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Kommentare (0) 11.03.2019

Auto-Stammtisch

Marketing in Zeiten des WM-Helden-Shitstorms

Patrick Neumann

Das nennt man wohl schlechtes Timing. Ende vergangener Woche grinst Fußball-Weltmeister Mats Hummels in München großflächig und in vorderster Front von einigen Werbeplakaten, was zunächst ja nicht ungewöhnlich ist. Zumal in der Landeshauptstadt, Heimat seines FC Bayern. Blöd nur, dass der Rio-Held nicht im roten Trikot steckt, sondern den Bundesadler auf der Brust trägt. "Fußball, das sind wir alle", so lautet der Slogan der ersten Werbekampagne, die Volkswagen nun mit der deutschen Nationalmannschaft gestartet hat.

Moment mal. Hat Weltmeistertrainer Joachim Löw nicht wenige Tage vorher die aus seiner Sicht in die Jahre gekommenen Kicker Thomas Müller, Jerome Boateng und eben Hummels kurzerhand aus dem DFB-Team gestrichen? Haben nicht Boulevard-Blätter, Stammtische und Guru- wie Expertenrunden darüber ausführlich diskutiert und sich an diesem Thema abgearbeitet? Böse Zungen könnten jetzt behaupten, der Slogan müsste heißen: "Fußball, das sind wir alle – außer Müller, Boateng und Hummels." Für den Autobauer VW ist dieser Marketing-GAU eigentlich tragisch, könnte er in diesen Tagen ein wenig Glanz aus Maracana ganz gut gebrauchen.

Laut Jürgen Stackmann soll die Kampagne den Start der Partnerschaft mit dem DFB dokumentieren und das Grundverständnis von Fußball ausdrücken. Man unterstütze diese großartige Sportart in ihrer gesamten Breite: Profis und Amateure, Männer und Frauen, Erwachsene und Kinder, Fans und Ehrenamtliche, so der Vertriebsvorstand der Marke Volkswagen Pkw. Und weiter: "Wir bei Volkswagen teilen die zentralen Werte des Fußballs wie etwa Bodenständigkeit, Leidenschaft, Innovationskraft, Vielfalt und Fairness." Seit Jogi Löws Drei-Mann-Rauswurf werden einige Fans und Autokäufer hinter "Fairness" ein großes Fragezeichen setzen.

Übrigens: Auf dem Pressebild zur Kampagne, das VW am Freitag verschickte, findet man Leroy Sané und Timo Werner ganz weit vorne, Hummels steht zumindest noch in Reihe drei. Mit einem frechen Grinsen im Gesicht, als ob er sich heimlich ins Bild geschlichen hätte.

Digitale Grüße

Patrick Neumann,
stellvertretender Chefredakteur AUTOHAUS

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