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24.10.2014

10. AH-Schadenforum

Klarer Fokus auf die Branchen-Herausforderungen der Zukunft

10. AH-Schadenforum
Klarer Fokus auf die Branchen-Herausforderungen der Zukunft
© Foto: Ralph Olma / Presse + PR Pfauntsch

Dem "Jubiläums"-Schadenforum von AUTOHAUS, der insgesamt 10. Veranstaltung, war diese Woche erneut ein großer Erfolg beschieden. Ausnahmslos alle künftigen Herausforderungen, denen sich die Automobil- und Schadenbranche in den nächsten Jahren gegenübersieht, wurden von den jeweiligen Top-Experten behandelt.

"Hersteller, Versicherer und weitere Player bald nur noch Spielball von Google & Co.?" lautete das Motto des 10. AUTOHAUS-Schadenforums in dieser Woche in Potsdam. Zuschnitt der Veranstaltung und des Programms waren gründlich überarbeitet worden, die Themen noch zielgerichteter gewählt. Im Mittelpunkt des ersten Veranstaltungstages standen Fahrerassistenzsysteme, ihr Einfluss auf die Unfallreparatur und die weiteren Entwicklungsschritte bis zur autonomen Fahrt und was es dabei nicht zuletzt bei der technischen Überwachung zu berücksichtigen gilt. Der neue Veranstaltungsmoderator, Stephan Pregizer aus Berlin, verstand es, im Wechselspiel mit den jeweiligen Referenten und AUTOHAUS-Schadenmedien-Chefredakteur Walter K. Pfauntsch den gut 400 Veranstaltungsteilnehmern auch schwierige Sachverhalte und heikle Zukunftsthemen anschaulich und verständlich nahe zu bringen. 

FAS-Szenarien und Anforderungen an die technische Überwachung

KTI-Geschäftsführer Frank Leimbach und VALEO-Produktmarketingmanager Harald Barth eröffneten mit den FAS-Szenarien und der Präsentation der DVR-Branchenkampagne "Bester-Beifahrer.de – Schlaue Autos kommen besser an" einen an beiden Tagen durchweg informativen und sehr kurzweiligen Kongress. Mobilitäts-Vorstand Horst Schneider vom TÜV SÜD leuchtete mit der ihm eigenen Expertise von 40 Berufs- und Branchenjahren künftige Anforderungen und Prüfverfahren beispielsweise bei der HU aus und zeigte zudem Aspekte für die Verkehrssicherheit und das Kfz-Gewerbe auf. 

Quantensprünge bei Daimler für hohe Crash-Kompatibilität

Dass bei aller – berechtigter – Euphorie in der schnellen Vorwärtsentwicklung der aktiven Fahrsicherheit auch in der passiven Fahrzeugsicherheit noch Meilensteine gesetzt werden können, wurde im Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Rodolfo Schöneburg, Direktor der Sicherheits- und Standfestigkeitsentwicklung bei Mercedes-Benz Pkw, besonders deutlich. Schöneburg brachte nach Potsdam eine neue S-Klasse mit, die in beeindruckender Weise auch schweren Crashs mit hohen Geschwindigkeiten stand hält und insbesondere im Kompatibilitätscrash mit kleineren Fahrezeugen aktiv hilft, deren Insassen mit zu schützen. Ein smart – übrigens das kleinste in der Daimler Pkw-Familie gebaute Fahrzeug, das Schöneburg ebenfalls mit nach Potsdam brachte – kann beispielsweise an eine S-Klasse Energie mit "abgeben", wodurch letztlich die Insassen des smart zusätzlich geschützt werden und somit beste Überlebenschancen auch bei einem Fahrzeug-Fahrzeug-Offsetfrontalcrash mit 40 Prozent Überdeckung und einer Anstoßgeschwindigkeit von insgesamt 100 km/h haben. Schöneburg zeigte zudem auf, wie Insassen künftig durch einen sogenannten "PRE-SAFE-Impuls" bei unausweichlichen Unfällen nochmals besser geschützt werden können. 

Volkswagen verzahnt Aftersales, Vertrieb und Financial Services

Einen breiten Ein- und Ausblick in Marktentwicklungen, Zielsetzungen und Herausforderungen für Volkswagen Partnerbetriebe gab schließlich Thomas Müller, Leiter des Volkswagen Service Deutschland. Wie wirkungsvoll Service und Vertrieb demnächst das gesamte Themenfeld Schadenmanagement unter aktiver Verzahnung auch mit den vier Säulen von Volkswagen Financal Services – Bank, Leasing, Versicherung, Mobilität – angehen werden, wurde detailliert von Müller vorgestellt und von den Teilnehmern mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen. Im Fokus von Volkswagen steht dabei nach den Worten von Thomas Müller auch eine zielgerichtete "Unterstützung für den Handel". 

