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06.11.2015

11. AUTOHAUS-Schadenforum

Von Blech, Bits & Bytes

11. AUTOHAUS-Schadenforum
Von Blech, Bits & Bytes
Brachte die Teilnehmer des 11. AUTOHAUS-Schadenforums in Sachen Digitalisierung, Automatisierung, Hagelscanner und Car-Hacking auf den neuesten Stand: Dr. Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer AZT Automotive am Allianz Zentrum für Technik.
© Foto: Udo Geisler

Digitalisierung aller Orten und insbesondere auch im Schadenbusiness ist das aktuell beherrschende Thema. Das machte Dr. Christoph Lauterwasser in seinem umfassenden Beitrag auf dem 11. AUTOHAUS-Schadenforum am Beispiel verschiedener Brennpunkte deutlich.

Lauterwasser ging dabei explizit auch auf die Auswirkungen ein, welche Digitalisierung und Automatisierung auf Versicherer sowie Versicherte haben bzw. welche Haftungsfragen mit tangiert werden. Dass die daraus resultierenden Chancen und Risiken natürlich auch das Kerngeschäft des Allianz Zentrum für Technik in allen Arbeitsbereichen massiv betreffen, das musste er den anwesenden Experten im Plenum nicht lange erklären. Klare Botschaft: der Wandel von der Mechanik zur Elektronik verändert das Gesicht der Schadenwelt zusehends. 

Blech gehabt – Digitalisierung schafft höhere Kundenzufriedenheit

Umso schneller konnte er in medias res gehen und digitale Entwicklungen in Sachen "Blechschaden" unter die Lupe nehmen – auch wenn schon lange nicht mehr alles Blech am Fahrzeug ist, was glänzt. So ermögliche der Einsatz eines Hagelscanners, die Messung des Schadens zu objektivieren und dabei schneller und einfacher zu machen. Man habe bei der Allianz in einem ersten Testeinsatz ab Mai 2015 feststellen können, dass immerhin 75 Prozent, das entsprach rund 2.500 Fahrzeugen, gescannt werden konnten – bei einer maximalen Kapazität von 12 bis 14 Kfz pro Stunde.

"Jetzt brauchen wir die Schnittstelle vom Scanner zur Kalkulation"

Hier stehe man allerdings erst am Anfang einer Entwicklung, mit der Prozesse im Schadenhandling weiter automatisiert und optimiert werden können. In diesem Zusammenhang wichtig sei beispielsweise künftig eine direkte Schnittstelle zur Hagelkalkulation. Gerade aber durch die Objektivierbarkeit der Erfassung und Messergebnisse, so Lauterwasser, habe man heute schon eine große Akzeptanz bei den Versicherten erreicht. 

Betrachte man darüber hinaus, dass die Verteilung der Schadenhöhen bei Haftplicht und Kasko ihren Schwerpunkt bei einem Schadenaufwand bis 3.000 Euro habe und dass an die 40 Prozent aller Schäden beim Rangieren und Parken entstünden, dann werde schnell klar, welches Potential diese oberflächlichen Schäden für eine Digitalisierung der Schadenerfassung noch böten.

Bits: das vernetzte Fahrzeug und der Umgang mit den Daten

Zweifelsohne von besonderer Bedeutung für den Schadenmarkt sei der Themenkomplex eCall und Telematik. 2016, so zitierte Lauterwasser den VDA-Präsidenten Matthias Wissmann, werden 80 Prozent der Fahrzeuge mit dem Internet verbunden sein. Dabei stehe eine Investitionssumme von 16 bis 18 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung in diesen Bereich seitens Herstellern und Zulieferern im Raum. 

Nach einem kurzen Ausblick auf die anstehende Entwicklungen der nächsten fünf Jahre vom Infotainment über die Car2X-Services bis hin zur augmented reality und angesichts der dabei bei der Digitalisierung anfallenden Datenmengen stellte Lauterwasser zwangsläufig die Gretchenfrage nach dem Zugriff auf die Daten. Hier plädierte er dann, ganz im Sinne der  Initiative des GDV, für einen fairen Wettbewerb über eine offene, nicht exklusive Plattform mit Zugriff aller Anbieter und für die Wahlfreiheit des Kunden, zu entscheiden, wer nun seine Daten verwende.

Telematik-Versicherungen kommen

Natürlich habe das auch Auswirkungen auf die Produktangebote der Versicherer. Telematiktarife würden, wie heute schon in Italien und Großbritannien durchaus üblich, auch in Deutschland zwar langsam, dennoch aber zunehmend Fahrt aufnehmen. Diverse Versicherer, darunter auch die Allianz, hätten für 2016 entsprechende Produkte angekündigt. Der Nutzen dabei für den Versicherten: schnelle Notfallhilfe, mehr Sicherheit durch ein reflektiertes Fahrverhalten und die Chance eines gerechteren Pricings.

Versicherung zahlt auch nach Unfall durch Car-Hacking

Auch über Car-Hacking müsse man angesichts des vernetzten Fahrzeugs sprechen. Fahrzeuge würden grundsätzlich angreifbar werden. Das spiele nicht nur bei Eingriffen in den laufenden Fahrbetrieb eine Rolle, sondern auch bei der Thematik Totaldiebstahl ohne Spuren. Immerhin beruhigend für den Versicherten: sowohl die Kfz-Haftpflicht wie auch die Kaskoversicherung sind im Falle eines Unfalles durch Car-Hacking eintritts- bzw. leistungspflichtig. Der ungewollte Zugriff von außen auf Steuer- und Regelfunktionen eines Kfz ist auch längst im AZT angekommen, denn in Kooperation mit der information security der Allianz Deutschland habe man sich intensiv der Informationssicherheit in vernetzten Fahrzeugen angenommen.

Bytes: Positionen zum automatisierten Fahren

Wie beurteilt das Allianz Zentrum für Technik die Roadmap hin zum automatisierten Fahren? Wird es den "Big-Bang" geben? Und welche Auswirkungen wird diese Entwicklung für Schadenhäufigkeit, Schadenhöhe oder auf Haftungsfragen haben?  Das alles können Sie im Jahresschlussmagazin von AUTOHAUS SchadenBusiness nachlesen, das am 21. Dezember erscheint. (gast)