Redaktionsblog
Redaktionsblog
Kommentare (4) 31.07.2018

AUTOHAUS Editorial

Schaut so das künftige VW-Netz aus?

Ralph M. Meunzel

Von AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel

Anlässlich der letzten Händlerversammlung des VW- und Audi-Partnerverbandes wurde von Präsident Dirk Weddigen von Knapp ein explosives Thema nicht behandelt: Wer von den heutigen ca. 1.000 VW-Vertriebspartnern weiterhin im Netz dabei ist und an den ausgehandelten Zukunftsthemen teilhaben kann. Bemerkenswert ist, dass keiner der anwesenden Händler anscheinend danach gefragt hat. Man kann belastende Themen offensichtlich bewältigen, in dem man sie einfach ausgeblendet. Fakt ist, dass VW allen Händlern zum 31. März 2020 ordentlich gekündigt hat. Nicht alle Händler erleiden jedoch das gleiche Schicksal. Was von Kritikern dieses Vorgehens unter Einbeziehung des Gleichbehandlungsgrundsatzes als rechtlich sehr fragwürdig beurteilt wird.

Es gibt vier Gruppen: Die Verträge einer kleinen Anzahl von Händlern wurden endgültig mit der Zweijahresfrist gekündigt (1). Dies sind vor allem Händler, die bereits auf der Liste standen, weil sie bei der Erfüllung der Standards Schwierigkeiten hatten, zum Beispiel wegen ihrer zu geringen Absatzmenge. Ein großer Teil der Händler, geschätzt 400 bis 500, erhielten entweder einen bis zum 31. März 2023 befristeten Letter of Intend (LoI) mit Auflagen (2) oder einen bis dahin befristeten LoI ohne Auflagen (3) mit dem Hinweis, dass ihnen spätestens am 31. August 2018 neue bis 31.März 2023 befristete Verträge vorgelegt werden. Zur Kündigung von weiteren ca. 400 Verträgen heißt es, dass diese Händler ab 1. März 2020 mit einem neuen unbefristeten Vertrag rechnen können.

Dieses Vorgehen stellt sich als ein gewiefter taktischer Schachzug dar. In Verbindung mit dem strategischen Ziel "in Zukunft nur noch einen Händler pro Markteinzugsgebiet vertraglich einzusetzen", beläuft sich die Zielgröße, nach Auslauf der befristeten Verträge in 2023, nach vorstehender Berechnung auf ca. 400 Händler. Wenn die Netzkonsolidierung im Einzelfall nicht wie geplant klappt, hält sich VW geschickt mit den befristeten Verträgen eine Hintertür offen. Man kann bei Bedarf aus den befristeten Verträgen unbefristete machen und damit individuell entscheiden und handeln.

Sicher ist, dass die ca. 400 Zukunftshändler in eine neue Ära starten werden. Was aber können die 2023 ausscheidenden Händler unternehmen? Jeder einzelne muss wohl für sich seinen individuellen Weg wählen. Viele denken deshalb über den Verkauf ihres Unternehmens nach. Hintergründig will VW mit dem gewählten Vorgehen vermutlich erreichen, dass die Händler mit befristeten Verträgen vorher ihre Unternehmen an die Zukunftshändler verkaufen sollen. Ein Knackpunkt ist die Tatsache, dass der Käufer oftmals nicht alle vorhandenen Betriebsstätten übernehmen will, da im jeweiligen Markteinzugsgebiet oft Doppelbesetzungen vorhanden sind.

Servicepartnerschaft – eine überlegenswerte Option

Andere Händler mit befristeten Verträgen werden sich damit befassen müssen, in Zukunft als reiner Servicepartner weiterzumachen. Wenn man die aktuellen Ergebniszahlen der VV-Händler von 2017 betrachtet, ist dies eine überlegenswerte Option. Das schwache Ergebnis über alle Geschäftsbereiche vor Steuern in Höhe von nur 0,9 Prozent Rendite wird von den Verlustbringern NW- und GW-Verkauf verursacht. Die Option als Servicepartner weiterzumachen, bringt jedoch eine drastische Restrukturierung und Mitarbeiterabbau mit sich. Die Option der Liquidation der Unternehmen ist aufgrund der Kosten für gesetzlich vorgeschriebene Sozialpläne in der Regel zu teuer. Mit dem Unternehmen in die Insolvenz zu gehen, wäre dann der alternative Weg.

Aus AUTOHAUS 14-15/2018

Newsletter
Newsletter
Artikel jetzt ...

mit anderen teilen per

© Copyright 2018 AUTOHAUS online

Artikel jetzt ...

© Copyright 2018 AUTOHAUS online

4 Kommentare
1
PeterB
01.08.2018

Es sollen am Ende die Händler froh sein, die jetzt schon entscheiden müssen, wie es in zwei/ drei Jahren weitergeht. Die Digitalisierung verändert schon Vieles für alle Fahrzeughändler, der gesamte Mobilitätsmarkt wird sich neu ausrichten, Mobilität wird dann nicht mehr heißen, jedem sein Auto, oder zwei/ drei davon, sondern man verkauft Konzepte und verwaltet die Fahrzeuge dieser Plattformen. Jetzt raus aus den Vertragsknechtschaft, sich frei machen, nach und nach verkleinern und dann die nächsten zehn/ zwanzig Jahre üerstehen und in Rente gehen.

2
Gerd Rosemann
31.07.2018

Ich hoffe sehr, dass in NRW kuenftig nicht noch mehr VW und andere Konzernmarken-Autohäuser den Namen GOTTFRIED S. tragen. Für viele Kunden des VW-KONZERNS ist das der absolute SUPER-GAU! Autokauf wird dann vollständig uninteressant!

3
K-H Arend
31.07.2018

Sehr geehrter Herr Meunzel,leider muss ich Ihnen widersprechen. Dieses Thema wurde auf den vorhergehenden Versammlungen offensiv angesprochen.Das keiner der betroffenen Händler sich vor dem Plenum outen wollte erklärt sich wohl von selbst.

4
Frank Fehling
31.07.2018

VW tanzt den Händlern wieder auf der Nase rum.VW wird das Händlernetz ausdüngen und nach meiner Recherche die VW Händler gegeneinander austricksen. Nach dem Motto: die ganze Investion war umsonst.VW hat mehr Rechte als Pflichten. Der Markt wird eines Tages durch die Digitalisierung sich ändern und eine Marktbereinigung wird vielen VW Händlern das Genick brechen.

Ihr Kommentar zum Artikel
Ihr Kommentar zum Artikel

AUTOHAUS ist ein Fachmedium für die Automobilwirtschaft. Die qualifizierte Meinung unserer Online-Nutzer zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen.
Vielen Dank!

Schon gelesen?
Die Top-Nachrichten