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Auto-Stammtisch

Ökosysteme – der neue Schub fürs Geschäft?

Patrick Neumann

Neidisch blicken Automanager und -strategen zu den Tech-Riesen mit ihren Web-Plattformen, die keinen digitalen Fußabdruck ihrer Nutzer versäumen. Das will ich auch – so lautet derzeit das globale Credo der Autobauer. Denn die Chancen scheinen groß zu sein, wie eine aktuelle BearingPoint-Studie belegt. Demnach rechnen heute schon 46 Prozent der befragten Automobilunternehmen damit, in den nächsten 24 Monaten den Umsatz um mehr als 16 Prozent steigern zu können. Der Wachstumsgarant: Partner-Ökosysteme mit Playern wie Uber, Fintechs & Co.

Spannend wird, welche Mehrwerte, sprich Kundenerlebnisse und Produkte, diese offenen und lebenden Systeme in der Praxis dem Autofahrer oder Mobilitätssuchenden tatsächlich bieten und wie groß der Erneuerungswille der Autoindustrie in den nächsten zwei Jahren sein wird. Order ich heute regelmäßig bei Plattformen wie Amazon Güter des täglichen Bedarfs, ist die Motivation klar: Bequemlichkeit oder – etwas freundlicher ausgedrückt – Zeitersparnis. Streame ich dort meine Lieblingsserie Staffel für Staffel, motiviert mich meine Neugierde oder Sucht. Doch wann greife ich künftig zur ID des Autobauers? Wenn ich den saisonalen Räderwechseltermin vereinbare? Da genügt doch auch ein Anruf, wird sich der eine oder andere Pkw-Lenker denken. Wenn die Öllampe plötzlich aufleuchtet? Nicht abwegig, dass ich die ID genau zu diesem Zeitpunkt nicht zur Hand habe – passiert ja so selten. Jetzt kommt es also auf die Autobauer an, den Kollaborations-Gedanken mit Leben, Fantasie und Innovation zu füllen sowie die Autohalter zu überraschen. Damit sie sich neugierig und süchtig ins Ökosystem stürzen und dort immer wieder bereitwillig bezahlen. Auch mit ihrem Gold, den Daten. Doch Vorsicht: Wer sich aufs Parkett der Tech-Riesen wagt, muss sich in Sachen Customer Experience auch daran messen lassen.

Dabei sind "Daten" eine gute Überleitung für mich. Wer darf eigentlich damit arbeiten? Rechtsanwalt Uwe Brossette von Osborne Clarke stellte das kürzlich auf einem AUTOHAUS-Kongress noch einmal klar: grundsätzlich der Kunde selbst; derjenige, mit dem der Kunde einen Vertrag geschlossen hat; derjenige, dem der Kunde eine Einwilligung erteilt hat. Bedeutet: Nicht nur der Blick zu den Tech-Riesen mit ihren reibungslosen Prozessen ist wichtig, sondern auch die faire Einbindung des Handels ins Ökosystem. Eine unprofessionell wirkende Customer Journey kann sich nämlich niemand leisten, auch nicht der selbstbewussteste Autobauer. Nicht heute, nicht morgen und auch nicht in zwei Jahren.

Digitale Grüße,

Patrick Neumann,
stellvertretender Chefredakteur AUTOHAUS

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