Expertenrunde zur Zukunft von Hagel- und Schadengutachten

Mit der Zukunft von Hagel- und Schadengutachten in einem neuen Zeitalter, in dem die automatisierte Erkennung von Schadensumfängen und sogar der Schwere von Insassenverletzungen zentrale Aspekte sein könnten, befassten sich in einer anschließenden ersten Podiumsdiskussion Peter Boecker in seiner Funktion als Abteilungsleiter Kraftfahrtschaden der DEVK Versicherung, René Franke, Geschäftsführer der Firma Adomea (sie baut z.B. Karosserie-Oberflächenscanner) und auch der Firma AMOVA-Services (dieses Unternehmen entstand in einer Kooperation mit der TÜV Rheinland Schaden- und Wertgutachten GmbH und vertreibt den Oberflächenscanner inzwischen weltweit). 

Mit in der Diskussionsrunde saßen Ralf Graf, Präsident des Sachverständigenverbandes ZAK e.V., Michael Jänchen als Technischer Geschäftsführer der SSH Schaden-Schnell-Hilfe GmbH in Hamburg sowie Jens Nietzschmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der DAT Group. Aus der Diskussion über Hagelscanner, FAS, autonomes Fahren und generell den Themen Digitalisierung und Automatisierung entwickelte sich ein hoch interessantes und sehr divergentes Streitgespräch über die Zukunft von Kfz-Sachverständigen und den Wandel ihrer Aufgaben und Tätigkeitsfelder. 

ZDK-Präsident Jürgen Karpinski zu Chancen und Risiken

Thematisch in diesem Bereich schloss hier Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Kfz-Gewerbes, nahtlos an. Schließlich ist Karpinski nicht nur erfolgreicher, service-affiner Autohändler und alleine von daher mit der gesamten Bandbreite des Schadenmanagements vertraut, sondern seit fast 30 Jahren auch selbst öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Kraftfahrzeug-Handwerk. Welche Chancen, welche Risiken hat Schadenmanagement? Dieser Frage ging der ZDK-Präsident in seinem Vortrag sehr konkret nach und leuchtete zudem die Gründe dafür aus, die zu einer zuletzt doch sehr deutlichen "Abwanderung" von Unfallreparaturen aus dem Autohaus zu freien Werkstätten geführt hatten.

Das Kfz-Unfallgeschäft der Zukunft

Alle nur denkbaren Facetten, welche in der Zukunft das Kfz-Unfallgeschäft tangieren, bestimmen und auch radikal verändern können, sprach schließlich Dr. Jochen Tenbieg, Head of Global Claims Operations der Allianz SE, an. Ein Vortrag, den man gehört haben muss und der das Veranstaltungsmotto am präzisesten und detailliertesten widerspiegelte! Schonungslos wurde von Tenbieg vor allem auf Bedrohungspotentiale eingegangen, die große Daten-Marktplayer auf alle bisherigen Akteure in der gesamten Schadenwelt haben bzw. ausüben können. 

"Unfallreparaturgeschäft wird schrumpfen"

Tenbieg ging auf die kontinuierliche Abnahme von Schadenfrequenz und Schäden, den mit beeinflussenden Anteil von Assistenzsystemen ein und konstatierte, dass sich FAS künftig deutlich schneller in der Serie durchsetzen werden als dies beispielsweise in früheren Jahren bei einem Antoblockiersystem oder dem ESP der Fall war – nicht zuletzt auch wegen der Aufnahme neuer Systeme in die EuroNCAP-Crashkonfiguration, wie dies beim automatischen Notbremssystem ab 2016 der Fall sein wird. Eine wichtige These von Tenbieg lautete: "Das Unfallreparaturgeschäft wird – zumindest was die Anzahl der Schäden betrifft – für alle Beteiligten schrumpfen. Der Wettbewerb der Marktteilnehmer wird sich infolgedessen weiter verschärfen."

