-- Anzeige --

Dekra-Studie: Autohändler verdienen zu wenig

Studie: Wegen des NW-Booms haben 2009 viele Kfz-Betriebe auf eine nachhaltige Ertragssicherung verzichtet.
© Foto: Pixelio.de/AHO-Montage

Laut einer aktuellen Dekra-Studie wird die überlebenswichtige Umsatzrendite von 2,2 Prozent vielfach unterschritten. Die Kluft zwischen Unternehmen, die gut verdienten, und Sanierungsfällen nimmt weiter zu.


Datum:
01.09.2010
6 Kommentare

-- Anzeige --

Neun von zehn Autohändlern in Deutschland verdienen zu wenig Geld. Zu diesem Ergebnis kommt die am Mittwoch in Stuttgart veröffentlichte Studie "Erfolgreiche Sanierung und Restrukturierung im Automobilhandel" der Dekra Consulting. Geschäftsführer Christian Polzer sieht in der unzureichenden Umsatzrendite der Firmen das derzeit größte Risikopotenzial: "Für die Schaffung von Unternehmenswert ist eine Rendite von 2,2 Prozent Voraussetzung." Dieser Wert werde jedoch vielfach unterschritten. Die Kluft zwischen Unternehmen, die gut verdienten, und Sanierungsfällen nehme weiter zu.

"Die strukturellen Probleme der Branche sind nach wie vor vorhanden. Das Rabattniveau war im Neuwagengeschäft deutlich zu hoch", so Polzer. Durch den Neuwagenboom im Ausnahmejahr 2009 hätten viele Händler das Geschäft mit gebrauchten Autos vernachlässigt und wichtige Restrukturierungsmaßnahmen ausgesetzt. Neu gegenüber den vergangenen Jahren sei die Tatsache, dass nicht nur kleine und mittelständische Betriebe Probleme bekommen, sondern vermehrt auch große und traditionsreiche Unternehmen in Schieflage geraten.

Die Kapitalbindung im Kfz-Handel hat vor allem in Folge höherer Lagerhaltung und deutlich gestiegener Standtage im Gebrauchtwagensektor zugenommen, stellten die Autoren weiter fest. Die Eigenkapitalquote liege stabil bei niedrigen elf Prozent. Die Abhängigkeit von externen Finanzmitteln sei im Branchenvergleich extrem hoch. Die Finanzkrise habe die Aufnahme auch von gut besicherten Krediten aber deutlich erschwert, hieß es.

Mangelnde Umsetzung der Erfolgsfaktoren

Die Dekra Consulting geht davon aus, dass sich die Marktsituation im Automobilhandel in den kommenden Jahren nicht merklich bessern wird. Dennoch werde es auch in Zukunft "Top-Performer" geben, die in schwierigen Zeiten sehr gute Leistungen erzielen und neue Chancen konsequent nutzen. Als Erfolgsfaktoren identifizierten die Branchenexperten eine klare Handelsstrategie, gute Führung und weitsichtige Personalentwicklung, systematisches Kostenmanagement sowie exzellente Prozesse. Überraschend sei die nach wie vor mangelhafte flächendeckende Umsetzung dieser Voraussetzungen.

Für die Studie hat der Prüfkonzern von November 2009 bis April 2010 die Daten von 152 Autohändlern, die saniert oder restrukturiert werden, ausgewertet. (se)

-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --

KOMMENTARE


Thorsten Podlech

01.09.2010 - 22:59 Uhr

Bei dieser Pressemitteilung zur Studie bekomme ich graue Haare. Was ist es überhaupt für ein Ansatz, die Umsatzrendite als Maßstab aller Dinge im Autohaus anzusetzen? Wen interessiert das denn? Als Unternehmer und Investor interessiert doch vielmehr die Frage, wie hoch die Rendite auf die Summe des eingesetzten Kapitals ist. Beispiel: - Das Autohaus mit Ausstattung kostet 2.000.000 Euro - Die Ware auf dem Hof kostet 2.000.000 Euro - Der Umsatz beträgt 10.000.000 Euro - Der Gewinn ist 1% Umsatzrendite = 100.000 Euro Der Return on Investment ist: - 100.000 Euro Gewinn / 2.000.000 Investment + 2.000.000 Ware = 2,5% Umsatzrendite Wenn ich meine vier Millionen Euro als Beispiel (Wert des Gebäudes plus Ware) in Bundesschatzbriefe investiere, sind das 2,75% Rendite. Entsprechend habe ich OHNE RISIKO 110.000 Euro Gewinn. Und zahle darauf nur 25% Abgeltungssteuer. Anstelle von ca. 45% Unternehmenssteuern. Von den Zinseszinsen kaufe ich mir zwischendurch was schönes. Was ich meine ist folgendes: Viele Deutsche Händler leben ja gut damit keinen Gewinn zu machen und erwirtschaften für die eigene Familie ein gutes Einkommen. Aber das Risiko des eingesetzten Kapitals steht doch in KEINEM Verhältnis zur Rendite auf das Kapital. Ein Dachdecker-Unternehmer trägt am Ende des Jahres mehr Geld nach Hause als ein Autohaus-Unternehmer. Bei welchem Kapitaleinsatz? 5 Transporter für 500 Euro Leasingrate plus Kran, Gerüst & EDV. Die Dekra sollte lieber Vorschläge machen wie man ein Autohaus umwandelt und neuen Nutzen stiftet: als Restaurant, Supermarkt oder Bowlingcenter. Mit dem selben Unternehmer als Inhaber und Betreiber. Ich bin gespannt auf Feedback. Thorsten Podlech


Karl Schuler

02.09.2010 - 09:40 Uhr

Absolut korrekte Analyse, Herr Podlech! So hat sich das, denke ich, Herr Schaaf auch ausgerechnet!


