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Tesla mehr wert als VW? +++ Service-Marketing ATU +++ Diesel-Nachrüstung im Ländle

Prof. Hannes Brachat

Tesla mehr wert als Volkswagen? +++ Auffälliges Service-Marketing - ATU +++ Diesel-Nachrüstung - Region Stuttgart +++ Futuristische Begrifflichkeiten – Anpassen!

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Januar
27.
Montag

Tesla mehr wert als Volkswagen?

Wie geht das, da schreibt ein Unternehmen namens Tesla 17 Jahre lang Verlust und gerät im Oktober 2019 erstmals in die Gewinnzone. Vier Monate später verdoppelt sich der Börsenwert auf ca. 107 Milliarden Dollar. VW steht bei etwas über 90 Milliarden Dollar. Mit schwäbisch soliden Maßstäben lässt sich das nicht nachvollziehen. Tesla baute 2019 insgesamt 367.500 Fahrzeuge, Volkswagen 11,6 Millionen. Tesla hat sicher in Sachen Elektroauto inkl. Autopiloten und "Over-the-air"-Steuerung manchen Vorsprung, inkl. Reichweite. Bitte, acht Jahre E-Autoerfahrung! "Model S". Man begrenzt sich außerdem auf digitalen Direktvertrieb und hat gar ein eigenes Ladesystem, den Supercharcher aufgebaut. Volkswagen hat sicher produktionstechnisch-qualitative Vorzüge. Was Tesla nun mit seinem neuen Werk in Shanghai mit dem Typ "Model3" aufgelegt hat, wird VW dieses Jahr mit der ID-Serie Zug um Zug nachholen. Außerdem punktet Elon Musk in der Börsenfantasie mit seiner Gigafactory-Story in Brandenburg. Dafür soll er, so hört man, 300 Millionen Euro Subvention erhalten. US-Präsident D. Trump wird sich darüber freuen, wie mächtig Deutschland den fremden Wettbewerb im eigenen Lande subventioniert. Außerdem sollen im neuen Teslawerk Grünheide polnische Arbeiter besondere Vorzüge erhalten.

Wer bei Tesla in Deutschland mal den Internetauftritt anschaut und das mit der Realität vergleicht, stellt fest, dass da Markenimage und Realität weit auseinanderklaffen. Man erfährt nicht einmal konkrete deutsche Marktdaten? Die Anzahl der Verkaufscentren muss man sich aus der Karte zusammensuchen. Eine Probefahrt wird wie in Form einer Eventveranstaltung angeboten. Wer macht den Service? Da wird nur ein Bild – siehe Abbildung – mit einem mobilen Servicewagen dargestellt. Wer schleppt da im Falle der Fälle ab? Da muss man lange suchen, bis man eine Notrufnummer findet.

Die rabulistische Kosmetik muss man sich anschauen, will man wissen, wo denn die Neufahrzeugauslieferung stattfindet? Da heißt es dann "Stuttgart-Weinstadt" (siehe Abbildung). Wo liegt denn "Weinstadt"? Bei Waiblingen. Und wo muss ich nun hin? Nach Grossheppach. Das klingt doch nicht, also wählt man "Weinstadt", der Assoziation wegen. Und wie sieht das Tesla-Auslieferungslager in Grossheppach aus? Machen sie sich selber ein Bild davon (siehe Abbildung). Im Klartext: Eine Kraut- und Rübenveranstaltung! Im Klartext, nochmals: Image und Realität klaffen da an der Front, im Alltag weit auseinander. Der Auto(ver-)kauf hört eben nicht im Netz auf, es folgt dessen physische Offlineverkaufsfolge, inkl. Gebrauchtwagen, plus Service. Eben, alles aus einer Hand!

Tesla hat in 2019 in Deutschland 10.000 Einheiten verkauft. Und die Detailfakten zeigen, dass man da bei Tesla in Deutschland noch viel, viel üben muss. Das Beispiel zeigt, wie die Komplexität des soliden Fahrzeugverkaufs bei vielen unterschätzt wird. Ein Hoch dem professionellen Markenhandel. Klar, mit aktiven, professionellen Händlern.

Tesla-Internetauftritt

Tesla Internetauftritt

Tesla Auslieferungszentrum Grossheppach

Tesla Auslieferungszentrum Grossheppach

Januar
28.
Dienstag

Auffälliges Service-Marketing - ATU

Werfen wir einen Blick auf den Internetauftritt, Leistungsbereich Service von Autohäusern. Dann fällt der Service in der Gesamtwirkung gegenüber Neu- und Gebrauchtwagen-Verkauf deutlich ab, obwohl er nahezu zwei Drittel an Ertrag einfährt. In vielen Autohäusern wird die Dialogannahme gelebt, im Netz ist über das Warum und deren Nutzenaspekte nichts zu lesen. Wie wird im Netz des Handels Öl angepriesen? Wie Reifen verkauft? Oder gar gezielte Zubehörofferten?

