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Kommentare (0) 13. April 2018

HB ohne Filter - Berufsbildung, VW-Kulturwandel, Pitstop

Prof. Hannes Brachat

Heute: Du bildest Zukunft – Woche der beruflichen Bildung, Genial verpackt - Mercedes-Benz, Autonome Fahrträume geplatzt, VW – wo bleibt der Kulturwandel? Pitstop mischt wieder mit

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April
9.
Montag

Du bildest Zukunft – Woche der beruflichen Bildung

Nachdem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die einschlägigen Politiker zur demokratischen Verantwortung via GroKo zitierte, setzt er nun mit seiner Frau Elke Büdenbender mit der Woche der beruflichen Bildung vom 16. bis 20. April 2018 besondere Akzente.

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Woche der beruflichen Bildung

Büdenbender gab dazu u.a. im "Handelsblatt" ein sensationelles Interview und meinte: "Ich möchte mich für die berufliche Aus- und Weiterbildung einsetzen. Das ist für mich eine Herzensangelegenheit, auch weil ich selbst eine Lehre gemacht habe. Meiner Wahrnehmung nach erhalten Berufsschulen und Lehrberufe nicht die Wertschätzung, die ihnen gebührt. Außerdem möchte ich mit meinem Engagement ein Zeichen setzen gegen den Fachkräftemangel." Freuen wir uns über diese politische Akzentuierung von höchster Stelle. Berufsausbildung auf Augenhöhe mit akademischer Ausbildung!

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Elke Büdenbender im Interview

"Wir müssen aufhören mit dem Akademisierungswahn", so lautet die Forderung des DGB-Chefs Reiner Hoffmann. Die Abbildung zeigt die Entwicklung zwischen neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen und Studienanfänger. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer: "Wenn es nicht gelingt, mehr Jugendliche für eine berufliche Ausbildung zu begeistern, gehen uns die Fachkräfte aus." Die Handwerkerzunft ist aktuell mit einer Imagekampagne in Deutschland präsent.

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Entwicklung der Ausbildungsverträge und Studienanfänger (Quelle: Handelsblatt)

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Imagekampagne Handwerk

Noch ein Hammer: Ein Drittel der Studierenden bricht das Studium ab. Bei den Lehrlingen wirft jeder Vierte hin. Da muss man schon auf die Ursachen schauen. Benannte Gründe: Konflikte mit den Vorgesetzten, fragwürdige Ausbildungsqualität, wohlwissend, dass 80 Prozent der Betriebe keine Lehrlinge mehr ausbilden. Sind es ungünstige Arbeitsbedingungen oder gar falsche Berufsvorstellungen der "Suchenden"?  Außerdem sollten die (Berufs-)Schulen so ausgestattet sein, dass sie den Nachwuchs gut auf ihre berufliche Zukunft vorbereiten können. Und da hat manche Berufsschule sehr hohen Modernisierungsbedarf. "Schwarz-Rot" sollte da politisch einiges drehen. Die eigentlich notwendige Frischzellenkur für die automobile duale Ausbildung sollte aber ganz sicher konzeptionell vom ZDK in Bonn ausgehen. Was wird dazu vorgelegt?

April
10.
Dienstag

Genial verpackt - Mercedes-Benz

Die reinen Daimler-Zahlen aus 2017, vorgestellt auf der Hauptversammlung am 5. April 2018, verleiten zu Halleluja-Rufen. Rekord-Produktions- wie Absatzzahlen, Gewinnrekord, attraktive Fahrzeuge, gutes Lkw-Geschäft, Platzierung wieder vor BMW und Audi u.a. Und doch gibt es eine lange Liste an Herausforderungen: Schadenersatzansprüche über die Dieselmalaise, Kartellabsprachen, Ansprüche geprellter Spediteure, EU-Klimaziele, größter Einzelaktionär, inzwischen ein Chinese, mit Geely und Volvo im Koffer, trotz Daimler-Verbund mit BAIC und Elektropionier BYD. Die Hinterhöfe von Daimler werden also inzwischen nicht nur von der Staatsanwaltschaft aufgesucht.