Der "Kampf" von OEM und Assekuranz mit den Digitalkonzernen

Daraus resultierend werden Automobilhersteller ihre Aftersales-Anstrengungen verstärken und die Wertschöpfungskette mit neuen Versicherungsprodukten weiter anreichern. Vorteile daraus ergäben sich auch "für gleich starke und international tätige Partner", ferner werde das Geschäft mit Ersatzteilen an Bedeutung gewinnen. Die Datenvernetzung von Kraftfahrzeugen wird einen deutlichen Veränderungsprozess auslösen, bei dem der Empfänger einer Information den Unfallreparaturprozess "maßgeblich bestimmen oder ihn wenigstens initiieren" werde. Das könnten am Ende auch Google, Facebook, Apple und andere datenhungrige Digitalkonzerne sein.
Ändern werden sich nach Ansicht von Tenbieg auch traditionelle Kundenzugänge für Werkstätten und Sachverständige – nicht zuletzt wegen des größeren Anteils an Flottenfahrzeugen.

Weltweiter Referenzbetrieb exklusiv in Potsdam mit dabei

Eine weitere, sehr zukunftsorientierte Podiumsdiskussion befasste sich mit dem zentralen Thema "K&L Betrieb mit Service-Werkstatt" sowie dem potentiellen Einstieg der Versicherungs- und Leasingwirtschaft in das Geschäft mit Inspektionen, Wartungs- und Verschleißteilreparaturen und der elektronischen Bauteilanalyse. Als weltweiter Vorzeige- und Referenzbetrieb gilt derzeit das in Hildesheim in diesem Jahr neu ans Netz gegangene "Auto-Zentrum Hildesheim" der BOYA-Gruppe: Karosserie & Lack, Unfallinstandsetzung, Bosch Car Service Betrieb, GTÜ-Prüfzentrum, Waschstraße und Do-it-yourself-Waschboxen: Alles befindet sich an diesem weit in die Zukunft hinein gebauten Betrieb quasi unter einem Dach. 

Experten von Bosch, BASF und BOYA diskutierten

Neben BOYA-Mitgeschäftsführer Murat Cokalp diskutierten in dieser Runde Dieter Herrmann, Vice President Workshop Concepts World der Robert Bosch GmbH sowie sein Kollege Dirk Appelt, Leiter Bosch-Werkstattsysteme für die Region Europa Mitte, ferner Bernd Seßner, Fleetmanager von BASF Coatings und Maik Schrader, Mitgeschäftsführer der Bettels & Schrader Sachverständigengesellschaft in Hildesheim, die auch das GTÜ-Prüfzentrum auf dem BOYA-Gelände betreibt. 

"K&L mit Service-Werkstatt gehört die Zukunft bei freiem und Markenbetrieb"

Klares Credo aus der Runde: Solchen ganzheitlichen Betriebskonzepten und insbesondere dem K&L Betrieb mit Servicewerkstatt gehört die Zukunft! Überfabrikatliche Technologiebeherrschung – nicht zuletzt, um im FLI-Markt der Zukunft überleben und weiter wachsen zu können – ist unabdingbar. 

Das Konzept mit der Ergänzung um beispielsweise einen Bosch Car Service Betrieb, bei dem Unternehmer auf die technische und Trainee-Unterstützung eines Tier-1-Suppliers bauen können, ist auch ein für Autohäuser sinnvolles Modell der Zukunftssicherung und Schaffung eines zusätzlichen Standbeins, um mit überfabrikatlicher Reparatur insbesondere die fehlenden Margen aus dem Neuwagenverkauf ausgleichen zu können. Die starke Präsenz von markengebundenen Autohäusern auf dem 10. AUTOHAUS-Schadenforum machte deutlich, wie sehr dies gerade von Markenseite her bereits erkannt wurde. 

"Die Anerkennung als Marken-Servicebetrieb kommt"

Walter K. Pfauntsch gab sich in diesem Zusammenhang u.a. "fest überzeugt" davon, dass BOYA in Deutschland in naher Zukunft der erste freie K&L Betrieb sein werde, der nicht nur von Versicherern und Leasinggesellschaften, sondern im Service aktiv von Fahrzeugherstellern genutzt und sogar als offizieller Marken-Servicebetrieb anerkannt werden wird. 

Eintaxierung der großen Schadenslenker

Was en detail hinter BOYA steckt und wie gerade dieser neue Betrieb(styp) in der Schadensteuerung einzuschätzen ist, verdeutlichten anschließend in einer weiteren Diskussionsrunde Georg Frech, Abteilungsleiter Werkstattmanagement Kooperationen & Qualität bei Innovation Group, der für den kurzfristig verhinderten CEO Central Europe, Bart De Groof einsprang, ferner Joachim Bitzer, Senior-Consultant der BASF Coatings GmbH und Angelika Zentgraf, Chefin des Technischen Instandhaltungsmanagements und "Herrin" über Europas größte Flotte mit 75.000 Fahrzeugen der Deutsche Post DHL Fleet. 