ATU ist nicht im Autohandel tätig, muss also seine Kunden auf freier Straße einsammeln. Und das seit 1986. Wer gutes, auffälliges Service-Marketing erfahren möchte, schaue stets bei ATU vorbei. Jetzt wird aktuell mit "35 Jahre ATU" gebaggert. Da gibt es dann den Ölwechsel für einen Euro. ATU arbeitet dann dazu gerne mit Fußnoten, deren Inhalt man mit einem Vergrößerungsglas angehen muss. Dort heißt es: Angebot gilt nur in Verbindung mit dem Kauf des benötigten Öls und Ölfilters, die ATU im Sortiment führt. Gültig bis 17.2.2020. Welches Öl nun? ATU präsentiert in seinen Filialen zehn Meter lange Ölregale (siehe Abbildung). Da gibt es nicht nur Castrol, Shell oder Liqui Moly, sondern Offerten für die verschiedensten Anwendungsbereiche, also auch Motorräder u.a. Und man achte auf die Preislandschaft, Liqui Moly geht da im Liter-Preis mit 17,90 Euro über die Theke. Da wird dann der Ölwechselpreis von einem Euro doch relativ. Oder ein anderes Beispiel für gezielte Anmache.

Batteriewechsel. Da wird - jahreszeitgemäß und bedarfsgerecht - ein Meer von Batterien offeriert (siehe Abbildung). Auf dem Fußboden klebt noch die fragwürdige Märchenwerbung aus dem Vorjahr. Die Batteriewechselwerbung kündigt an - siehe Abbildung -, dass im Falle eines Falles eine Batterie innerhalb einer Stunde ersetzt wird, oder der Kunde erhält 20 Euro zurück. Also, Batteriewechsel ohne Anmeldung und ohne Wartezeit. Liest man dann abermals die Fußnote, dann handelt es sich nicht um 20 Euro, sondern um einen Gutschein! (siehe Abbildung). Es geht weiter. Tritt nun der Fall der Fälle ein, so erhält der betroffene Kunde zwar den Gutschein. Dieser Gutschein ist dann ab einem Einkaufswert von 40 Euro im Zeitraum vom 1.3.20 – 30.4.2020 in allen deutschen Filialen einlösbar. Das steht aber in der Werbung nirgendwo. Abermals agiert ATU auch in diesem Falle "halbseidig". Reines preispolitisches Imageködern! Fragwürdige Marketing-Mache.

ATU-Öl-Regale

Ölregale

ATU-Öl-Marketing

Öl-Marketing

ATU-Batteriewechsel

Batteriewechsel

Januar
29.
Mittwoch

Diesel-Nachrüstung - Region Stuttgart

Die Stuttgarter Kfz-Innung hat im Verbund mit dem Kfz-Landesverband Baden-Württemberg die Euro-5-Diesel-Nachrüstung zum Hotspot gemacht. Das wird einmal einer der besonderen Plus-Punkte des ZDK-Präsidenten Jürgen Karpinski sein, dass es ihm, wirklich ihm mit einer Elendsgeduld und zähem Dranbleiben gelungen ist, die Hardware-Nachrüstung für die Euro-5-Diesel politisch durchzusetzen. Klar, Stuttgart ist vom drohenden Fahrverbot dieser Fahrzeuge in besonderer Weise betroffen. Die besonderen Details hat die Innung Stuttgart unter www.dieselnachruesten.de zusammengestellt.

Innungsgeschäftsführer Christian Reher weiß von einer höheren Nachfrage als die Lieferfähigkeit der Nachrüstsätze zu berichten. Das bezieht sich dominant auf die Marke Mercedes-Benz, da sich hier Daimler mit 3.000 Euro beteiligt. In der Region Stuttgart sind immerhin 145.000 Euro-5-Diesel unterwegs. Obermeister Torsten Treiber hat außerdem die VW Diesel im Blickpunkt. Auch VW beteiligt sich mit der 3.000-Euro-Förderung. Es sei klargestellt, dass noch nicht für alle Modelle Nachrüstsätze zur Verfügung stehen.

Wirft man zu dieser Thematik beispielsweise einen Blick auf das benachbarte Bayern und informiert sich dort im Netz beim Kfz-Landesverband Bayern und den Kfz-Innungen, so könnte man meinen, es gäbe in Bayern keine Euro-5-Diesel. Beim Bayerischen Landesverband stammt die aktuellste Information im Netz vom 20. November 2019, die den Lichttestergebnissen gewidmet ist. Einmal mehr ragt das "Bayerische Hinterzimmer" mit besonderen Aktivitäten heraus. Typisch!

Januar
31.
Freitag

Futuristische Begrifflichkeiten – Anpassen!

