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14. AUTOHAUS-Schadenforum: Wirtschaftlichkeit und Handwerkskunst sind vereinbar!

14. AUTOHAUS-Schadenforum
Wirtschaftlichkeit und Handwerkskunst sind vereinbar!
Zwei Tage lang stand die Live-Instandsetzung zweier VW Golf VII im Fokus des Interesses, um die richtungsweisende Frage "Instandsetzen oder Erneuern?“ zu erörtern.
© Foto: Udo Geisler

Parallel zum Vortragsprogramm wurde in der Live-Instandsetzungshalle zwei Tage lang Karosseriehandwerk auf allerhöchstem Niveau präsentiert und gleichzeitig eine der zentralen Zukunftsfragen der gesamten Unfallreparaturbranche eindrucksvoll beantwortet.

Was in Potsdam über die sprichwörtliche Bühne ging, war nicht nur das Highlight des diesjährigen Schadenforums, sondern auch Ergebnis wochen-, ja monatelanger Vorbereitungen. Zwei komplett baugleiche Volkswagen Golf VII wurden gekauft, mit identischen Schadenbildern an der jeweils linken hinteren Seitenwand beaufschlagt und unter Einhaltung aller Herstellervorgaben auf zwei unterschiedlichen Reparaturwegen wieder instand gesetzt – klassisch durch Teilersatz und alternativ per Rückverformung.

Live und zum Anfassen wurde somit ein Fragenkomplex untersucht, der wie kein anderer für die aktuelle und künftige Situation der Unfallreparaturwerkstätten steht: Ist in Zeiten von Fachkräftemangel, steigenden Ersatzteilpreisen, sinkenden Margen und hohem Kostendruck noch Platz für echtes Karosseriehandwerk? Ist Instandsetzung von Blechschäden der Königsweg zwischen Kosteneinsparung für Auftraggeber und Rentabilität beim ausführenden Betrieb? Oder sprechen auch Argumente für das Erneuern von Bauteilen?

Breite Branchenunterstützung

Die Voraussetzungen für die Beantwortung dieser spannenden Zukunftsfrage wurden in einem gemeinsamen Konzept von AUTOHAUS SchadenBusiness, der Carbon GmbH und der Innovation Group geschaffen, das durch eine Vielzahl weiterer Top-Dienstleister der Branche mit Leben erfüllt wurde: Axalta mit Spies Hecker, Standox und Cromax, Carbon, Horn & Bauer, Mirka, SATA, SEHON, Wieländer+Schill, Spanesi Deutschland, das Karosseriecenter Wolfrum sowie das Hagelschadenzentrum Karosseriefachbetrieb/KARISMA setzten ausschließlich von Volkswagen freigegebene Werkzeuge, Hilfsmittel, Maschinen und Lacke für die Instandsetzung ein.

Gutachterlich neutral begleitet wurde die Live-Reparatur an beiden Tagen von der DEKRA, die gemeinsam mit Audatex AUTOonline, ICAM-Systems, Innovation Group und Carbon zusätzliche Zahlen und Fakten rund um die beiden Instandsetzungswege lieferte.

Unfallreparatur ist High-Tech-Handwerk

Durch immer wieder ins Programm eingestreuten Liveschaltungen in die Instandsetzungshalle war es den Fachbesuchern möglich, dem Vortragsprogramm zu folgen und gleichzeitig nichts zu verpassen, was die Carbon-Techniker Klaus Luz (Instandsetzen) und Ralf Rathmann (Erneuern) wenige Meter weiter an handwerklichem Können und Fachwissen in die Waagschale warfen.

Spannenderweise wurde im Rahmen der kontinuerlichen Dokumentation des Reparaturfortschrittes immer wieder deutlich, wie komplex auch der oft als "reiner Teiletausch" beschriebene Instandsetzungsweg des Erneuerns sich beim vorliegenden Seitenwandschaden gestaltete. Immer wieder betonte Rathmann, wie das Originalteil vorbereitet und mehrfach eingepasst werden musste, um die vom Endkunden erwartete Reparaturqualität auch wirklich liefern zu können. Im Laufe der Veranstaltung dürfte somit jedem Fachbesucher klar geworden sein, wie in den Instandsetzungsbetrieben echte Handwerkskunst mit modernster Werkzeugausstattung und elektronischer Unterstützung an High-Tech-Fahrzeugen geleistet wird.

