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Kommentar: Ein unmoralisches Angebot

AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel
© Foto: AHO

Restwert-Förderung als Weihnachtsgeschenk? Die Bescherung ging daneben, die VW- und Audi-Händler fühlen sich brüskiert. Ein Kommentar von AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel.


Datum:
04.12.2009
Autor:
<br>Von Ralph M. Meunzel
8 Kommentare

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Wenn die Fördermaßnahme von Volkswagen Financial Services für bestimmte VW- und Audi-Leasingrückläufer der Jahre 2010 und 2011 als Weihnachtsgeschenk gedacht war, so ging diese Bescherung gründlich daneben. Der Handel fühlt sich getäuscht und ist enttäuscht! Zunächst ist es ja lobenswert, dass die Werke ihre Händler freiwillig mit Geld unterstützen wollen, aufgrund der Höhe und der Formulierung des Angebots fühlen sich viele Partner allerdings an die Wand gedrängt. Für die Abwertung ist der Handel sicher nicht verantwortlich. Die drei bis sieben Prozent, die man für bestimmte Modelle spendiert, entsprechen bei weitem nicht der Höhe des Schadens, der durch den Restwertverfall angerichtet wurde und für viele inzwischen existenzbedrohend ist. Händler sprechen davon, dass bei Volkswagen ca. 40 und bei Audi zwischen 20 bis 30 Prozent der Verluste in der GW-Vermarktung gedeckt sind. Die meisten Händler bleiben damit auf einen Großteil der Kosten sitzen, die sich geschätzt auf eine Milliarde Euro belaufen dürften. Die Konsequenzen nimmt man aber anscheinend in Kauf. Um Standorte zu erhalten, werden jetzt bestimmte Händler mehr gestützt als andere. So kann man die Netze ohne Kündigung und Abfindung auch ausdünnen. Volkswagen plant eine deutliche Reduzierung und hat in sieben Regionen 280 Standorte definiert, die dann in Summe noch maximal 800 Stützpunkte bedienen dürften. Derzeit sind es 1.200. Von den 280 Standorten sind nach Insiderinformationen nur 40 Top-Performer. 100 liegen im roten Bereich und die anderen 140 müssen unterstützt werden. Neben der wirtschaftliche Komponente fühlen sich die Händler aber auch von der Forderung brüskiert, im Gegenzug auf sämtliche weitere Ansprüche bei Leasingrückläufern zu verzichten. Dass hier der eine oder anderer von "Erpressung" oder "Schweigegeld" spricht, ist nachvollziehbar. Der Händlerverband hat ein Gutachten erstellen lassen, das zu dem Schluß kommt, dass eine generelle Rücknahmeverpflichtung von verleasten Fahrzeugen für den Händler nicht besteht. Dies müsste allerdings auf dem Klageweg durchgesetzt werden. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation kommt dies für 99,9 Prozent der Händler nicht in Frage. Klar ist also, dass einem Großteil des Netzes nichts anderes übrig bleibt, als zu unterschreiben. Der Händlerverband ist machtlos. So etwas nennt man dann Schadensbegrenzung. Das Risiko bleibt beim Handel und steht nicht in den Büchern der Bank. Dies ist den Verantwortlichen natürlich bekannt.

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KOMMENTARE


Herbert Wesselmann

04.12.2009 - 16:46 Uhr

Wieder einmal eine ganz und gar durchsichtige Angelegenheit nach dem altbewährten Mot "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass"! Der Automobil-Fabrikant und damit der deutlich Kapitalstärkere, taktiert nach altbekanntem Muster der besonders günstigen Auslese von Standorten, die inzwischen durch's taktische Raster gefallen sind. Es wird so eine reine Kapitalvernichtung angerichtet und oft über alle Massen fleißige, treue und treugläubige Unternehmen und Unternehmer-familien, die ihr letztes Kapital, welches (hoffentlich) in besseren Zeiten erwirtschaftet wurde, auf dem Altar der glitzenden Auto-Markenwelt "geopfert". Ist das noch die sogenannte und zu Recht viel gepriesene f r e i e Marktwirtschaft? Die Macher in den oberen Etagen der Automobilproduzenten vernichten auf diese Art und Weise Milliarden Euro im Einzelhandel, zig Tausend Arbeitsplätze und drehen die Zentrifuge der Insolvenzen immer schneller! Herbert Wesselmann. Einer, der sich in dieser Branche seit Jahrzehnten auskennt und die Sachverhalte deutlich zur Sprache bringt!


