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Kommentare (1) 17. Mai 2017

ServiceWelt: Ende der Schonfrist für Benziner

Alexander Junk

Von Alexander Junk

Im Freundeskreis werde ich oft gefragt, ob sich der Kauf eines Diesels in Zeiten drohender Fahrverbote überhaupt noch lohnt und man nicht lieber einen Benziner nehmen sollte. Der Selbstzünder wird inzwischen als Dreckschleuder wahrgenommen, während der Benziner hingegen als sauber gilt. Das ist aber nicht immer richtig: Einige neue Diesel-Fahrzeuge mit effizienter Abgasreinigung stoßen weniger Schadstoffe aus als das Gros der Benziner mit Einspritztechnik. Denn mit Optimierungen im Verbrennungsprozess und durch den Einsatz von SCR-Katalysatoren können Diesel das Stickoxid-Problem beheben. CO2 erzeugen die Selbstzünder generell weniger, weil sie weniger Kraftstoff als ein Ottomotor benötigen. Und im Gegensatz zu Benzinern werden Diesel schon seit Jahren mit Abgaspartikelfiltern ausgestattet, die den Großteil der Rußpartikel zurückhalten. Ganz anders beim Benziner: Bedingt durch die Einspritztechnik verbrennt der Kraftstoff nicht vollständig und hinterlässt besonders feine Rußpartikel, die als gesundheitsschädlich gelten. Benziner dürfen nach der aktuellen Abgasnorm Euro 6b dennoch das Zehnfache dessen an Partikeln ausstoßen, was Diesel-Fahrzeuge dürfen. Mit der Einführung der Abgasnorm Euro 6c im September 2017 ist damit Schluss, denn dann wird die erlaubte Menge an Partikeln dem Diesel angeglichen. Autohersteller wie VW statten deshalb Ottomotoren demnächst ebenfalls mit Partikelfiltern aus. Das wirft die Frage auf, ob ältere Benziner zukünftig auch mit einem Filter nachgerüstet werden müssen. Denn sollte die blaue Plakette tatsächlich eingeführt werden, wären Fahrverbote für Benziner ohne Filter denkbar.

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1 Kommentar
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Kurbelwellenfan
18.05.2017

Wenn wissenschaftlich exakte und neutrale Untersuchungen ergeben, dass die direkteinspritzenden Otto-Motoren ein unvertretbar hohes Maß an Feinst-Staub emittieren, dann ist sicher Handlungsbedarf angezeigt. Verblüffend ist nur, dass die Autohersteller damit einfach warten, bis Euro 6c zur Anwendung kommen muss. Das ist gegenüber Kunden, die jetzt einen Benziner nach Euro 6b haben ein Vabanque-Spiel. Es werden Milliarden für Connectivity und ähnliches Chi-Chi investiert und dem Kunden an den Hals gehängt. Wer sich als Privater einen Neuwagen kauft, will doch einfach für die nächsten 6 - 7 Jahre uneingeschränkte Mobilität genießen. Es ist unglaublich, wie zögerlich hier die Hersteller reagieren. Sie scheinen den Schuss genau so wenig gehört zu haben, wie die abgewählten SPD-Landesregierungen den Schuss bezüglich der inneren Sicherheit. Die Leute wollen SICHERHEIT. In diesem Fall die Sicherheit mit einem neuen Fahrzeug die nächsten 10 Jahre an jeden Ort Deutschlands fahren zu können. Der größte Hohn sind Plug-in-Hybride, denen man mit dem "E"-Kennzeichen die absolute "Reinheit" unterstellt. Tatsächlich werden die von einem direkteinspritzenden Benziner 80% der Strecke bedient und emittieren Feinst-Staub, wie ein "Normaler", weil eben der Filter fehlt. Irgendwie wird mein "schlechtes Gewissen" beim Betrieb meines Oldtimers immer kleiner.

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