel?

6
MV
23.07.2019

Ja Herr Neumann es sollte anders sein aber das Gegenstück dazu: Der heutige Sensationssüchtige Mensch unserer ach so tollen Gesellschaft ist nicht ganz unschuldig an diesem sinnlosen Getue. Ferrari ist da wesentlich emotionaler wenn man seinen Ferrari in Maranello abholen darf.Eine große stille Halle die man entlang schreitet. Rechts und links stehen Ferraris Spalier und am Ende der Halle genau in der Mitte da steht er. Auf einem roten Teppich mit eingewebten Ferrari Emblem, angeleuchtet von einer Lampe. Schemenhaft und fast nicht wirklich.Emotionen zu generieren konnte Mercedes einmal, das was jetzt kommt reicht gerade mal für die Moment Erfassung. Ein weiterer Chinesischer Investor, Umstellung auf Digital, Immer weniger qualifiziertes Personal die diese Arbeitsbedingungen mitmacht. Ich sehe hier nicht die Qualität von Mercedes sondern die pure Angst was auch immer zu verschlafen. Aber so lange Theoretiker Endscheidungen treffen kann man nicht wirklich nützliches erwarten.

7
Gatsleser
23.07.2019

Wenn ich den Artikel vom -Alten Zausel- so lese, frage ich mich als Laie bzw. nicht Automobilverkäufer, warum man das auf sich nimmt? Wird so gut bezahlt, dass man den Merkmale dieses Jobs bzw.Herausforderungen und Widrigkeiten, aber vor allem unbezahlten Tätigkeiten für geringes Fixum nach geht?Das würde mich wirklich interessieren. Ich kann mir vorstellen, dass es in Zukunft nicht einfacher wird, wenn der MB Verkäufer dann jammert, wie soll es erst den anderen Marken, die Ihre Fahrzeuge verschleudern gehen?

8
Alter Zausel
22.07.2019

Irgendwann findet auch Mercedes keinen Mitarbeiter mehr der als Pkw Neuwagenverkäufer arbeiten möchte ! Geringes Fixum, hoher administrativer - wenn auch unnötiger - Papierkrieg, oft sehr hoher Beratungsaufwand, dann ist man kurz aus dem Haus , der Kunde kommt anders als verabredet, bestellt beim Kollegen - u. zack ist zumindest die halbe Provision weg -wenn alle Besuche brav dokumentiert wurde ! Andernfalls ist das Motto: wer die Braut heimführt (Kaufvertrag =Provision) der bekommt sie. Jetzt auch noch Schauspieler bei der Auslieferung - wie schon bei vermuteten Testkäufern, Besuchen / Anrufen von der DUH usw. usw. !! WAS SOLL ALL DIESER QUATSCH ?? Aber bevor nicht der letzte Euro vor der Auslieferung im Haus ist darf das Fahrzeug offiziell nicht ausgeliefert werden - das nennt man Vertrauen !?!

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