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Re-Import: So gehen Autohändler auf Nummer sicher

Rund 100 Großhändler tummeln sich auf dem lukrativen Markt mit reimportierten Neufahrzeugen.
© Foto: picture alliance / David Ebener

Der Zukauf von Neufahrzeugen aus dem EU-Ausland ist für viele Autohäuser reizvoll – vor allem finanziell. Doch bei der Auswahl des Großhändlers ist Sorgfalt geboten, weiß Vertriebsprofi Sebastian Faber.


Datum:
31.08.2015
4 Kommentare

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Rund 100 Großhändler tummeln sich auf dem lukrativen Markt mit reimportierten Neufahrzeugen. Doch wie den richtigen Geschäftspartner finden? AUTOHAUS sprach mit dem Vertriebsexperten Sebastian Faber über die Tücken beim Einkauf von Fahrzeugen aus dem Ausland. "Mir ist immer wieder aufgefallen, dass Autohändlern dabei vor allem aus Zeitmangel gravierende Fehler unterlaufen", sagt der 32-Jährige, der sich schon seit längerem mit der Materie beschäftigt. Aktuell leitet Faber die Fachabteilung Händlervertrieb bei einer Autohandelsgesellschaft mit Standorten in Hessen und Raum Stuttgart.

Ausstattung

In den Einkaufsabteilungen der EU-Großhändler kann es vorkommen, dass die Ausstattungsangaben vom ausländischen Lieferanten blind übernommen und übersetzt werden. Das ist vor allem hinsichtlich der teilweise abweichenden Auslandsspezifika der Fahrzeuge problematisch. Die Händler sollten deshalb vor dem Kauf die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) erfragen, um die genaue Detailausstattung per Systemausdruck zu überprüfen.

Garantie und Erstzulassung

Ebenfalls mit der FIN sollten die Händler den Garantiebeginn und die Erstzulassung prüfen, um nicht später beim Wiederverkauf eine Anschlussgarantie anbieten zu müssen. Eine verkürzte Garantiezeit ist für den Endkunden unattraktiv.

UPE-Abschlag

Bei Internetangeboten sollte der Abschlag von der UPE richtig kalkuliert werden. "Minderausstattung macht schnell zwei bis drei Prozentpunkte weniger aus", erklärt Faber.

Modellwechsel

Die einkaufenden Händler sollten auch Modell- und Motorenwechsel sowie Facelifts im Blick behalten. In diesen Fällen ist eine starke Preisreduzierung bei den Auslaufmodellen zu erwarten. Hier gilt es die Einkaufskonditionen abzugleichen.

Lieferzeit / Lieferverzug

Werden Fahrzeuge mit ausländischem Lagerstandort eingekauft, sind starke Verzögerungen bis hin zur Stornierung möglich. Faber: "Wenn die Transportzüge noch nicht voll beladen sind, wartet der Großhändler aus Kostengründen so lange bis weitere Fahrzeuge verkauft sind und der Zug voll ist." Noch schlimmer: Zahlt der Autohändler per Vorkasse, bedeutet das nicht zugleich, dass damit auch die Lieferantenrechnungen beglichen werden. Die Folge: Der ausländische Lieferant storniert beim EU-Großhändler den Auftrag, und der deutsche Autohändler erhält keine Ware.

Transportschäden

Autohändler sollten die Fahrzeugannahme nicht stiefmütterlich behandeln. Wird ein Schaden binnen einer gesetzlich festgesetzten Frist nicht gemeldet, lehnt der Großhändler die Schadensabwicklung ab.

Preisdumping

"Der EU-Markt ist sehr schwankend", weiß Faber. Oft werden Großhändler mit gleichförmiger Ware beliefert, die dann zu günstigen Preisen in den Markt gedrückt wird. Das erkennen Händler an der Flut von vermeintlich attraktiven E-Mail-Angeboten zu gleichen Fahrzeugen. Hier lohnt sich der Zukauf oftmals nicht.

