-- Anzeige --

Seat-Handel: Gebremste Wachstumsfreude

Der Vorstand des Seat-Händlerbeirats (v.l.): Benno Schulz, Frank Hoppe, Claudia Früchtl-Ebner, Sylvia Lange und Martin Braunheim.
© Foto: AUTOHAUS

Drei Jahre kannte die Entwicklung von Seat in Deutschland nur eine Richtung: nach oben. Zuletzt gingen die Auftragseingänge jedoch zurück. Sorgen machen den Händlern noch weitere Baustellen.


Datum:
29.06.2015
2 Kommentare

-- Anzeige --

Nach jahrelanger rasanter Fahrt auf der Überholspur muss Seat in Deutschland derzeit einen Gang zurückschalten. Nach einem erfolgreichen Auftaktquartal ging das Neuwagen-Geschäft von April bis Juni spürbar zurück. "Wir bewegen uns zwar noch auf einem hohen Niveau. Der deutliche Einbruch bei den Auftragseingängen macht uns aber Sorgen", sagte Benno Schulz, Vorsitzender des Seat-Händlerbeirats, am Samstag bei der Jahreshauptversammlung in Dresden vor rund 100 Markenkollegen.

Einige Kfz-Unternehmer berichteten gegenüber AUTOHAUS von Rückgängen bei den Bestellungen von 30 Prozent. Schulz forderte deshalb ein mit dem Importeur abgestimmtes Vorgehen, um die Erosion zu stoppen. Kurzsichtigen Zulassungsaktionen erteilte er aber eine klare Absage. Bis Ende Mai kam die VW-Marke auf 37.592 Neuzulassungen (plus zwei Prozent) – bei einem unveränderten Marktanteil von 2,9 Prozent.

Seat Deutschland-Chef Bernhard Bauer sieht die Situation weniger kritisch. Im Gegenteil: "Wir sind sehr zufrieden. Wir werden das erste Halbjahr wie geplant mit einem Wachstum von vier bis fünf Prozent abschließen." Die Marke habe weiter Drehmoment. Um dieses hochzuhalten, werde viel in Werbung auf allen Kanälen investiert. "Im Marketing sind wir derzeit präsenter als die Konzernmutter", betonte der Manager.

Meilenstein im Visier

Für die nächsten Monate ruhen die Hoffnungen auf dem Volumenmodell Ibiza, dessen Facelift im Juli kommt. Im nächsten Jahr startet das vom Handel sehnlichst erwartete SUV. Dann nimmt Seat Deutschland die Marke von 100.000 Neuzulassungen (2014: 93.129 Einheiten) ins Visier. Bauer zeigte sich überzeugt: "Wir schreiben weiterhin eine Wachstumsgeschichte." Positiv äußerte sich der Geschäftsführer über die aktuelle CI-Umrüstung im Handel: "Wir eröffnen fast wöchentlich neue Betriebe." Bisher seien 110 Autohäuser entsprechend umgebaut und 44 komplett neu errichtet worden.

Schulz sagte mit Blick auf die steigenden Ausgaben in den neuen Handelsplatz: "Wir müssen die Umsatzrendite auf über zwei Prozent stabilisieren, um die Investitionen stemmen zu können." Zugleich gab der Händlersprecher zu bedenken: "Der Kunde kommt nicht wegen der schicken Fassade oder modernen LED-Beleuchtung zu uns, sondern wegen der Produkte und Beratung." In diesem Zusammenhang verwies er auf die komplexen Bonus- und Förderprogramme, die den Autohäusern das Leben schwer machen: "Wir fordern vom Importeur den Abbau von Bürokratie und Standards. Einfache Prozesse sorgen dafür, dass wir uns wieder um die Kunden kümmern können."

Dringlichstes Problem bei Seat ist – wie bei vielen anderen Fabrikaten – der rabattintensive Internethandel. Schulz plädierte für "faire Spielregeln" für die gesamte Organisation. "Alle Partner müssen gleich behandelt werden, nicht einige gleicher", schrieb er dem Importeur ins Stammbuch. Das Verramschen von Fahrzeugen auf Plattformen wie Autohaus24.de oder Meinauto.de schade nicht zuletzt dem Markenimage. Martin Braunheim, Sprecher des Arbeitskreises Sales, sprach von "unverantwortlich hohen Nachlässen", die sich eigentlich kein Händler ohne fremde Unterstützung leisten könne. "Wir fordern deshalb ein Umdenken und ein Handeln bei Seat Deutschland."