Das Original sollte erhalten werden

Entsprechend fiel am Ende der Veranstaltung auch das Fazit von Michael Breuch, Fachabteilungsleiter Gutachten der DEKRA-Niederlassung Koblenz, aus: "Durch die bei diesem Schadenbild notwendigen Trennschnitte, Spachtel- und Schleifarbeiten ist der Zeitaufwand für das Erneuern des Seitenteils mit rund 13 Stunden deutlich höher als bei der Instandsetzung, die in zehn Stunden zu realisieren war. Hinzu kommen ein durch den Ersatzteilpreis des Karosserieblechs sowie das zusätzlich verbrauchte Material ausgelöste Mehrkosten zwischen 600 und 700 Euro beim Erneuern."

Kosten in der Gegenüberstellung

Insgesamt veranschlagte Breuch die Höhe des Reparaturkosten bei ca. 3.300 Euro (OEM-Stundensätze) bzw. 2.400 bis 2.500 Euro beim gesteuerten Schaden. In beiden Fällen lag der Reparaturweg Instandsetzung um rund 800 Euro günstiger und wurde mit 2.500 Euro (OEM) bzw. 1.700 Euro (Schadensteuerung) beziffert. Nicht vergessen werden darf dabei der merkantile Minderwert, so Breuch: "Erfährt ein Gebrauchtwageninteressent von einem fachgerecht reparierten Unfallschaden, bleibt diesem erfahrungsgemäß nur die Höhe der Instandsetzungskosten im Kopf. 3.300 Euro klingt einfach dramatischer als 2.500 Euro." Der DEKRA-Experte setzte die Wertminderung deshalb mit 300 bis 400 Euro beim Erneuern deutlich höher an als die 200 Euro der Instandsetzung und resümierte: "Die Reparatur eines Originals ist aufgrund der Erhaltung des Karosserieverbunds inklusive Korrosionsschutz sowie dem deutlich kleineren Schadenbereich aus meiner Sicht der bessere Weg."

Wirtschaftlichkeit für alle Beteiligten

Dieser Sichtweise schloss sich nicht nur Carbon-Chef Siegbert Müller, einer der Pioniere wirtschaftlicher Karosserieinstandsetzung, gerne an: "Mit Digitalisierung ist kein Auto repariert, der Kern ist und bleibt das Handwerk – diese Tatsachen wurden in der Vergangenheit oft vergessen. Wichtig ist deshalb, weiterhin junge Menschen für die spannende Arbeit der Unfallschadenreparatur zu begeistern."

"Kostentreiber haben sich gewandelt"

Ullrich Bechmann, Direktor Werkstattmanagement der Innovation Group, konstatierte: "Vor zehn Jahren ging es um die Reduzierung von Rechtsanwalts-, Kfz-Sachverständigen- oder auch Mietwagenkosten. Heute ist die moderne Karosserieinstandsetzung ein Kostentreiber, bei der man ansetzen kann, ohne die Interessen der Reparaturbetriebe zu vernachlässigen."

"Wenige hundert Euro summieren sich auf Millionenbeträge"

Jörg Nigges, Chef-Sachverständiger der Zurich Gruppe Deutschland und Uwe Cremerius, Leiter Kraftfahrt Schaden, Generali Deutschland Schadenmanagement GmbH, bekräftigten dieses Argument von Versicherungsseite: "Solange es technisch machbar und sinnvoll ist, bevorzugen wir auf breiter Front Instandsetzen vor Erneuern. Als Kostenträger sehen wir nie den Einzelschaden, sondern immer die größere Perspektive: Wenige Hundert Euro Unterschied bedeuten aus Sicht jedes Kfz-Versicherers einen um mehrere Millionen höheren Schadenaufwand."

"Jeden Schaden auf Wirtschaftlichkeit prüfen"

ZKF-Präsident Peter Börner freute sich in seinem Schlussstatement über die zur Schau gestellte Leistungsfähigkeit seiner Mitgliedsbetriebe: "Als Handwerksmeister bevorzuge ich immer die Instandsetzung, rufe aber alle Unternehmer dazu auf, jeden Schadenfall auf seine Wirtschaftlichkeit zu prüfen. Wenn der Austausch lukrativer ist, gibt es gute Argumente auch für diesen Reparaturweg. Entscheidend ist und bleibt aber: Wer schon mit dem Teilersatz handwerklich überfordert ist, sollte von der Instandsetzung erst recht die Finger lassen."

Alle Bilder und weitere Ergebnisse aus der Live-Reparaturhalle finden Sie in der Jahresschluss-Ausgabe von SchadenBusiness, die gemeinsam mit AUTOHAUS 23/24 am 17. Dezember erscheinen wird.   (kt)