Grundsätzlich hält Faber eine professionelle Vorabbewertung der 80 bis 100 EU-Großhändler für sinnvoll. Die Anbieter klassifiziert er in fünf Kategorien:

1. Unternehmen mit Lagerbestand im Inland
2. Unternehmen mit Lagerbestand im In- und Ausland
3. Unternehmen ohne Lagerbestand im In-, aber im Ausland
4. Unternehmen ohne Lagerbestand im In- und Ausland, aber mit eigener Kapitalkraft für den Fahrzeugzukauf
5. Reine Vermittler ohne Eigen- und Fremdkapital

Faber rät vor allem von Geschäften per Vorauszahlung/Vorkasse mit der letztgenannten Gruppe ab. So könnte der Vermittler aus Geldmangel seine Lieferanten nicht bezahlen, wodurch die Stornierungsquote steigt und die eigenen Kunden verprellt werden. Auch besteht die Gefahr der Insolvenzverschleppung.

Fazit

Auch wenn der (finanzielle) Reiz groß ist – ein Zukauf über einen Großhändler mit eigenem Lagerplatz in Deutschland bietet die sicherste und schnellste Lösung. Vorteile sind nicht nur kurze Lieferzeiten und geringere Preisschwankungen. Auch befinden sich die Fahrzeugpapiere im Unternehmen, und der Händler kann Fahrzeugzustand sowie die Ausstattung vor Ort überprüfen. Faber: "Kaufen Sie Ware, die in Deutschland steht. Diese ist vielleicht ein bisschen teurer, aber sofort vermarktbar. Während andere warten, machen Sie Geschäfte."


Zur Person

Sebastian Faber ist ausgebildeter Automobilkaufmann und Diplom-Betriebswirt (FH). Er ist seit 1999 in der Kfz-Branche tätig und blickt auf eine knapp sechsjährige Erfahrung im Vertrieb von reimportierten Fahrzeugen im Großhandel zurück. Seit 1. Dezember 2014 ist er Director Key Account Management des AHW Händlervertriebs.


AUTOHAUS-Lesern steht Sebastian Faber exklusiv für Fragen rund um den Zukauf von EU-Neuwagen zur Verfügung. Interessenten erreichen ihn unter der Rufnummer 07154 / 207 97 57 von Montag bis Samstag zwischen 09:00 und 24:00 Uhr.

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KOMMENTARE


Sebastian Faber

31.08.2015 - 12:14 Uhr

vielen Dank nochmals an Autohaus.de für das nette Interview. Freue mich besonders auf den Austausch mit den Automobileinzelhändlern zum Thema Re-Import zukauf hier im Kommentarbereich.Beste Grüsse aus Stuttgart / KornwestheimSebastian Faber


Apil

31.08.2015 - 15:08 Uhr

Sehr guter Artikel, der Herr Faber ist ein sehr kompetenter Berater, da spreche ich aus Erfahrung. Grüße aus Baden Württemberg


Ansgar Klein

31.08.2015 - 19:01 Uhr

Die Tipps von Herrn Faber sind wertvoll und richtig. Der Bundesverband freier Kfz Händler geht jedoch in seiner Risikoeinschätzung bzgl. Vorkasse oder Anzahlung noch weiter und rät vor ungesicherten Überweisungen ins Ausland generell ab. So offen die Grenzen auch sind, so unterschiedlich sind die Rechtssysteme, bzw.so gering die realistische Chance, sein Geld zurück zu bekommen, wenn die Autos nicht geliefert werden. Immer wieder inszenieren dubiose Vermittler mit großem Geschick und imposantem Auftreten betrügerische Schneeballsysteme. Doch auch ohne diesen Vorsatz entwickeln sich manchmal die Dinge in ähnlicher Richtung. Es gilt: Je günstiger der Preis und je höher die geforderte Anzahlung, umso größer das Verlustrisiko. Der BVfK beobachtet auch dieses Marktsegment seit Jahren kritisch und hält für seine Mitglieder gegebenenfalls Informationen und Tipps zur sicheren und seriösen Geschäftsabwicklung bereit. Ansgar Klein www.bvfk.de


Julius

07.03.2017 - 12:13 Uhr

Ich als Endkunde suche nach Autohändler die Mazda anbieten. Bisher war ich immer mit Mazda zufrieden, möchte mir jetzt aber ein aktuelleres Modell zulegen. Solange die Autohäuser mir das anbieten können, bin ich als Individuum und vielleicht sogar einige andere, zufrieden. Einen der wenigen die ich bisher gefunden habe wäre: http://www.mazdabecker.de/go.to/modix/now/autohaus.html


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