Es ist erstaunlich, wie tief Begrifflichkeiten sitzen. Und doch sollte man darüber nachdenken, wohin sich auch sprachliche Veränderungen nach und nach bewegen. Das vernetzte Kraftfahrzeug wird künftig ein selbstfahrendes Automobil sein. "Autos", altgriechisch αὐτός geschrieben heißt "selbst". Wir bewegen uns also auf das zu, was der eigentliche Kern von Auto meint, ein selbstfahrendes Verhiculum. Und doch kleben wir an überholten, alten Begrifflichkeiten: Pkw, Lkw, Krafträder, Kraftfahrt-Bundesamt. Keiner spricht vom Personen-Kraftwagen, sondern vom Personenwagen oder vom Lastwagen. Alle reden vom Motorrad, aber beim Kraftfahrt-Bundesamt werden sie in der Statistik unter Krafträder geführt. Dieses "Kraft" hat tatsächlich aus historisch bedenklicher Zeit seinen Ursprung, als es bei "Adolf Nazi" um "Kraft durch Freude" ging, oder um den "KdF-Wagen".

So langsam wäre es an der Zeit, sich von diesem begrifflich unwichtigen ominösen "K" zu verabschieden. Ergo: PW, LW, MR! Fangen wir beim Kraftfahrt-Bundesamt an in Flensburg an. Was fällt dir bei dessen Standort Flensburg ein? Punkte, Strafzettel, Führerscheinverwerfungen, dann Bommerlunder, Beate Uhse und ein bisschen Gorch Fock. Betiteln wir das "Kraftfahrt-Bundesamt" künftig als "Auto-Bundesamt" oder als "Carmobility Federal Bureau". Vermutlich kommt dann nach langjähriger Abstimmung was ganz anderes raus, also "Office for German Mobility Services".

Weil wir schon bei den Begrifflichkeiten sind, lassen sie uns die Blicke auch nach innen in die Branche wenden. Fangen wir beim Gebrauchtwagen an. Welch fürchterlicher Name?! Er zeigt, dass der deutsche Sprachrahmen Begrenzung hat. Schauen wir in die Schweiz, dort heißt der GW "Auto Occassion", kurz "Occassion". Wer auch nur leichtes musikalisches Empfinden in sich spürt muss doch zugeben, dass das eine ganz andere melodische Qualität orchestriert. Also Schwacke, also DAT, also mobile.de und scout u.a., macht melodischere Musik. Anfangen!

Es geht weiter. Wenden wir einen Blick in unsere Autohäuser. Man lasse den Begriff "Werkstatt-Ersatzwagen" auf sich wirken. Wie anders würde im Aufbruch von "Mobility" in des Kunden Ohren "Mobility-Car" klingen?! Und wir wären dabei. Oder schauen wir auf die "Kundenwartezone". Wer wartet schon gerne? Wie anders klingt da "Lounge"! Aber bitte ohne diese fürchterlichen Plastikbarhocker wie diese Woche in der neuen VW-ID vorgestellt. Wir werden künftig stärker den Faktor Emotion, Empathie sichtbar und fühlbar leben. Bildschirme helfen uns, dem Kunden Darstellungen zu geben. Wie anders klingt es, wenn der Verkäufer dem Interessenten vorschlägt: "Darf ich ihnen an unserer Power-Wall das Ganze im Detail farbenprächtig präsentieren?" Wenn wir schon beim Verkäufer sind, sie heißen bei Tessla "Store-Manager". Das klingt doch ganz anders als "Verkäufer". Aufwerten! Oder unsere Empfangsdamen. Bei Daimler heißen sie nun "Star-Assistant". Für die Branche sei der Name "Car-Assistent" oder "Mobility-Assisten" geschaffen. Als Schwabe tut man sich mit all den Anglizismen sehr schwer. Schauen sie aber doch einmal, wer ihnen aus der Konzernwelt, aus verflochtenen Unternehmen noch eine "normale" Visitenkarte vorlegt? Die heißen dann Managing Director, Senior Buyer Procvurement, Member of the Board of Management Sales, Marketing and After Sales, General Manager Communications and Public Affairs, CFO/Member oft he Board of Directors, Head of Sales, Business Development Manager und was man sich sonst noch alles gewöhnen muss. Globalisierung!

Auf Dauer wird auch der ZDK und die Kfz-Innungen über ihre Namensgebung nachdenken müssen. Die Zeiten der "kräftigen Hand" wandeln sich nicht nur diagnostisch, sondern auch "on Demand"!

Spruch der Woche:

"Wird eine Lüge tausendmal wiederholt, wird sie plötzlich zur Wahrheit!“

Auf ein gutes Januar-Finale

Ihr
Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS
www.brachat.de


Der nächste HB ohne Filter erscheint am 7. Februar 2020!


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1 Kommentar
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Elisabeth Bongartz
03.02.2020

ATU und Service-Marketing sind - da stimme ich voll und ganz zu - immer ein Hingucker wert. Nicht zu vergessen die aktuell laufende Bremsen Werbung „einLeben (des Fahrzeugs) lang“. Die Frage dazu ist: Was macht es mt dem Ruf der Wettbewerber? Die Behauptung, dass es ATU dabei nicht gut geht, hilft nicht, denn trotz aller Widrigkeiten gibt es ATU schon länger als so manches zwischenzeitlich verkauftes Autohaus. Was fehlt, sind aufmerksamkeitsstarke, intelligente und interessante Werbeaktionen der anderen Marktteilnehmer.

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