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70 Jahre Honda: Die Macht der Motoren

70 Jahre Honda
Die Macht der Motoren
Ein Honda Civic aus dem Jahr 1972
© Foto: Honda

Seine Motoren sollten Menschen Freiheit und Fahrspaß schenken – Soichiro Honda war ein von Visionen getriebener Ingenieur, dessen Spirit das Unternehmen bis heute pflegt.

Von Wolfram Nickel/SP-X

Fünfhundert ausgediente Stromerzeuger der kaiserlich japanischen Armee legten 1946 den Grundstein für einen Weltkonzern, der keine 20 Jahre später als erster asiatischer Motorenbauer mit westlichen Kultmarken wie BMW verglichen wurde. Ein rasanter Aufstieg, der dem genialen Selfmade-Ingenieur Soichiro Honda wohl kaum in den Sinn gekommen ist als er die ehemaligen Generatoren zu Hilfsmotoren für Fahrräder umbaute. Mit seinen Motoren wollte Honda die Menschen mobilisieren und wirtschaftlich unabhängig machen. Ein Wunschtraum, der den ebenso idealistischen wie kaufmännisch erfolgreichen Unternehmer Honda veranlasste, ab 1949 bezahlbare Motorräder in Serie zu bauen und wenig später weltweit zu vertreiben. Anfang der 1960er Jahre war Honda damit die Nummer eins in der Welt – und entdeckte nun sein Herz für Autos und die Formel 1. Als ehemaliger Rennfahrer wusste er um die Bedeutung des Motorsports für die Motivation seiner Techniker und den Nimbus einer Marke. Deshalb waren es Roadster und Sportwagen, mit denen Honda zunächst Schlagzeilen machte, lange bevor der Civic als erster Kompaktklasse-Bestseller „Made in Japan“ die globalen Verkaufscharts stürmte. Weitere Meilensteine der Antriebstechnik folgten, darunter humanoide Roboter sowie Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge. Nicht immer wurde dieser Mut vom Markt belohnt, so muss sich Honda Deutschland lange mit bescheidenen Marktanteilen begnügen.

Tatsächlich reichen die Ursprünge des Honda-Konzerns sogar bis in die frühen 1930er Jahre zurück, denn damals begann der Firmengründer Soichiro Honda mit der Fertigung von Kolbenringen. Vor genau 70 Jahren gründete er dann das Honda Technical Research Institute, aus dem zwei Jahre später die Honda Motor Co hervorging. Der von Bewunderern und Konkurrenten respektvoll "Motoren-Magier" genannte Soichiro machte so einen Kindheitstraum wahr; passend dazu bekam sein erstes, 1949 vorgestelltes Motorrad den Namen Dream. Neu waren bei dieser Honda Dream übrigens nicht nur die Zwei- und Viertaktmotoren, sondern auch die stabilen Rahmen aus massivem Pressstahl, die den Transport schwerer Lasten erlaubten. So wurde Honda früh als Qualitätssiegel etabliert, denn die Rahmen anderer Motorräder brachen damals nicht selten.

Um 1960 beherrschte Honda bereits die Hälfte des japanischen Motorrad-Binnenmarktes und auch die erste Filiale in den USA florierte. Gut zu sein, war für Soichiro Honda aber nie genug. Den weitsichtigen Unternehmer trieb es zu neuen Ufern. Im Jahr 1961, als seine Motorräder erstmals auf europäischen Rennstrecken von Sieg zu Sieg stürmten und den WM-Titel errangen, eröffnete Honda in Hamburg eine Niederlassung. In Deutschland, der Heimat legendärer Motorradmarken und der Wiege des Patent-Automobils, wollte Honda das Exportpotential seiner Fahrzeuge unter Beweis stellen. Und so wurde die Hamburger "European Honda Motor Trading Company" die erste europäische Niederlassung eines Fahrzeugherstellers aus dem Land der aufgehenden Sonne.

