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Toyota: Scharfe Kritik der Händler

Der neu gewählte Vorstand des Toyota-Händlerverbands (THV) um Präsident Michael Martin (3.v.l.) und Geschäftsführerin Patrizia Niehaus.
© Foto: Doris Plate/AUTOHAUS Online

Bei der Toyota-Händlerverbandstagung warfen die Partner dem Importeur krasse Führungsfehler vor. Die Verantwortlichen zeigten sich betroffen und kündigten Maßnahmen an.


Datum:
06.05.2013
7 Kommentare

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Mehr als zwei Drittel der Toyota-Händler haben im Februar 2013 rote Zahlen geschrieben, die durchschnittliche Rendite war minus 1,2 Prozent. "Das ist ein Desaster und nicht länger akzeptabel", brachte Michael Martin die Situation auf den Punkt. Der Präsident des Toyota-Händlerverbandes (THV) forderte anlässlich der Delegiertenversammlung seiner Organisation am Montag in Berlin vom Importeur höhere Volumina oder strukturelle Unterstützung. Derzeit entstünde der Eindruck, dass sich der Hersteller aus der Verantwortung für die Investitionen der Händler stehle und den Kampf um mehr Verkäufe eingestellt habe.

Toyota hat per Ende April 23.796 Einheiten in Deutschland zugelassen. Das ist ein Minus von 14,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Schon seit 2007 befindet sich die Marke im Abwärtstrend.

Außerdem seien die Händler vom Importeur zum Beispiel bei den letzten Regionaltagungen auf unwürdige Weise "abgekanzelt" worden, hieß es. Daraus entstand der Eindruck, dass die Kölner die Händler nicht respektierten. Martin: "Umgekehrt haben die Partner das Vertrauen in die Führung von Toyota Deutschland verloren.

"Wir haben verstanden"

Toyota Deutschland-Geschäftsführer Ulrich Selzer, dem die Kritik schon aus einem Vorgespräch bekannt war, erklärte: "Was mich trifft, ist, dass Sie glauben, wir reagieren nicht." Aber: "Wir sehen die Situation genauso wie Sie", betonte er. "Wir haben verstanden." Selzer versprach, dass es beim mittelfristigen Ziel von 100.000 Zulassungen in Deutschland bleibe – "und mittelfristig heißt bis 2015".

Außerdem werde die Importeursorganisation umgebaut, um zukünftig schneller, schlanker und effizienter handeln zu können. Selzer fügte hinzu: "Wir glauben an unsere Händlerschaft." Toyota wolle gemeinsam mit den Händlern darum kämpfen, wieder in die Erfolgsspur zurück zu kommen. Konkrete Maßnahmen dafür nannte er nicht. Dafür sei es noch zu früh. Der Manager sicherte aber zu, dass es keine Tageszulassungs-Orgie geben werde. Sein Appell an die Händler: "Verzagen Sie nicht." (dp)


THV-Delegiertenversammlung 2013

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KOMMENTARE


Frank Simon

06.05.2013 - 18:31 Uhr

Solange die Toyota-Führung den Markt in Europa als Nebenkriegsschauplatz sieht, bei dem der - relativ hohe - Einsatz etwaige Gewinne nicht rechtfertigt, kann der gute Herr Selzer viel erzählen: Europäisches Design: zunehmend Fehlanzeige. Für den europäischen Markt maßgeschneiderte Motoren? Wozu? Marktgerechte Preise: völlige Fehlanzeige. Der neue RAV ist bestimmt toll. Aber kann er dann auch bei 26.000+ € starten? Wenn es den Hyundai ix35 ab 19.000 € gibt? Klar ist der Toyota hochwertiger und hat 'nen Allradantrieb und einen sparsamen Diesel bereits im Einstieg. Nur: Die letzteren Features sind zielsicher am deutschen Markt vorbeigeplant. Wieder keine vollwertige Frontantriebs-Version, wieder kein vernünftiger Einstiegsbenziner. Wozu auch, Nissan, Hyundai und Kia haben das doch schon alles... Und nicht zuletzt: Eine sinnvolle einstufige, dem deutschen Markt angepasste Händlerstruktur: nicht mit der britisch-japanisch dominierten Europazentrale zu machen. Dazu eine sich zu Tode verwaltende Zentrale in Köln...viel Spaß bei dem Versuch mit den 100.000. Die Kunden werden es trotz der nachgewiesenermaßen hochqualifizierten Toyota-Händler nicht mitmachen. Dafür geht das Angebot des Weltkonzerns zu weit an den Notwendigkeiten hier vorbei.


