-- Anzeige --

Moderne Dieselautos: Viel mehr Stickoxide als erlaubt

Nach einer aktuellen Untersuchung des ICCT stoßen moderne Dieselfahrzeuge bis zu sieben Mal mehr schädliche Stickoxide aus als erlaubt.
© Foto: Daimler

Euro-6-Diesel sollten eigentlich dank Abgasnachbehandlung besonders sauber sein. Wissenschaftler haben sie im Alltag getestet und sind zu einem gänzlich anderen Ergebnis gekommen.


Datum:
14.10.2014
2 Kommentare

-- Anzeige --

Forscher schlagen Alarm: Nach einer aktuellen Untersuchung des International Council of Clean Transportation (ICCT) stoßen moderne Dieselfahrzeuge bis zu sieben Mal mehr schädliche Stickoxide (NOx) aus als erlaubt. Statt unter Laborbedingungen testeten die Wissenschaftler der Non-Profit-Organisation die Selbstzünder im Alltagsbetrieb. Sie fordern nun, ihre Messmethode bei der Zulassungsprüfung für neue Pkw in der EU zur Pflicht zu machen.

Unter Laborbedingungen verbrauchen Fahrzeuge oftmals unrealistisch wenig Kraftstoff und stoßen damit auch weniger schädliche Abgase aus. Die Forscher werfen den Fahrzeugherstellern in ihrer Studie vor, ihre Fahrzeuge nur für einen eng abgegrenzten Betriebsbereich im Labor zu kalibrieren und nicht für reale Fahrsituation in Kundenhand.

Mit 15 modernen Diesel-Pkw legten die ICCT-Experten im Rahmen von 97 Fahrten und mehr als 140 Stunden 6.400 Testkilometer zurück. Zwölf Fahrzeuge erfüllten auf dem Papier die im September für Neufahrzeuge in Kraft getretene Euro-6-Abgasnorm, drei den entsprechenden US-Standard. Die Studie ist nach den Angaben die erste systematische Untersuchung der realen Emissionen von Euro-6-Diesel-Pkw.

Die Wissenschaftler wandten eine spezielle Messmethode (PEMS-Messung, "portable emissions measurement systems") an, die eine genaue Untersuchung (Geschwindigkeit, Beschleunigung, usw.) der Fahrsituationen erlaubt, unter welchen erhöhte NOx-Emissionen beobachtet wurden. Der überwiegende Teil der beobachteten Überschreitungen konnte weder extremen noch untypischen Fahrsituationen zugeordnet werden, schreiben die Forscher. Stattdessen wurden stark erhöhte NOx-Emissionen bei Motorlasten, wie sie auch im Alltag vorkommen, zum Beispiel bei einer leichten Steigung, oder auch bei der normalen Regeneration der Abgasnachbereinigungssysteme beobachtet. Im Schnitt lag der realen Stickoxid-Ausstoß der getesteten Fahrzeuge sieben Mal so hoch wie das gesetzliche Limit.

Systematisch über dem Limit

Mit Inkrafttreten der Euro-6-Norm wurde die zulässige Höchstgrenze für NOx von Diesel-Pkw auf 80 mg/km gesenkt. Rechnet man die Werte, die die Testflotte erzielte, auf die Neufahrzeugflotte hoch, entspricht das einem durchschnittlichen NOx-Wert von 560 mg/km. Auch die neueste Generation von Diesel-Pkw überschreite die Limits unter realen Fahrbedingungen systematisch, ist sich das ICCT sicher.

Stickoxide (NOx) werden als gesundheitsschädlich eingestuft. Insbesondere Stickstoffdioxid ist eine Vorläufersubstanz von Ozon und kann zu Atemwegserkrankungen und vorzeitigen Todesfällen führen. Laut ICCT trägt der Verkehrssektor in Europa etwa 40 Prozent zu den NOx-Konzentrationen bei und ist damit größter Verursacher. Gesetzliche Regelungen zur Minderung von Stickoxid und anderen Emissionen wurden in den letzten Jahren immer weiter verschärft. Unter Euro 3 (ab 2000) lag die Höchstgrenze noch bei 500 mg/km.

Die Zulassung neuer Pkw nach Euro-Norm erfolgt allerdings derzeit noch auf Basis der – bereits in verschiedenen Studien als unrealistisch kritisierten – Fahrzeugtests im Labor. Es sei dringend notwendig, das zu ändern, auch vor dem Hintergrund der Erkenntnisse ihrer Analyse, meinen die Wissenschaftler. Sie wollen bis Ende des Jahres den EU-Mitgliedsstaaten einen Gesetzesvorschlag zur Abstimmung vorlegen. Laut ICCT könnte die neue Regelung ab 2017 Straßentests verpflichtend einführen. (sp-x)

-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --

KOMMENTARE


Mahler Michael

14.10.2014 - 23:45 Uhr

diese Erkenntnis führt ja die sogenannten Umweltzonen mit "Zutritt" für Euro-4 Autos und höher ad absurdum - sprich Euro-3-Autos werden so mit OWI abgezockt - und keiner hat´s gemerkt - oder?


hwb

28.12.2015 - 18:33 Uhr

In Deutschland ist alles so lange ungefährlich, bis man es kennt, es messen und diskutieren kann und dann einen willkürlich kreierten Grenzwert dafür festgelegt hat. CO, CO², NOx, Flotten-Verbräuche, Geschwindigkeitslimmits, Handy am Ohr, jede Meinungsabweichung von der politischen Mitte (Franz Josef Strauß wäre heute ein Rechtsradikaler) und das alles mit akribischer Überwachung. Es wird Zeit, das ein neuer Schadstoff im Abgas gefunden, dieser messbar wird und die Diskussion weiter anheizt. In dieser "lobbyisten gesteuerten Politikwirtschaft" darf, nein muss man abwarten, wie sich das entwickelt. Leider gilt das nicht für Datenschutz, Bürgerrechte, Solidaritätszuschlag (der schon kein Zuschlag mehr ist) und Meinungsfreiheit. In dem Sinne.


SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!

-- Anzeige --

WEITERLESEN




NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Auto News für die Automobilbranche: AUTOHAUS ist eine unabhängige Abo-Fachzeitschrift für die Automobilbranche und ein tagesaktuelles B2B-Online-Portal. AUTOHAUS bietet Auto News, Wirtschaftsnachrichten, Kommentare, Bilder und Videos zu Automodellen, Automarken und Autoherstellern, Automobilhandel und Werkstätten sowie Branchendienstleistern für die gesamte Automobilbranche. Neben den Auto News gibt es auch Interviews, Hintergrundberichte, Marktdaten und Zulassungszahlen, Analysen, Management-Informationen sowie Beiträge aus den Themenbereichen Steuern, Finanzen und Recht. AUTOHAUS bietet Auto News für die Automobilbranche.