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Reifendruckkontrollsysteme: Abläufe geraten unter Druck

In der Erstausrüstung entscheiden sich Autobauer zu zwei Dritteln für in der Handhabung kompliziertere direkt messende Reifendruckkontrollsysteme.
© Foto: Huf

Ab 1. November gilt für alle Neuwagen die RDKS-Pflicht. Das hat unmittelbare Konsequenzen für das Werkstattgeschäft. Taktung und Preise beim Reifenservice müssen teils neu kalkuliert werden.


Datum:
31.10.2014
5 Kommentare

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Von Martin Schachtner

Reifendruckkontrollsysteme (RDKS) gelten als sicher, komfortabel und umweltfreundlich. Doch schultern Autofahrer auch die Mehrkosten? Zum 1. November 2014 gilt die RDKS-Pflicht für Neuzulassungen der Klasse M1 (Pkw, Wohnmobile). Autohäuser und Werkstätten sollten sich auf einen Mehraufwand einstellen.

Die automatische Luftdruckmessung erfolgt entweder durch Sensoren in den Reifen (direktes RDKS) oder indirekt z.B. über das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) das ESP ist übrigens ebenfalls ab 1. November in Neufahrzeugen verpflichtend. "Die Verordnung (EG) Nr. 661/2009 ist technologieneutral formuliert, so dass die technische Spezifikation von RDKS grundsätzlich den jeweiligen Herstellern überlassen ist", erläuterte Neofitos Arathymos, beim ZDK verantwortlich für Technik, Sicherheit und Umwelt.

Reifenwechsel verkompliziert sich 

Für den Aftermarket sind insbesondere die zu zwei Dritteln verbauten direkt erfassenden Systeme relevant. Dadurch ändert sich der bislang mechanisch-geprägte und weitgehend standardisierte Reifenservice mit enger Taktung. Künftig wird der saisonale Wechsel um eine elektronische Komponente ergänzt und schwieriger zu kalkulieren. Laut ZDK erwarten Servicebetriebe zusätzliche Tätigkeiten: "Vor Beginn des Reifen-/Räderservices muss zunächst im Rahmen der Auftragsannahme, anhand der Daten aus der Zulassungsbescheinigung Teil I festgestellt werden, ob das Kraftfahrzeug mit einem RDKS ausgerüstet ist und, falls ja, mit welchem", so Arathymos. Zudem müssten die Kontrollsensoren bei jedem Reifenwechsel gewartet und sämtliche Verschleißteile erneuert werden. Auch der Ladezustand von Sensorbatterien sollte ermittelt werden. Zudem sind Investitionen in Programmiergeräte nötig, um neue Detektoren anzulernen.

Vielzahl an Sensortypen

Laut Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) beläuft sich die Zahl der 2014 neu zugelassenen Fahrzeuge mit RDKS auf rund 1,7 Millionen Fahrzeuge. Hinzu kommen rund eine Millionen Autos aus dem Vorjahr. Da die Originalsensoren eine fabrikats- oder baureihenspezifische Komponente haben, gibt es zahlreiche Ersatzteile in den After-Sales-Katalogen. Um die Lagerhaltung zu entlasten, vermarkten Sensorhersteller wie Schrader, VDO oder Huf so genannte Mehrmarken- bzw. Universalsensoren, die den Angaben zufolge den Großteil des Fuhrparks abdecken.

Mehraufwand einpreisen

Erhöhter Aufwand und zusätzliche Kosten machen die Neuberechnung der Reifenservice-Tarife notwendig: Den Angaben von Schrader zufolge bewegen sich die Preise pro Reifendruck-Detektor zwischen 25 und 100 Euro. Hinzu kommen die Kosten für Service-Kits – in Abhängigkeit vom Messfühler zwischen 3,50 Euro (RDKS mit Gummiventil) und 5,50 Euro (Clamp-In- oder Metallventil). Den Mehraufwand hat der BRV analysieren lassen. Der Reifenwechsel verlängert sich bei direkt messendem RDKS um bis zu 25 Minuten pro Fahrzeug. Sind dagegen Komplettradsätze mit installiertem und funktionstüchtigem RDKS vorhanden, fallen 13 Minuten extra an.

Betriebe kommen nicht umhin Kosten weiterzugeben, was Serviceberatern Kommunikationsgeschick abverlangt. Schließlich ist vielen Autofahrern der Begriff Reifendruckkontrollsystem fremd. Sie wundern sich lediglich über die Preissteigerung. Der ADAC hat mögliche Mehrkosten für Endkunden mit bis zu 350 Euro veranschlagt. Kundenberater sollten demnach höhere Verkehrssicherheit und Reifenhaltbarkeit, geringere Emissionen sowie weniger Verbrauch thematisieren, empfiehlt Neofitos Arathymos.