barni

06.05.2013 - 19:57 Uhr

Wen wundert es, endlich passiert mal etwas seitens der Händler.Die großen Investitionen der Händler in der Vergangenheit rechnen sich niemals. Viele sind ja bereits mit einem Zweitfabrikat vertreten.Jetzt rächt sich der Größenwahnsinn der Vergangenheit.Das ehemalige Versprechen den Händlern auf Augenhöhe und mit unternehmerischer Weitsicht zu begegnen ist nicht mehr vorhanden.Es gibt hier keinen Ehrenkodex mehr. "Quo vadis Toyota?"Den Unternehmern kann man nur empfehlen sich ein weiteres Fabrikat ins Haus zu holen um Ihre Häuser zu amortisieren.


Dieter Olk

06.05.2013 - 23:39 Uhr

Toyota versteht (immer) vieles. Die Organisation verwaltet sich indes wie eine typische Staatsverwaltung. Viel zu groß und das grundsätzliche festhalten an überalterten Controlling- und Abrechnungssystemen; warum? Dann macht sie noch den nicht nachvollziehbaren Fehler, Marteting & Support mit der Gießkanne bundesweit zu verteilen statt gezielt und unaufgeregt individuelle Mini-Markets zu unterstützen. Der Kardinalfehler indes: "Kein wirkliches Vertrauen in die eigene Handelsorganisation." Warum das noch so ist, kann ich nicht verstehen.


E.Kühlwetter (wallibelli)

06.05.2013 - 23:43 Uhr

Wehrter Herr Simon, Toyota hat in D von 2006 4,25% MA bis 2010 2,70% MA = 36 % seines Marktanteils verloren. Da steht man nun schon drei Jahre und kommt trotz zeitgemäßer Hybridmodelle nicht vom Fleck. Ca. 90.000 Autos in D 2013 sind für einen Konzern, der dieses Jahr weltweit die 10 Mio. Grenze Produktionseinheiten überschreitet "Penauts". TOYOTA hat es nicht nötig, den Angebots- und Preiswettbewerb im rückläufigen hiesigen Markt mitzumachen. Man verkauft aus dem verfügbaren Portfolio ein paar weniger Einheiten zu Preisen und Margen, die noch einen geringen Gewinn für den Konzern übriglassen. Mittel- und langfristig wächst der Weltmarkt außerhalb Europas. Unter diesem Aspekt ist das zentrale Agieren absolut nachvollziehbar. Der gesamte TOYOTA Europa-Absatz (2012/ 838.000 Stück) beträgt lediglich 8,5% der Weltproduktion. Zumal die Aussichten in EU auch für die kommenden 3-4 Jahre kaum besser werden.Kommt man zur Überzeugung, unbedingt dabei sein zu müssen, geht man sinnvollerweise zur Minimierung von Kosten und Risiken Kooperationen ein.Siehe ProAce mit PSA sowie Dieselmotoren und Voll-E-Antriebe mit BMW.