Asien ist für Daimler die Zukunft. Und hier ist Daimler in Sachen E-Autos in hohem Maße gefordert. Bis 2022 wird man bei Mercedes jedes Segment elektrifizieren. Und Smart gibt es ab 2019 nur noch als reines E-Auto. Das bedeutet ein hohes Maß an monetärer Vorleistung. Der große Wandel hin zur emmissionsfreier Mobilität ist noch ein weiter Weg. Konzernchef Dieter Zetsche (64), seit zwölf Jahren im Amt, sieht sehr wohl die Verantwortung, um Klimaschutz und Luftreinhaltung in Einklang zu bringen. Die strengen EU-Abgasnormen ab 2021 in Höhe von 95 Gramm pro Kilometer wird Daimler nur mit dem Diesel erreichen. Daimler setzt weiterhin auf den Diesel! Welche Weichenstellung ist nun verkehrspolitisch von der neuen Regierung in Berlin zu erwarten? Nachrüstung light oder hart? Kein Fahrverbot in den Städten, Entschädigungsfonds für deutsche Dieselfahrer? Über die Schadendimension der deutschen Händler wird gleich gar nicht geredet.

April
11.
Mittwoch

Autonome Fahrträume geplatzt

Nach dem tödlichen Unfall in Arizona mit einem autonomen Uber-Auto haben verschiedene US-Bundesstaaten Uber-Testfahrten gestoppt. Bitte, selbige Malaise hätte ebenso mit Testfahrten von Google oder Apple passieren können. Uber möchte keine selbstfahrenden Autos bauen, aber die Technik für autonomes Fahren beherrschen und eben diese an Automobilhersteller weiterverkaufen. Uber will das Robotaxi. Gründer Travis Kalanick hat ja deutlich gemacht, was er will. Man erinnere sich an seinen Spruch: "Arschloch namens Taxi." Für seinen Nachfolger Dara Khosrowshahi ist der neueste Fall ein herber Rückschlag.

Wenn es Uber gelingt, den Fahrer durch den Computer zu ersetzen, sinken die Kosten für die Personenförderung um bis zu 70 Prozent. Die Hersteller wetteifern mit der Tech-Branche um die künftige Vormachtstellung. VW-Konzern-Chef Matthias Müller: "Ich habe immer dafür geworben, dem Hype ums autonome Auto nicht nachzugehen."

Es handelt sich beim autonomen Auto ohne Frage um eine gigantische Herausforderung für die Autoindustrie, zumal es später noch über Jahre einen Parallelverkehr geben wird und so die einen mit den anderen zu vernetzen sind und die einen eben nicht immer das Richtige tun! Bis die Höchststufe autonomes Fahren V gelingt, wird es noch einige Jahre brauchen. Bei aller Tragik möge man die Verhältnismäßigkeit zur Kenntnis nehmen. Ganz neutral kommentiert: Da ist ein Fahrzeug in der Testphase in einen tödlichen Unfall verwickelt. Tragisch! Darüber berichtet die ganze Welt. Über die 1,2 Millionen Menschen, die jährlich weltweit ihr Leben auf der Straße lassen, darüber redet niemand. Aber deren Zahl wird durch das autonome Fahrzeug der Zukunft drastisch reduziert werden können! Prinzip Hoffnung!

April
12.
Donnerstag

VW – wo bleibt der Kulturwandel?

Die Demissionierung von VW-Konzernchef Matthias Müller (64) gerierte sich bestimmt nicht von heute auf morgen. Strippenzieher Hans-Dieter Pötsch, Aufsichtsratsvorsitzender, ehemaliger VW-Finanzvorstand, Österreicher und Vertrauter der Haupteigner (52,2 Prozent), der Familie Porsche-Piech, hat in ruchloser Manier die Müller-Entsorgung durchgezogen. Nachdem die Gewerkschaft, sprich IG Metall unter dem Dach von VW machen kann, was beliebt, wurde der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh mit der Zusage zum Müller-Wechsel gewonnen, indem sein wichtigster Vertrauter und Sekretär Gunnar Kilian zum Personalvorstand aufrückt und damit stetig gewerkschaftlich präsent am Vorstandstisch sitzt.