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KOMMENTARE


Michael Kühn

31.10.2014 - 20:32 Uhr

Gott sei Dank habe ich nicht mehr soviel Autofahrer-Dasein vor mir; wenn ich mir nur die weitere Zukunft vorstelle: "Reifenwechsel verkompliziert sich" + "Mehraufwand einpreisen" ... das sind genau diese Gegebenheiten, die den Besitz eines eigenen Fzg. erheblich in Frage stellen. Am besten, ich lasse mich einsalzen, weil diese Welt in meinen Augen nur noch spinnt u. die Verantwortung für etwaige Unwägbarkeiten nicht mehr tragen will. - Ich bin möglicherweise von gestern, - - A B E R: "was nützt mir diese Reifenkontrolle bei einem überraschenden Reifenplatzer, welcher bei einer hohen Geschwindigkeit auf einer BAB mein unqualifiziertes Bordsteinauffahren innerhalb des Stadtverkehrs, unvermittelt quittiert ??? o d e r: "ich nicht mehr wahrnehmen kann, wenn die Karre in eine Richtung zieht, wegen Unterdruck bei einem Rad ??? " - Wenn ich dann den Sensorenhersteller wegen einem technischen Mangel zum Schadenersatz verklagen möchte, habe ich nach wie vor die Beweislast zu tragen + ohne einen Zeugen/Beifahrer ist das schlicht unmöglich ... - Hauptsache man hat eine gewisse Pseudosicherheit geschaffen, die man sich auf die "Fahne" schreiben kann. --- Mann oh Mann, wer springt denn in einen See, wenn er weiß, daß er nicht schwimmen kann ? Und so sehe ich es auch bei den Autofahrern, Fahrradfahrern, Mopedfahrern usw. , man muß sich halt mit seinem Gefährt auseinandersetzen, sonst wird man für seine Nachlässigkeit eben mit Konsequenzen rechnen müssen. Grüßle zum Wochenende, MK


fw

03.11.2014 - 10:50 Uhr

Vielen Dank an" Autohaus" für diese bahnbrechende Erkenntnis .Brauche ich dafür ein Fachmagazin? Und der Vorschlag wieder einmal alles beim Kundendienstberater abzuladen ist erst recht zielführend.


Michael Naumann

03.11.2014 - 11:05 Uhr

Dem vorherigen Kommentar ist kaum noch etwas hinzuzufügen


R.Fuchs

03.11.2014 - 16:16 Uhr

Inhaltlich kann ich mich meinen Vorrednern nur anschließen. Dem Benutzer eines Fahrzeuges wir immer weiter eine "Sicherheits-Scheinwelt" vorgegaukelt, dass er/sie sich um fast nichts mehr kümmern brauche. Wo bleibt den die notwendige Verantwortung die zum Benutzen/Führen eines Fahrzeuges notwendig ist? Diese Überbürokratisierung geht mir so langsam auf den Geist. Was soll denn das Ganze?Generierung von zusätzlichen Umsätzen die fast kaum einer einsehen bzw. verstehen kann? Die Leidtragenden sind die Autofahrer und die Mitarbeiter an der "Front" die sich Beschimpfungen etc. anhören dürfen. Mein Beileid schon vorab.


B. Baumgartner

10.11.2014 - 18:30 Uhr

Jammern nützt nichts! Es handelt sich dabei um eine gesetzliche Vorgabe, die umgesetzt werden muss und endlich mal wieder um eine zusätzliche Ertragsmöglichkeit für ein Autohaus. Wenn man sich die Fahrzeuge auf der Strasse ansieht ist es anscheinend für manch einen nötig, dass er bevormundet wird; gerade beim Reifendruck. So zeigen diverse Untersuchungen, dass viel zu viele Autos mit zu tiefem Reifenluftdruck unterwegs sind. Das gefährdet die Sicherheit und erhöht den Spritverbrauch. Die Preise kommen sowieso auf allen Ebenen immer mehr unter Druck. Bei einer Umsatzrendite von durchschnittlich 1,5% müssen wir vielleicht wieder einmal lernen die Leistung vor den Preis zu stellen. Und ja, das ist die Aufgabe eines Serviceberaters! Wer nicht hinter dem Preis seiner Dienstleistung oder seines Produktes stehen kann, sollte sich überlegen ob er am richtigen Ort ist.


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