Vertriebsdirektor Hans-Jürgen Kronenberg versicherte, dass die mit 30 Prozent Online-Rabatt angebotenen Fahrzeuge nicht vom Importeur kommen würden. Grundsätzlich sei die Einflussnahme des Herstellers bei Internetstandards begrenzt. Das würden aktuell die Ermittlungen des Bundeskartellamts gegen Ford, Opel und Peugeot/Citroën zeigen. Bauer: "Wir dürfen nicht den freien Handel in der EU behindern. Wir müssen im gesetzlichen Rahmen bleiben." Er merkte auch an, dass die Internethändler das Geschäft hochprofessionell aufziehen würden. "Wir müssen uns deshalb fragen: Was können wir tun, um in den Suchmaschinen ganz vorne zu stehen?" Der Deutschland-Chef will zeitnah eine Task-Force mit Händlern verschiedener Betriebsgrößen einrichten, um tragfähige Lösungen zu erarbeiten. "Unsere Türen steht offen."

Probleme bei Modellwechsel

Gesprächsbereitschaft signalisierte der Importeur auch bei anderen Problemfeldern. So beklagten einige Händler den "schlechtesten Modelljahreswechsel" seit langem. Dies gelte vor allem für die Einführung des neuen Ibiza – ohne Förderprogramm und mit umstrittener Erstausstattung. Zudem hätten sich Kunden über mangelnde optische Unterschiede zum Vorgängermodell beschwert. Dies musste auch Bauer konzedieren: "Eine Einführung geht sicherlich besser." Weiteren Optimierungsbedarf sehen die Autohäuser bei den langen Lieferzeiten mancher Baureihen, teuren Prospekten und hohen Versandkosten.

Im Kundendienst machen den Seat-Betrieben laut Frank Hoppe, Sprecher des Arbeitskreises Aftersales, nicht nur die sinkenden Auslastungszahlen und Deckungsbeiträge zu schaffen. Es gebe auch eine stetige Verteuerung im Service. Er verwies auf steigende Kosten für Kundenzufriedenheitsstudien, Werkstatttests und Marketing. Kritik übte er auch an der Preisgestaltung bei Ersatzteilen. Einige Teile seien deutlich teurer als bei anderen Marken des VW-Konzerns. Mit Blick auf das neue SUV erklärte Hoppe: "An technischer Ausstattung rollt einiges auf uns zu." Der Händlerbeirat konnte auch einen "Riesenerfolg" vermelden: So wurde ein Mindeststundenverrechnungssatz von 75 Euro für Karosserie und Mechanik-Arbeiten gegenüber der Volkswagen Autoversicherung AG durchgesetzt.

Zum Thema Netzplanung sagte Geschäftsführer Bauer, dass die Marke am Ziel von knapp 500 Händlern in Deutschland festhalte. "Dieses Jahr werden 44 Partner neu eingesetzt, 2016 weitere 40. Die großen Areas haben wir im Griff." Generell suche Seat immer die besten Händler, ganz gleich ob es exklusive Autohäuser, VW-Konzernpartner oder Mehrmarkenbetriebe seien.

2014 hatte der Seat-Händlerbeirat seine Strukturen angepasst – mit Erfolg, wie Schulz erklärte: "Die Konzentration auf zwei Arbeitskreise hat sich bewährt." Neu sei auch der regelmäßige Austausch mit den Händlerverbänden von VW und Skoda, um die Arbeit weiter zu verbessern. Wie sehr das Engagement geschätzt wird, zeigte sich bei der Galaveranstaltung am Abend, als die Beiratsmitglieder dem Vorstand spontan ein großes Dankeschön aussprachen. (rp)

-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --

KOMMENTARE


Jannek Mulls

30.06.2015 - 10:07 Uhr

Wie gehabt, die Händlerschaft kritisiert die selben Punkte wie seit Jahren. Wenn ich mit großen Zulassungsboni laufen lerne fall ich halt auch mal hin wenn die ausbleiben. So mancher neuer Händler wird sich umgucken wenn die Aufnahmefähigkeit des Marktes für die Marke erreicht ist.


Theo

30.06.2015 - 11:33 Uhr

Ja und demnächst ist auch noch Auto Weller dabei (...). Seat lässt sich drauf ein und Weller bestimmt die Speilregeln. Dort wo Weller Seat Händler wird, sind die Verträge der langjährigen Seat Händler gekündigt worden und werden auch keinen neuen Vertrag bekommen. Ich glaube nicht das das jeder Kunde mitmacht. Schade Seat, Hausaufgaben nicht gemacht, Wachstum lässt sich nicht mit gewalt produzieren.


SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!

-- Anzeige --

NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Auto News für die Automobilbranche: AUTOHAUS ist eine unabhängige Abo-Fachzeitschrift für die Automobilbranche und ein tagesaktuelles B2B-Online-Portal. AUTOHAUS bietet Auto News, Wirtschaftsnachrichten, Kommentare, Bilder und Videos zu Automodellen, Automarken und Autoherstellern, Automobilhandel und Werkstätten sowie Branchendienstleistern für die gesamte Automobilbranche. Neben den Auto News gibt es auch Interviews, Hintergrundberichte, Marktdaten und Zulassungszahlen, Analysen, Management-Informationen sowie Beiträge aus den Themenbereichen Steuern, Finanzen und Recht. AUTOHAUS bietet Auto News für die Automobilbranche.