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TÜV Rheinland: Tachobetrug erschüttert Vertrauen in GW-Handel

Schätzungen zufolge verursachen Tachomanipulationen jährlich Milliardenschäden. Valide Zahlen gibt es aber nicht.
© Foto: DAT

Es braucht nur einen Tastendruck – und schon ist der Kilometerstand niedriger und der Gebrauchte mehr wert. Schätzungen zufolge verursacht der Tachobetrug jährlich Milliardenschäden. Über Lösungen wird weiter gestritten.


Datum:
22.10.2015
7 Kommentare

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Gebrauchtwagenkauf ist Vertrauenssache – das gilt nach einer aktuellen Studie des TÜV Rheinland besonders beim Thema Tachobetrug. Demnach halten 44 Prozent der befragten Autokäufer und -verkäufer illegale Tachomanipulation für ein Problem. Sie gehen davon aus, dass bei knapp einem Drittel aller gebrauchten Autos der Kilometerstand heimlich zurückgedreht wurde. "Diese Angaben decken sich im Wesentlichen mit den Berechnungen der Polizei", sagte Mobilitätsvorstand Jürgen Brauckmann am Donnerstag in Köln.

Sind wir tatsächlich ein Land von Tachotricksern? Die weiteren Befragungsergebnisse jedenfalls lassen tief blicken: So ist das Vertrauen in die Richtigkeit des Kilometerstands beim Autokauf von freien Händlern am geringsten. Knapp 66 Prozent misstrauen deren Angaben. Kaum besser schneiden die privaten Verkäufer ab (62 Prozent). Und rund 30 Prozent stehen laut Studie auch Markenhändlern skeptisch gegenüber.

Nach Berechnungen des ADAC verursachen Tacho-Betrüger jährlich einen Schaden von hochgerechnet sechs Milliarden Euro, jedes dritte Auto sei betroffen. Hersteller und Kfz-Verbände halten dies für zu hoch gegriffen, valide Zahlen liegen nicht vor. "Es gibt ein riesiges Dunkelfeld. Oft ist es schwierig, den Betrug nachzuweisen", erklärte Martin Lotz, Leiter der Direktion Verkehr bei der Polizei Köln.

Die böswillige Veränderung von Tachos ist eine Straftat, schon der Versuch ist kriminell. Bislang wird Tachobetrug mit höchstens einem Jahr Haft bestraft. Für ihre Trickserei nutzen die Gauner die digitale Service-Schnittstelle der Autos. Dort schließen sie Manipulationsgeräte an, meist speziell angefertigte Tablets. Innerhalb weniger Sekunden können sie so die Laufleistung drücken und den Marktwert des Fahrzeugs erhöhen. "Ein argloser Käufer zahlt dann nicht nur beim Kauf zu viel, sondern hat als Folge möglicherweise auch höhere Reparaturkosten", so Brauckmann. Hinzu komme das Sicherheitsrisiko, weil der Neubesitzer Wartungsintervalle oder den Austausch von Verschleißteilen verpassen könnte.

Chip oder Datenbank?

Der ADAC fordert technische Lösungen: Ein schon in Neuwagen eingebauter Chip kann Tachomanipulationen zumindest erheblich erschweren. Das sieht auch die Verbraucherschutzbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Mechthild Heil, so: "Die Hersteller könnten das schon seit Jahren tun, es wäre für sie im Grunde ein Klacks."

Doch die Industrie widerspricht: "Technik allein kann Manipulation nicht verhindern", betonte ein Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Die Hersteller arbeiteten kontinuierlich daran, Maßnahmen gegen Tachomanipulation zu verbessern, sähen sich aber im Wettlauf mit den Betrügern: "Bei dem ständigen technischen Fortschritt geht es immer darum, dem jeweils anderen eine Nasenlänge voraus zu sein." Um Tachobetrug zu erschweren, seien deshalb zusätzliche Datenerhebungen von Fahrzeugen sinnvoll.