Michael Kühn

05.12.2009 - 03:18 Uhr

Zum Kommentar von Herrn Wesselmann: da stehe ich voll dahinter !!! und frage mich, ob diese oberen Etagen nur noch von Personen geführt werden, die sich vorsätzlich auf Kosten der Schwächeren in die eigenen (bereits überlaufenden) Taschen wirtschaften...?? Es bleibt ja nicht nur bei den insolventen Handelspartnern, sondern es zieht die Kreise bis zum einfachsten Arbeitnehmer. Unter diesen Herrschaften gibt es oder besser gab es viele potenzielle Autokäufer. Und diese können ihre Finanzprobleme nicht einfach weiterverschieben. Unabhängig davon, daß die neuen Autos in den letzten Jahrzehnten eine erheblich höhere Preissteigerung aufzeigen, die nicht annähernd der Einkunftssteigerung der Arbeitnehmer entspricht, wird zeitgleich eine große Käuferschicht (auch für Leasingrückläufer)ausgebremst. !! Wenn mein Arbeitsplatz wegzubrechen droht, würde ich keinesfalls einen Leasing- oder Finanzierungsvertrag unterschreiben.!! Ergo hacken diese Supermanager die Hand ab, die langfristig Futter gibt, oder treffender formuliert: Sie reißen Ihrer milchgebenden Kuh die Euter ab und wundern sich anschließend, warum diese verblutet und stirbt, und sehen leider immer noch nicht, daß es dann auch keine Milch mehr gibt....???? Die Begriffe Verantwortung, soziale Kompetenz usw. im eigentlichen Sinn sollten endlich mal wieder bei den Herrschaften in den obersten Etagen Beachtung finden. Millionenzahlungen aus welchem Vertragsinhalt auch immer, auch für ausscheidende Manager, sehe ich bei den gegebenen Problemen und deren Abwälzungen auf die Händlerschaft, zwar auf einem höheren Level, aber vom Prinzip als Parallele zum Verhalten eines banalen Taschendiebs oder Omahandtaschenklauers, denn diese Opfer können sich auch nicht großartig wehren. Sollte ich mit meinem Geschreibsel einigen "Drahtziehern" unrecht tun, so wären das die löblichen Ausnahmen, deren Beispiele Schule machen sollte. Abschließend sei erwähnt, daß ich die "aktuelle Nummer" von Daimler, die Produktion der C-Klasse in die USA zu verlagern..., für eine Unverschämtheit halte und als Faustschlag ins Gesicht für unser Land und unsere Wirtschaft werte. Allein schon diese Thematik in den Medien zeigt, welche Loyalität und Verantwortung von den Managern gegenüber unserem Land gelebt wird. Für jeden verlorenen Arbeitsplatz sollte Daimler die Kosten der Arbeitsagentur auferlegt bekommen. Der Steuerzahler zahlt indirekt über ALG für mindestens 12 Monate den späteren Profit von Daimler...???!!! Und die "Supermanager" streichen wieder Mio´s für bereits überfüllte eigene Taschen ein...!!!??? Diese Herren sollten über ihre persönliche Imagepflege und "CI" einmal nachdenken, bevor sie wie im wilden Westen "geteert und gefedert" werden.... Der Bogen ist bereits nicht mehr gespannt, sondern überspannt - kurz vor dem Bruch !!! Über 25 Jahre Branchenkenntnis lassen grüßen