In 10 Jahren von "Null" auf 7 Million Euro – mit Schadensteuerung

Auch hier wurde erneut deutlich, dass für konsequente Schadensteuerung mit hohen Stückzahlen künftig vor allem große, leistungsfähige Unternehmen gesucht und benötigt werden, die zunehmend über servicetechnische und Möglichkeiten der elektronischen Diagnose und Fehlerbehebung verfügen. BOYA-Sprecher Murat Cokalp hatte zuvor auf dem 10. AUTOHAUS-Schadenforum bereits erklärt, dass er und seine beiden Mitgeschäftsführer Günay Eryigit sowie Ali Albayrak vor zehn Jahren bei praktisch "Null" angefangen, stringent auf Schadensteuerung gesetzt hätten und heute bereits bei einem Jahresumsatz von sieben Million Euro angekommen seien. Cokalp dankte hier explizit und öffentlich der HUK-COBURG und der Innovation Group als den beiden größten deutschen Schadensteuerungsunternehmen für deren Unterstützung und Loyalität. 

Die Repräsentanten aus der freien K&L Reparaturwelt

In weiteren Vorträgen befassten sich ZKF-Präsident Peter Börner, der Hamburger K&L Unternehmer Kay Dähn sowie BVdP-Geschäftsführer Robert Paintinger mit jeweils branchenaktuellen oder auch unternehmensspezifischen Themen sowie Analysen, Zahlen und Fakten. Über die Inhalte werden wir dezidiert an dieser Stelle noch eingehen und zudem im Jahresschlussmagazin AUTOHAUS-SchadenBusiness berichten. Die jeweiligen Themen des Tages fasste an beiden Tagen AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat in der ihm eigenen Präzision mit politischer Einordnung in das Branchen-Gesamtgefüge zusammen. 

Gelungenes Experiment von Gastgeber TÜV SÜD zum Gala-Abend

Den Anspruch einer echten Premiumveranstaltung in der deutschen Schadenwelt unterstrich nicht zuletzt der Galaabend des ersten Kongresstages, bei dem es Udo Litz aus der Geschäftsleitung Schaden & Wert des TÜV SÜD Konzerns – der auch Gastgeber und Sponsor des Abends war – in bestechender Weise gelungen war, die Forumsteilnehmer kurz und knapp mit interessanten Informationen zu versorgen, um ihnen im nächsten Step drei volle Minuten der inneren Ruhe und "Einkehr" zu verschaffen: Genau so lange schaffte er es tatsächlich, im gesamten Saal eine völlige Stille herzustellen, die Entspannung schaffen sollte. Das Experiment von Litz gelang! 

Der bekannte Kabarettist Christoph Sieber unterhielt danach die Gäste des AUTOHAUS-Schadenforums – nach seinem ersten Auftritt auf dem 3. SH-Schadenforum in Fulda nun bereits zum zweiten Mal – mit einem ganz neuen Programm und erstmalig auch künstlerischen Einlagen. 

Fachaussteller als wichtige Kongress-Begleiter und Innovateure

Entscheidend zum Gelingen der Veranstaltung und der Erfüllung des innovativen, zukunftsgerichteten Anspruchs beigetragen haben einmal mehr eine Vielzahl von Fachausstellern, die mit ihren Ständen im gesamten Hotelfoyer neueste Produkte, Konzepte, Strategien und Dienstleistungsangebote präsentierten. Auch sie werden nochmals gesondert in der Jahresschlussausgabe von AUTOHAUS-SchadenBusiness vorgestellt. 

Audatex, Carbon und DAT: 30 Jahre AUTOHAUS-Schadenforum

AH-Schadenmedien-Chef Walter K. Pfauntsch bedankte sich während des Gala-Abends außerdem bei drei Unternehmen, welche das AH-Schadenforum in ununterbrochener Folge seit der ersten Veranstaltung begleiten, mit einem Präsent des Verlages: Es waren dies Audatex, Carbon und DAT. Sie stellen 60 Prozent der möglichen "zehnjährigen" Aussteller dar, da zur Premiere aufgrund damals gültiger Verlagsvorgaben gerademal fünf Aussteller zugelassen waren und seinerzeit noch Wettbewerbsausschlüsse galten. Die Auszeichnungen in Potsdam nahmen Thorsten Böhm, Prokurist und Leiter Sales Key Accounts & Implementation von Audatex Deutschland, Carbon Vertriebschef Siegbert Müller und Jens Nietzschmann als Vorsitzender der Geschäftsführung der DAT-Group entgegen.   (hp)

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