Die Frage stellt sich immer wieder, ob ein Konzern mit 13 Marken, 650.000 Mitarbeitern und weltweit 120 Produktionswerken überhaupt noch steuerbar ist. Mit dem Abgang von Firmenpatriarch Ferdinand Piech fing bereits die Aufspaltung an. Sie wird jetzt deutlich an der Trennung des Lkw-Geschäftes mit MAN und Scania mit Firmensitz in München. Die Sinnhaftigkeit von Ducati will sich einem bis heute nicht erschließen.

Müller wurde 2015 über den Dieselbetrug an die Spitze "gespült". Er wäre lieber Vorstandsvorsitzender von Porsche geblieben. Es sind jetzt zweieinhalb Jahre her, seit der Betrug aufgedeckt wurde. Der Verantwortliche dafür wird immer noch vermisst. Bislang hat VW für die Malaise in Amerika 25 Milliarden Euro "Strafe" bezahlt. Man erinnere sich an Müller bedenkliche Aussage gegenüber einem US-Reporter: "Wir haben nicht gelogen, Volkswagen hat lediglich die US-Gesetze falsch interpretiert." Vergangene Woche habe ich an dieser Stelle seine 10-Millionen-Gage kommentiert, wozu Müller zur Rechtfertigung meinte, "immer mit einem Fuß im Gefängnis zu stehen". Es gäbe weitere PR-Fehltritte aufzuzählen. Was stehen hier für Berater zur Seite?

Trotzdem ist es Müller gelungen 2016 und 2017 die Weltspitzenposition für VW vor Toyota zu halten und 2017 mit 13,8 Milliarden Euro den höchsten Gewinn in der Unternehmensgeschichte einzufahen. Auch die E-Auto-Offensive hat er angeschoben. Man erinnere sich auch an seine Ankündigung für einen Kulturwandel: "Wir müssen unser Denken ändern, die Art, wie wir miteinander umgehen, auch mit Problemen und Fehlern." Wer die aktuellen Vertragsverhandlungen um die Händlerverträge vor sich sieht, muss feststellen, dass hier bislang ein sichtbarer Kulturwandel abwärts gerichtet ist. Der VW-Markenvorstand und neue Konzernchef Herbert Diess beantwortet nicht einmal Briefe des VW-Händlerverbandes. Der hehren Worte in Sachen Kultur sind genug gewechselt, für einen echten Kulturwandel fehlt es aber an neuen Gesichtern. Audi-Chef Stadler geht sogar gestärkt aus der Malaise hervor. Ein Unding!

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"Bild" mit vier Millionen Lesern spricht Klartext!

April
13.
Freitag

Pitstop mischt wieder mit

Seit 2013 ist er alleiniger Eigentümer von Pitstop, der Jurist und Steuerberater Stefan Kulas (41). Er hat seither nicht nur über 50 unwirtschaftliche Pitstop-Stationen geschlossen, sondern 300 Stationen von "Auspuff, Räder, Bremsen" zum Full-Service-Sortimenter ausgebaut. Service-Termine wie Ersatzteile können heute online gebucht bzw. gekauft werden. Seit 2016 schreibt Pitstop wieder schwarze Zahlen. Die 1.200 Mitarbeiter werden von der Zentrale in Essen aus gesteuert und erzielten einen Jahresumsatz von 110 Millionen Euro. Eine Expansion in das benachbarte Österreich oder die Schweiz wird überlegt. Ebenso in die Niederlande. Fazit: Der Wettbewerbsdruck zwischen Markenbetrieben und Freien Werkstätten spitzt sich weiter zu. Der Service-Kuchen wird allerdings für die Gesamtbranche nicht größer. Wer bleibt auf der Strecke?

hb-pitstop 

Ein Blick auf Pitstop

Spruch der Woche:

"Bei allem, was sich bei VW in Sachen Händlerverträgen tut, das Alltagsgeschäft sollte wenigstens gelegentlich noch Freude machen!"

Mit meinen besten Frühlingswünschen

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS

www.brachat.de

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