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Neuwagenportale: ZDK kritisiert "Kehrtwende von Ford"

Axel Koblitz: "Die Betrachtung ist lebensfremd und offenbar vom Wunsch diktiert, einer Auseinandersetzung mit dem Bundeskartellamt aus dem Weg zu gehen."
© Foto: ZDK

Der Branchenverband vermutet hinter den aktuellen Aussagen des Herstellers zu Internet-Neuwagenportalen den Druck kartellbehördlicher Ermittlungen.

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Mit Verwunderung reagiert das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) auf die jüngsten Aussagen von Ford zu Internet-Neuwagenportalen. Demnach ist den Händlern die Zusammenarbeit mit derartigen Portalen sowohl nach dem Händlervertrag als auch nach dem von Ford ausgelobten Internet-Präsenzhandelsbonus erlaubt, da die Portale von Endkunden als Vermittler beauftragt werden und nicht vom Händler als "ständiger Vermittler".

Der ZDK vermutet hinter der Kehrtwende den Druck kartellbehördlicher Ermittlungen. "Die Betrachtung ist lebensfremd und offenbar vom Wunsch diktiert, einer Auseinandersetzung mit dem Bundeskartellamt aus dem Weg zu gehen", sagte Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz am Dienstag in Bonn.

Der Verband legt nahe, dass ein Internetvermittler nur auf der Basis zuvor getroffener Vereinbarungen mit den Händlern öffentlich mit Rabatten für bestimmte Neuwagen werben könne. "Ohne eine solche vertragliche Absicherung läuft er ja permanent Gefahr, wegen irreführender Preiswerbung verfolgt zu werden", so Koblitz. Insofern könne man ein Portal, das "auf diese Weise verbundenen Händlern laufend Kunden zuführe", einen "ständigen Vermittler" nennen. Bezeichnend sei, dass Ford selbst von einer "Zusammenarbeit" zwischen Händlern und Neuwagenportalen spreche.

Fahrzeugbesichtigung und Probefahrt im Autohaus

Hinzu kommt laut ZDK, dass die kooperierenden Händler bis zum letzten Moment anonym bleiben und sämtliche Vertriebsaktivitäten bis hin zur Vorlage des unterschriftsreifen Vertrags vereinbarungsgemäß auf die Vermittler delegieren. Koblitz: "Nur bei Fahrzeugbesichtigung und Probefahrt funktioniert das nicht." Hierfür würden die Internetvermittler, wie Testanrufe ergeben hätten, unverblümt auf den stationären Handel verweisen. Es sei also nicht der faire Leistungswettbewerb, der hier vom Bundeskartellamt geschützt werde, sondern vielmehr werde einem "Oligopol der Intermediäre der Weg gebahnt, die sich zwischen Händler und Kunden drängen und deren Erfolg nicht zuletzt aus einer Ausbeutung der Leistungen des stationären Handels resultiert". Bei der Bewertung solcher Entwicklungen müsse ein Umdenken stattfinden.

Ford hatte unlängst in einem Rundschreiben an die Händler klargestellt, dass die Zusammenarbeit mit Neuwagenportalen nach dem Händlervertrag erlaubt ist und auch nicht gegen die Bestimmungen des Internet-Präsenzhandelsbonus (IPB) verstößt (wir berichteten). Auf Nachfrage von AUTOHAUS teilte Ford-Verkaufsdirektor Raymond Damerow mit: "Nach Rücksprache mit dem Bundeskartellamt gehen wir davon aus, dass Neuwagenportale wie Meinauto.de und Autohaus24.de von Endkunden als Vermittler beauftragt werden. Die dort zu sehenden Fahrzeuge werden nicht von den Händlern eingestellt und der Abschluss des Kaufvertrages erfolgt direkt zwischen dem Händler und dem jeweiligen Kunden. Daraufhin haben wir in einem Rundschreiben an die Händler klargestellt, dass die Zusammenarbeit von Händlern mit derartigen Neuwagenportalen nach unserem Händlervertrag und dem IPB erlaubt ist." (se)

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KOMMENTARE


PD

14.10.2015 - 07:42 Uhr

Ford war auf dem richtigen Weg, der auch von der überwiegenden Mehrheit der Händler begrüßt wurde. Schade ,dass Ford jetzt eingeknickt ist. Es muss schnellstens eine Alternativlösung her ,um den Trittbrettfahrern unter den Händlern das Geschäft zu entziehen!PD


Leonardo Geraci

14.10.2015 - 08:02 Uhr

"Die Betrachtung ist lebensfremd und offenbar vom Wunsch diktiert, einer Auseinandersetzung mit dem Bundeskartellamt aus dem Weg zu gehen".Sollte man lieber gegen Kartellgesetze verstoßen nur um es dem ZDK recht zu machen? Die Fahrzeughersteller haben mehr als genügend "Baustellen" mit den Gesetzgebern aller Länder der Erde wie Umweltauflagen und Einfuhrzölle also denke ich dass jeder Schritt der in die Richtung der Einhaltung geltenden Rechts führt ein richtiger Schritt ist.


Jürgen Ohse

14.10.2015 - 09:11 Uhr

Die Klärung dieses Sachverhaltes liegt im Interesse aller Fabrikatshändler. Daher ist es die Angelegenheit eines überfabrikatlichen Verbandes hier Klarheit zu schaffen. Ford wird erkannt haben, dass es für die Marke nicht gut ist, allein an den Pranger gestellt zu werden und etwas zum Wohl für alle Fabrikate durchzuboxen. Ganz besonders ist hier der ZDK gefragt, der letztendlich von den Beiträgen aller Mitglieder seine Existenz verdankt. Es wird höchste Zeit, dass sich der ZDK im Interesse seiner Mitglieder dieser Frage annimmt und sich mit dem Kartellamt auseinandersetzt. Eine Vertretung der Händler aller Marken projiziert darüber hinaus mehr Bedeutsamkeit als das Interesse eines einzigen Herstellers.


KS

14.10.2015 - 15:22 Uhr

Wer selbst im großem Stil Verträge zur Lieferung von Fahrzeugen, die letztendlich zum Verbraucher führen praktiziert, es seinen Händlern jedoch verbieten möchte, darf sich nicht wundern, das hier die entsprechende Kartellaufsicht neugierig wird.Das Internet als Vetriebsmedium zu akzeptieren und zu Nutzen, wird den größeren Erfolg bringen als es am liebsten verbieten zu wollen.


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