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AUTOHAUS Editorial

Teure Leadlieferanten

Ralph M. Meunzel

Von AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel

Wer Gebrauchtwagen verkaufen will, kommt in der Regel an den einschlägigen GW-Plattformen nicht vorbei. Dabei ist neben dem deutschen Marktführer Mobile.de seit Jahren Autoscout24.de die Nummer zwei. Die beiden Börsen sind damit die wichtigsten Leadlieferanten für Anfragen von GW-Käufern. Der Handel ist seit Jahren mit der Preispolitik der Unternehmen nicht glücklich und kritisiert die regelmäßigen Preiserhöhungen sowie das hohe Marketingbudget, das monatlich dafür aufgewendet werden muss. Um Kosten zu sparen, wurde beispielsweise von manchem Autohaus eines der beiden Portale abgeschaltet. Nur wenige verzichten auf beide.

Alternativen zu den Platzhirschen sind derzeit in Sicht, der Durchbruch ist allerdings noch keiner gelungen. Mit Heycar.de ist zwar seit 2017 eine neue von VW Financial Services gegründete – und mit großen Vorschusslorbeeren bedachte – Plattform an den Markt gegangen. Der von der Händlerschaft erhoffte Erfolg als neuer, preiswerter Leadlieferant blieb allerdings bislang aus – trotz Beteiligung des Zentralverbands des deutschen Kfz-Gewerbes (ZDK). Auch der Einstieg von Daimler Financial Service zu Beginn des vergangenen Jahres hat daran nichts geändert. Zufrieden sind die Händler mit den Ergebnissen jedenfalls nicht. Auch wenn die Verantwortlichen beteuern, dass man im Plan liege.

Nun sind unter anderem mit dem zur Auto1-Gruppe gehörenden wirkaufendeinauto.de-Fahrzeugmarkt, der GW-Börse Romoto von WebMobil24.de und der jüngst von der Bank Deutsches Kfz-Gewerbe (BDK) gegründeten Plattform JuhuAuto weitere neue Player am Markt. Schaden wird dies dem Handel sicher nicht. Die Kosten für die Autohäuser sind bei den neuen Anbietern deutlich geringer. Gerade die Verbindung zwischen Autofinanzierer und Händler kann für beide Seiten interessant sein. Man darf also davon ausgehen, dass es zu weiteren Neugründungen kommen wird. Letztlich geht es dem Handel doch darum, zu bezahlbaren Gebühren möglichst qualifizierte Leads zu erhalten. Das ist die große Herausforderung für alle neuen Anbieter. Wer die Transaktion beherrscht, macht das Geschäft.

Nun leben die Börsen vor allem von den Händlern. Die Investoren glauben weiterhin an das Geschäftsmodell Handel, sonst würde es weder Neugründungen noch spektakuläre Käufe geben. So ging AutoScout24.de inklusive Finanzcheck.de (Übernahme 2018 für 285 Millionen Euro) für 2,9 Milliarden Euro jetzt wieder an den Finanzinvestor Hellman & Friedman. Die US-Investoren übernahmen 2013 schon mal 70 Prozent der Anteile der Scout24-Gruppe von der Telekom für 1,3 Milliarden. Die Telekom hat Scout24 (Auto- und Immobilienscout) 2004 von der schweizerischen Beisheim Holding für 180 Millionen Euro gekauft. Die Münchner haben dazu in den vergangenen zwei Jahren die "Braut" schön gemacht. Technisch sei Autoscout24.de besser als Mobile.de, sagen Fachleute. Der Abstand zum Marktführer hat sich allerdings bei Händleranzahl und Fahrzeugbestand in den vergangenen Jahren vergrößert. Laut aktuellem AUTOHAUS Panel vom Januar 2020 rechnen jetzt allerdings 49 Prozent der befragten Händler mit weiteren Preiserhöhungen. Einer muss den Deal schließlich bezahlen.

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