Hans Kirschenhofer

02.09.2010 - 09:45 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, nach wie vor ist es möglich, mit einem Autohaus viel Geld zu verdienen, wirklich viel Geld. Ich arbeite als Unternehmensberater und Trainer speziell für Autohäuser und sehe immer wieder in erstaunte Augen, wenn ich meine Vorgaben, Mindestziele präsentiere, nicht nur bei Unternehmern, sondern auch bei den Bankern. Gebrauchtwagen DB 3 € 500.-. Neuwagen 2% weniger Rabatt. Produktivität in der Werkstatt, angekaufte Anwesenheit zu verkaufte Stunden 100%, Verhältnis Werkstatt zu Lager im Umsatz Faktor 1:1,5. Einheiten NW zu GW 1:1,5. Umschlag der Ware im Verhältnis zum Bestand 50% pro Monat. Und viele weitere Themen, die nötig sind um wirklich erfolgreich zu sein. Investitionen sind zur Umsetzung dieser Ziele nicht nötig. Allerdings sehe ich sehr oft, dass es für ein/en Unternehmen/er sehr schwierig ist, den bisherigen Weg ohne kompetente Hilfe und praxisnaher Unterstützung zu verlassen. Die Probleme sind ja vorhanden und trotz aller Anstrengungen werden die Zahlen nicht besser. Dann noch der Druck von innen und außen, knappe Liquidität, die mit Bestandsabbau versucht wird zu verbessern. Liquidität vor Gewinn, heißt eine dieser Thesen. Substanz wird vernichtet. Wenn dann externe Partner die Zahlen bekommen, wird es noch schwieriger als vorher. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen Teufelskreis zu verlassen, doch wie oben schon erwähnt, alleine sehr schwierig, vor allem der Umgang mit den Finanzpartnern. Wenn wir oben genannte Vorgaben erreichen und überschreiten, dann ist die Verwunderung groß, dass es trotz aller Anstrengungen relativ einfach geht. Mit freundlichen Grüßen Hans Kirschenhofer


Michael Schmidt

02.09.2010 - 09:48 Uhr

Sehr geehrter Herr Podlech, was sie meines Erachtens außen vor lassen ist die Eigenkapitalrendite. Kaum ein Autohaus wird die 4.000.000 € an assets ohne Fremdfinanzierung stemmen können. Gehen wir von einer Eigenkapitalquote von 10% aus (siehe oben) ergibt das, bei einem Gewinn von 100.000 €, eine Eigenkapitalrendite von 25%. Sicher muss man hier auch in betracht ziehen, dass die Eigenkapitalrendite im Autohaus häufig nur deswegen gut ist, weil das Eigenkapital gegen null geht. :) Ansonsten sollte man aber die Leverage Effekt These nicht ganz außer acht lassen und auch immer das eingesetzte Eigenkapital betrachten. By the way... vielen Dank liebe Dekra für die nicht wirklich neue Erkenntnis :)


Klaus Öhl

02.09.2010 - 09:55 Uhr

Die Autohändler verdienen zu wenig! -Da schau her, das merkt sogar die Dekra. Und was bringt´s? Wieder eine Betstätigung das wir tief in der S...... stecken. Wir brauchen eine neue Strategie um aus diesem Sumpf zu kommen! Klaus Öhl


Fred Müller

28.12.2010 - 13:22 Uhr

Sehr geehrter Herr Podlech, Ihre Ausführug ist prinzipiell nicht falsch. Nur gibt es einige Sachen, die man in der Berechnung beachten sollte. 1. Hinter Ihrem ROI schreiben Sie die Umsatzrendite. Diese gehört da nicht hin. 2. Bei der Berechnung des ROI sollte man die Investitionskosten für die berechnete Periode ansetzen. (Summe der monatlichen Raten) Ein Unternehmer wird wohl kaum 2 Mio € sofort in einem Jahr investieren. Damit sieht das Ergebnis schon etwas anders aus. Als grundlegend aussagefähige Kennzahl und zu Vergliechszwecken ist die Umsatzrendite jedoch gut zu gebrauchen. Als Maßstab, wie Sie sagen, sollte man sie jedoch nicht machen. Viele Grüße


SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!

-- Anzeige --

NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Auto News für die Automobilbranche: AUTOHAUS ist eine unabhängige Abo-Fachzeitschrift für die Automobilbranche und ein tagesaktuelles B2B-Online-Portal. AUTOHAUS bietet Auto News, Wirtschaftsnachrichten, Kommentare, Bilder und Videos zu Automodellen, Automarken und Autoherstellern, Automobilhandel und Werkstätten sowie Branchendienstleistern für die gesamte Automobilbranche. Neben den Auto News gibt es auch Interviews, Hintergrundberichte, Marktdaten und Zulassungszahlen, Analysen, Management-Informationen sowie Beiträge aus den Themenbereichen Steuern, Finanzen und Recht. AUTOHAUS bietet Auto News für die Automobilbranche.