Franz Reichl

07.05.2013 - 08:12 Uhr

Ich muss mich meinem Vorredner ganz klar anschließen. Ein Vertriebsnetzwerk in der umkämpften Autobranche als Importeur durch durchschnittliche Fahrzeuge mit durchschnittlichem Preis bei durchschnittlichem Ruf mit unterdurchschnittlichem Marketing aufrecht erhalten zu wollen ist schlichtweg naiv. Der weltgrößte Automobilhersteller ist anscheinend nicht gewillt auf europäische Herausforderungen einzugehen? Da muss man halt ein Alleinstellungsmerkmal heraussuchen und um es den Käufern nahezubringen die Werbetrommel mit einem schlagkräftigen Budget, vor allem im TV, gewaltig rühren. Es wurde vor ziemlich genau 8 Jahren, in goldenen Zeiten des Importeurs Toyota in Deutschland/Europa, der falsche Weg eingeschlagen. Nischenmodelle wurden ersatzlos gestrichen, da sie sich angeblich nicht rentierten. Vergessen wurde dabei kurzerhand, dass der Previa/MR2/Celica/Avensis Verso/YarisVerso/-Fahrer auch eine Familie hatte, die sich natürlich auch an der Marke orientierten. Dann nicht mehr. VW hat das Vorbild Toyotas aufgegriffen und erfolgreich umgesetzt. Die sind jetzt stark in den einstigen Tugenden Toyotas: den Nischen. Und der Erfolg gibt ihnen Recht! Auch der Hybridantrieb - d a s Alleinstellungsmerkmal schlechthin - wird in Europa stiefmütterlich behandelt. Anscheinend wartet Toyota, bis VW den Hybrid in allen Nischen eingeführt hat und zaubert dann etwas aus dem Hut. Leider für die Toyota Händlerschaft und das Markenimage wie immer zu spät. Gibt es in dem riesigen Konzern denn niemanden, der Hirn, Mut und die Gewalt über ein anständiges Budget hat? Die Japaner nehmen das Genchi Genbutsu wohl etwas zu wörtlich und kommen von der Quelle nicht mehr weg. Es sollten andere japanische traditionelle Eigenschaften aktiv gelebt werden wie MUT und EHRE und TAPFERKEIT! Stattdessen hat man das Gefühl, dass sich die Toyota Händler in Deutschland/Europa eher mit dem Begriff Harakiri auseinandersetzen müssen.


MB

07.05.2013 - 14:35 Uhr

Das Management von TDG sollte die Probleme und ihre Ursachen schon Jahre kennen, denn es gab genug Stimmen intern und von Händlerseite.Aber Geschäftsleitung und Japaner verschließen die Augen, weil nicht sein kann was nicht sein darf und weil sie einfach nicht kapieren (wollen), dass der Markt Deutschland anders ist. Mich betrifft es nicht mehr, aber die Händler, mit denen ich mehr als ein Jahrzehnt zusammengearbeitet habe, tun mir aufrichtig leid.


Franz Reichl

10.05.2013 - 08:46 Uhr

Sehr geehrter Herr Kühlwetter,würde jeder Unternehmer so denken wie Sie, hätte Toyota gar keinen Markt in Deutschland, in Europa und wahrscheinlich auch nicht im Rest der Welt. Hochmut kommt vor dem Fall. Übersetzt man das "Peanuts-Denken" auf einen Handelsbetrieb, so darf kein Toyota - Händler mehr ein Großabnehmerabkommen abwickeln bei dem Toyota Deutschland dem Händler - bezogen auf die Grundmarge - sogar 1-2 Prozent Marge aus der Tasche zieht. Das ist Verlust. Weder aber darf ein Händler z.B. auch dem örtlichen Frisör, welcher pro Monat einmal mit jedem Einwohner des Ortes die Neuigkeiten des Marktes durchspricht, ein Fahrzeug verkaufen. Trotz negativer Gewinnaussichten muss man diesen Menschen bedienen, das wissen auch die (erfolgreichen!!!) Kollegen der Fremdfabrikate. Ich wiederhole: Hochmut kommt vor dem Fall! Man muss auch die vermeintlich kleinen Märkte ernst nehmen und den Multiplikatoreffekt richtig einschätzen, den so ein Markt im globalen Zusammenhang auslösen kann.Ist denn in dieser riesigen Firma wirklich niemand, der noch logisch denken kann?Ein verzweifelter Kenner der Branche


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