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Bundeskartellamt: Kein Preisdumping bei ATU

ATU-Filiale: Das Bundeskartellamt sieht keine Anhaltspunkte für Preidumping.
© Foto: ATU

Das Kfz-Gewerbe NRW wirft der Werkstattkette vor, sie würde Produkte unter Einstandspreis verkaufen und zudem eine Kampfpreisstrategie verfolgen. Das sieht das Kartellamt nach intensiver Prüfung anders.


Datum:
11.07.2014
5 Kommentare

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Schlappe für das Kfz-Gewerbe Nordrhein-Westfalen: Das Bundeskartellamt hat die Beschwerden des Branchenverbands gegen ATU wegen dauerhaften Preisdumpings und des Verfolgens einer Kampfpreisstrategie zurückgewiesen. Es wird damit zu keinem Kartellverfahren gegen die Werkstattkette kommen.

Die Behörde habe nach intensiver Prüfung festgestellt, dass ATU "in keinem einzigen der überprüften Einzelfälle" Produkte unter Einstandspreis verkauft habe, teilte die kritisierte Werkstattkette unter Verweis auf ein Antwortschreiben der Kartellwächter vom 9. Juli 2014 mit. Das Gegenteil treffe zu: "Die dem Endkunden von ATU in Rechnung gestellten Preise bewegten sich – zum Teil sogar sehr deutlich – über dem jeweiligen Einstandspreis."

In Weiden sorgt die Reaktion des Kartellamts für Genugtuung: "Die Entscheidung zeigt in aller Deutlichkeit, wie falsch und unqualifiziert die Unterstellungen der Funktionäre aus dem Kfz-Gewerbe NRW waren. Die Behauptungen gingen völlig an der Realität vorbei", erklärte ATU-Chef Norbert Scheuch am Stammsitz Weiden und legte nach: "Künftig sollten diese Herren besser am Stammtisch spekulieren als in der Öffentlichkeit." Scheuch begründete die günstigen ATU-Preise mit dem hohen Einkaufsvolumen und den entsprechend vorteilhaften Konditionen.

Auch für die vom Kfz-Landesverband unterstellte Kampfpreisstrategie von ATU mit dem Ziel, Wettbewerber zu verdrängen, sieht das Kartellamt keinerlei Anhaltspunkte. Denn bei der Kette sei bereits die Grundvoraussetzung – eine marktbeherrschende Stellung – nicht gegeben, hieß es. Die Einleitung eines entsprechenden Verfahrens gegen ATU wäre deshalb "ein aussichtsloses Unterfangen".

Zu geringe Marktbedeutung

Das Kfz-Gewerbe NRW schließt aus der Antwort der Behörde, dass ATU schlichtweg zu unbedeutend sei. Nach der gesetzlichen Vermutungsregel wäre eine marktbeherrschende Stellung dann gegeben, wenn das Unternehmen einen Marktanteil von mindestens 40 Prozent hätte. "Bei einer bundesweiten Durchschnittsbetrachtung liegt der Marktanteil von ATU jedoch deutlich unter zehn Prozent", zitierte der Verband am Freitag aus dem amtlichen Schreiben.

Das Kfz-Gewerbe NRW hatte sich im März dieses Jahres an die Wettbewerbshüter gewandt, um das Marktverhalten von ATU überprüfen zu lassen (wir berichteten). Daraufhin schlug die Kette mit einer Abmahnung gegen den Verbandspräsidenten Ernst-Robert Nouvertné zurück. Der Branchenvertreter unterzeichnete auch eine Unterlassungserklärung, in der er sich verpflichtete, die Behauptung zu unterlassen, dass der Fast-Fitter Waren in wiederkehrenden Aktionszeiträumen unter Einstandspreis anbiete. An den Vorwürfen hielt Nouvertné aber grundsätzlich fest. (rp)

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KOMMENTARE


U. Kersten

11.07.2014 - 15:15 Uhr

Richtig so. Es möge mal jeder Markenhändler darüber nachdenken was sich z.B. Dingolfing oder aber die OTLG einsteckt. Von mir schon öfter angesprochen - Händler wofür habt ihr Händlerverbände? nur um euch vom Hersteller abzocken zu lassen? Also EU-Fahrzeuge oder im Netz kaufen und dann zum freien (unternehmerisch tätigen) Händler gehen. Zum Anschauen, Probe fahren oder aber Garantie ab in die Paläste der Hersteller und schön Kaffee trinken.