Vogel Fritz

05.12.2009 - 09:07 Uhr

Wieso gelangt man nicht an die Öffentlichkeit und an die Politik. Gut es braucht ein klares Detail-Wissen über die Brache damit man wirklich weiss um was es geht. Aber es ist gelinde gesagt eine Schweinerei, entbehrt jeglicher Ethik, ja ich gehe soweit und sage es: dieses Verhalten ist aufs gröbste Menschenverachtend. Man sollte mal auf der Schiene der Menschenrechte klagen.Es geht nicht nur um Geld. Das Geld und die Macht werden hier als Waffen eingesetzt. Leider mehr oder weniger legal. Wenn ich so legal Grundpfeiler des Staates vernichte und die KMU-Familienbetriebe gehören dazu,muss das bestaft werden können. Ich bin in der Schweiz seit 36 Jahren selbständig in der Branche tätig und weiss wovon ich spreche. Bei uns sind es einfach die grossen Importeure die die gleichen Spielchen treiben. Gerne stelle ich mich für aktive Mitarbeit zu Verfügung.


Thomas Meier

07.12.2009 - 08:51 Uhr

Die Hersteller werden aber erst etwas ändern bzw. etwas merken, wenn keiner mehr bereit ist, den Job der Vermarktung zu übernehmen. Warum gibt es denn immer noch so viele private Unternehmer, die für eine lächerliche Rendite ihr Eigenkapital in diese Unternehmen (Immobilien, geforderte Anpassungen vom Hersteller) stecken? Wer etwas Weitsicht hatte, hat sich doch schon vor Jahren aus dieser Branche verabschiedet und nicht mehr investiert. Alleine auf der Bank ohne weitere Arbeit ist die erzielbare Rendite lukrativer. Alles (freiwillig) mitmachen und sich danach beschweren kann ich nicht ganz verstehen. Auch bei den Leasingverträgen muss mir als Kaufmann mein (rechtliche) Rolle klar sein.


Karl Schuler

07.12.2009 - 10:03 Uhr

Es gab einmal eine Zeit, da wollten die Werke ihre Autos verkaufen. Sie benötigten dazu Partner vor Ort. Seit einiger Zeit aber müssen die immer grösser gewordenen Hersteller Ihre ständig grösser gewordene Überproduktion in den Markt drücken, obwohl kein zahlender Kunde für ein zuviel gebautes Auto vorhanden ist! Henry Ford sinngemäß: "...wenn das Band ausgelastet ist, wird aus Blech Gold..." Es tummeln sich bedauerlicherweise in den verantwortlichen Vorstands- und Führungsetagen angestellte Mitarbeiter, die niemals selber Produkte Ihres Herstellers an einen Endkunden verkauft haben. Sie meinen, vom "grünen Tisch" der Zentrale aus, Standorte plattmachen zu dürfen. Die verbleibenden Märkte werden unter der Händlerschaft wie im Monopoly ausgewürfelt. Ich bin seit Langem der Meinung, dass diese Entwicklung weder die Rentabilität noch die Wirtschaftlichkeit erhöht hat. Weder für Hersteller noch für Händler. Der Grad zwischen "verkaufen wollen" und "in den Markt drücken müssen" ist schmal.