Anfangs konzentrierte sich Honda auf den Vertrieb von Motorrädern, die ab 1963 in Belgien montiert wurden. Ein Jahr später startete dann auf Soichiros persönlichen Wunsch der erste Honda-Formel-1-Rennwagen auf der legendären Nürburgring-Nordschleife. Bis zur eindrucksvollen Triumphserie von sechs Konstrukteurs-Weltmeisterschaften in Folge sollte es für das Honda-Formel-1-Team zwar noch 23 Jahre dauern, aber die Initialzündung für den Bau von Automobilen war gesetzt. In Deutschland verblüffte Honda die Fachwelt zunächst mit dem Roadster S 500, dessen Motor ähnlich drehfreudig und standfest wie Formel-1-Triebwerke war. Kaufinteressenten mussten sich jedoch noch zwei Jahre gedulden bis der Vertrieb der inzwischen auf 0,8-Liter Hubraum vergrößerten Sportwagen und des nur drei Meter messenden Kleinstwagens Honda N 360 startete. Letzterer erntete allerdings Hohn und Häme ob seiner mageren Leistungsausbeute und des stolzen Preises, der mit rund 4.500 Mark das Niveau des VW Käfers erreichte. Kein Wunder, dass sich im Startjahr nur 454 Deutsche für den Kauf eines Honda entschieden.

Welterfolg Civic

"Ein Schritt in eine bessere Zukunft", wie die Honda-Werbung textete, war dann der 1973 in Deutschland eingeführte Civic. Nach Experimenten mit kuriosen Kleinstcoupés wie dem Modell "Z" war der Civic ein früher Vorläufer der Golf-Klasse. Schrägheck, Frontantrieb und quer eingebaute Motoren waren Kennzeichen dieser Kompaktklasse, die sich als Multi-Millionenerfolg durchsetzte. Zum sportlichen Höhepunkt der Civic-Baureihe avancierte 1983 das CRX Coupé. Ein preiswerter, reinrassiger Sportwagen, der mit einem neuartigen 74 kW / 100 PS starken 1,5-Liter-12-Ventiler-Einspritzer mit Schubabschaltung aufwartete. Über Jahre strahlte die Buchstabenkombination CRX auf junge Männer eine ähnliche Anziehungskraft aus wie das Kürzel GTI am Heck des Erzrivalen Golf. Auch in den Zulassungsstatistiken fuhr Honda in Deutschland nun steil nach oben. Nach 37.000 Einheiten um 1985 wurde in der Folge der deutschen Wiedervereinigung der Allzeit-Bestwert von knapp 70.000 Zulassungen erzielt.

Dazu beitragen konnte auch der seit 1976 verkaufte Accord, der als erster Honda Pkw außerhalb seiner Heimat in Produktion ging und die Marke in der Mittelklasse verankerte. Honda wurde mit dem Accord erwachsen und die Werke in Japan, den USA und in Großbritannien konnten die Nachfrage kaum befriedigen. Ab 1989 wurde der Accord meistverkaufter Pkw in den USA und in Deutschland hinderte allein der Erzrivale Mazda 626 den Accord an einem Abonnement auf die Pole Position in der Importzulassungswertung. Eine Erfolgsgeschichte, die hierzulande inzwischen Vergangenheit ist, dafür setzt Honda seit 1996 im SUV-Segment Zeichen. So belegt der Honda CR-V seit vielen Jahren Platz eins der globalen Verkaufscharts seiner Klasse.

Kurz nach der Jahrtausendwende positionierte sich Honda in Japan sogar kurzzeitig auf Rang zwei der Produktionsstatistik – direkt hinter Toyota. Mit diesem Erzrivalen duellieren sich die Erben Soichiro Hondas, der sich 1973 aus der Geschäftsführung zurückzog, seit den 1990er Jahren auch um die Führungsrolle bei Hybrid- und Brennstoffzellentechnik. Frühe Honda-Hybrid-Modelle wie das Sportcoupé Insight von 1999 und die seit 2002 ausgelieferte Brennstoffzellen-Limousine FCX setzten dabei ebenso Signale wie zuvor schon andere technische Innovationen. So markieren die seit 1986 erprobten humanoiden Roboter der Asimo-Familie Meilensteine auf dem Weg autonomer Fortbewegung, aber auch andere Technikträume verwirklichte Honda als erster. Etwa die Allradlenkung (Prelude, ab 1987), Aluminum-Monocoque und Aluminium-Karosserie (NSX, 1990) oder das intelligente Nachtsichtgerät (Legend, 2004).

Heute umfasst das Programm der Japaner neben Automobilen und Motorrädern auch Industriegeräte, Stationärmotoren, Block-Heizkraftwerke, Gartenpflegegeräte, ATVs und Quads sowie Außenbordmotoren. Alles ganz im Sinne von Soichiro Honda, der den Menschen durch Motoren neue Möglichkeiten schenken wollte.

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