Annotator

11.07.2014 - 16:16 Uhr

Vielleicht sind aber bei ATU die Ersatzteile nicht einmal die Verpackung wert.


Keke

11.07.2014 - 22:47 Uhr

1. jammern und schimpfen hilft nicht, wie U.Kersten schon sagt, tretet den Herstellern mal die Türen ein2. es gibt Manager, die vorher in anderen Branchen das Preisniveau torpediert haben, um anschließend die Branche schnell wieder zu verlassen,die Scherben dürfen alle anderen zusammenkehren3. die alte Weisheit, dass gerade die Markenbetriebe gefordert sind mit Top-Service und höchster Teilequalität die Kunden zu überzeugen, ist immer noch gültig - in anderer Form sagt es auch Annotator


K. Wempe

12.07.2014 - 12:53 Uhr

@ U. Kersten: Selten hat jemand hier so am Thema vorbei referiert. Das Geschäftsmodell ATU hat keine Daseinsberechtigung. Eine Weiterführung von ATU war doch nur möglich, nachdem 600 Mio. Schulden als Aneile an die Gläubiger ausgegeben und knapp 100 Mio. Steuern erlassen wurden. Wohin diese Strategie ATU geführt hat, dass haben wir alle mitvefolgt. Mal ganz davon abgesehen, dass die Verwendung von Originalteilen von ATU nicht beworben wird. Welch präkere Qualitäten dort verbaut werden, das möchte ich gar nicht erst wissen. Sie beschweren sich (wahrscheinlich ohne entsprechendes Wissen) über Abzockerei seitens der Hersteller, kommunizieren hier aber altklug das smart Shoppen als das einzig Wahre. Sie sind eine Heuschrecke, die wahrscheinlich nur zum Händler kommt um irgendwann eine Garantieleistung oder eine Kulanz zu erhaschen. Würde es nur Kunden ihres Schlages geben, dann wären uch wir schon überschuldet. Nur würde uns niemand retten.


Detlef Rüdel

13.07.2014 - 10:49 Uhr

Ich bin mit Sicherheit, kein Fan von ATU und bin auch der festen Überzeugung, das wir ohne ATU bestens im Handel zurecht kommen würden. Wenn mir, aber heute einer sagen würde, das ATU Reparaturen, Dienstleistung, wo möglich auch Ersatzteile, unter dem Einkaufspreis anbieten würde, dann würde ich dem Antworten: "dann ist ATU an ihrer betriebswirtschaftlichen Situation selbst schuld" darüber hinaus, würde ein Investor, nicht auf 600 Mio € verzichten, wenn er wüsste, das an der Spitze ein solches Missmanagement das Unternehmen führt. Daher war mir klar, das bei dieser kartellrechtlichen Überprüfung nichts anderes heraus kommen konnte. Mit Sicherheit ist das eine große Niederlage für das Kfz- Gewerbe in NRW. Aber diese Recherge war somit zum scheitern verurteilt. Mein persönliches Fazit lautet daher schon lange: ich-wir müssen mit diesen drei Buchstaben leben, müssen lernen, uns über die Qualität nicht nur zum übrigen Wettbewerb besser zu verkaufen, sondern auch und gerade gegenüber ATU. Mit Sicherheit, werden wir in dem einen, oder anderen Punkt, was die Dienstleistung anbelangt teurer sein, das ist aber auch völlig normal, da wir zum Hersteller-Importeur auch gewisse Standards zu erfüllen haben. Unsere stärke IST die Differenzierung, der Anspruch besser zu sein, als der übrige Wettbewerb. Loyalität, muss nicht immer über den Preis entschieden werden, wir müssen nur lernen, das Klavier über die volle Breite spielen zu können. Leider nutzen viele von uns das nicht aus. Dann schimpfen wir über ATU, aber auch über den übrigen Wettbewerb. Wir, müssen uns alle selbstkritisch Fragen, machen bzw. Tun wir alles, um wirklich besser zu sein als der andere? Wenn wir lernen mit dieser selbstreflecktion kritisch umzugehen, dann können wir auch mit ATU leben. Ihnen allen eine erfolgreiche Zeit, mit oder ohne ATU.


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