Hans von Ohain

07.12.2009 - 11:58 Uhr

Rein inhaltlich ist dem Beitrag von Ralph Meunzel und den Kommentaren der Leser kaum noch etwas hinzuzufügen. Dennoch: Es ist eine riesige Sauerei, eine bodenlose Frechheit, wie unverhohlen arrogant, kaltschnäuzig und gleichgültig hier mit abhängigen Geschäftspartnern, aber auch mit deren gewählten Vertretern umgegangen wird. Nach Gesprächen mit einigen VW/Audi Händlern kann ich nur sagen, dass die Situation zum Heulen schlimm ist. Da werden gestandene Unternehmer, zu großen Teilen seit Jahrzehnten für diesen Konzern tätig und emotional stark an ihre Marken gebunden, geradezu von ihren Bezirksmanagern (...), diese Dinge zu unterschreiben. Man muss es deutlich sagen: Es wird gnadenlos (...), ohne dass die Betroffenen etwas dagegen unternehmen könnten. (...) . Die Wolsburger, Braunschweiger und Ingolstädter Geschäftssitten bewegen sich auf dem Niveau des dunkelsten Manchester-Kapitalismus. (...) Gleichzeitig werden 16 Mrd. EUR für den "Kauf" einer schwäbischen Sportwagenmarke und ihrer Anhängsel ausgegeben. Die bayrische Marke leistet sich eine Beteiligung an einem Fussballklub für sagenhafte 90 Mio. EUR. Für kaum nachvollziehbare, teils dreistellige Millionenbeträge werden automobile Luxustempel in Berlin, Leipzig und den USA gebaut, die betriebswirtschaftlich niemals rechenbar sein können. Da wird eine eigene Werkstattkette gegründet und etabliert, um Segment 2/3 Fahrzeuge vom Markt abzuziehen, die künftig dem eigenen Servicenetz fehlen werden. Und der Handel in seiner jetzigen Form hat keine Kraft, dem irgendetwas entgegenzustellen. Jeder kämpft für sich und wird von der Gegenseite kalt ausgespielt. Wenn ich dann noch sehe, was in drei Jahren von der künftigen GVO zu erwarten ist, kann es nur zwei Lösungen geben: Entweder man steigt bis dahin (wie auch immer) aus diesem Geschäft aus oder der Handel organisiert sich neu. Damit meine ich keinen neuen Verband, sondern neue, verbindliche Formen der Zusammenarbeit, die am Ende keine vielen Einzelkämpfer, sondern einen großen und mächtigen Player hervorbringen, der dem Hersteller auf Augenhöhe begegnet. Das ist keine Utopie, es muss nur jetzt angegangen werden.


Michael Kühn

07.12.2009 - 22:33 Uhr

Herr von Oheim spricht "D e u t s c h " hat er doch die zwangsläufigen Erkenntnisse auf den Punkt gebracht. Das gesammte Vertriebssystem ist keinesfalls mehr zeitgemäß und muß - s o f o r t - überdacht und entsprechend angepaßt werden. Ich kann jedem Vertragshändler, der zur Zeit keine schwarzen Zahlen schreibt und erzählt bekommt, es wird alles besser..., nur empfehlen: keine weiteren Neuverschuldungen, ob bei der Hausbank oder der Herstellerbank, in Betracht zu ziehen. Die Hersteller produzieren und wollen/müssen ihre Produkte verkaufen, und nicht zuletzt auch in unserem Land, - brauchen also ihre Vertriebspartner. Aber: Diese werden systematisch ausgehebelt ??!!... Wenn in old Germany die Produkte (made in Germany) verschmäht werden, sinkt mittelfristig bis langfristig das Image im Ausland. Das verkennen viele Manager, bzw. - im Rahmen ihrer befristeten Verträge ist es denen relativ egal, - denn ihre Verweildauer im Unternehmen ist zeitlich sehr begrenzt, !!! und sie müssen nicht die "Kastanien aus dem Feuer holen", die sie selbst absegneten oder gar hineinwarfen... ? !, (ich denke z.B. an den Chefdesigner von BMW , "B......" - 7er, Z4, ..., Autos, die schon als Neuwagen keiner mochte, wirken als Leasing - Rückläufer so richtig niederschmetternd für den Händler. (Die Alten, mit dem Unternehmen verbundenen "Lenker" sind scheinbar nur noch Geschichte...) L e i d e r ...!!! Wann kommen wieder die richtigen "Macher" an die Macht, die die Gegebenheiten an dem "Point of Sales" in der heutigen Zeit richtig einschätzen können und entsprechende Strategien vorantreiben...??? Die derzeitigen, häufig auch promovierten "Flachschippen" können uns nicht wirklich weiterhelfen... !!!


Theo Retisch

09.12.2009 - 21:27 Uhr

Solange Kunden bereit sind, VW Preise zu bezahlen, wird sich weder an der Konzernhaltung, noch an dem Gebahren einiger Händler nichts ändern. Denn der Erfolg gibt ihnen (den Managern) nicht nur Recht, sondern auch die Gewissheit, daß ihre Bonis gerechtfertigt sind.


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