Mehrere Unternehmen arbeiten bereits am Aufbau von Datenbanken, die regelmäßig die Kilometerstände von Autos erfassen sollen, etwa bei Werkstattbesuchen, Hauptuntersuchungen oder Pannen. Die Firma Arvato Financial Solutions will beispielsweise Kilometerstände über die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) checken. Laut Geschäftsführer Frank Schlein soll für jeden Wagen künftig vom Verkäufer abfragbar sein, welchen Kilometerstand er zu einem bestimmten, gespeicherten Zeitpunkt hatte. Die Daten sollen von Versicherungen, Prüfgesellschaften und weiteren Partnern kommen. Bei solchen Lösungen setzen Schlein und Unionspolitikerin Heil auf freiwillige Teilnahme – alles andere sei datenschutzrechtlich schwierig.

Nach Auffassung des ADAC dagegen suggerieren Datenbanken einen nicht vorhandenen Schutz. "Das ist Augenwischerei", erklärte ADAC-Experte Arnulf Thiemel. Denn Betrüger könnten den Kilometerstand schon vor der ersten Wartung zurückdrehen. "Im Endeffekt würden Täter nur angespornt, noch systematischer vorzugehen." (dpa/rp)

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KOMMENTARE


heinz harald frentzen

22.10.2015 - 15:37 Uhr

warum nimmt man da wieder bewusst ein Opel Cockpit ?!?!Lächerlich...


Achim Meysing MW Gebrauchtwagen

22.10.2015 - 18:16 Uhr

Hier wird Halbwissen verbreitet und viele und vor allem freie Händler schlechtgemacht. Das leider immerwieder mit den gleichen unbelegten und unsinnigen Behauptungen! Wir geben mit unserem Händlerverband BVFK auf jeden verkauften Gebrauchtwagen eine umfassende Tachogarantie und das seit jetzt 5 Jahren also für mehrere Tausend Gebrauchtwagen die wir verkauft haben. Wir hatten noch nicht einen Garantiefall !!Wenn jeder 3. manipuliert wäre hätten wir längst einen Fall haben müssen. Ich möchte gerne mal wissen wer das und auf welcher Grundlage in die Welt gesetzt hat. Den korrekten Kilometerstand kann jeder der es will bei seinem Markenhändler auslesen lassen!


Ulrich Grundmann

22.10.2015 - 19:24 Uhr

Mit diesen nicht zu beweisenden Thesen versucht der der angebliche Partner der deutschen Autohändlern in die Schlagzeilen zu kommen. Herr Brauckmann (...) wundern Sie sich nicht, wenn sich etliche bisherige Geschäftspartner abwenden. Vielleicht sollte der TÜV Rheinland mal etwas Geld in die Hand nehmen, diese Quote der Manipulation zu beweisen, eh er seinen besten Kunden das redliche Geschäft versaut.


CG

22.10.2015 - 19:50 Uhr

Hallo Herr Meysing, Ihrem letzten Absatz muss ich widersprechen. Auch der Markenhändler kann nur soweit auslesen, wie der KM-Stand korrigiert wurde. Profis gehen da mittlerweile bis in alle Steuerteile... Selbst mit Korrektur der dementsprechenden Betriebsstunden. Also, sicher und garantiert ist da gar nix. Grüße.


wolfgang

23.10.2015 - 08:49 Uhr

wenn der Kilometerstand erst mal manipuliert ist, kann auch der Markenhändler den korrekten Kilometerstand nicht mehr auslesen. Er kann maximal die plausibilität prüfen. Und das auch nur dann, wenn der Wagen in einer Markenwerkstatt zur Wartung war. Bei uns sind schon Fahrzege aufgefallen, welche bei 180.000 zum Ölwechsel waren und plötzlich mit 120.000 zur Inzahlungnahme angeboten wurden. Von daher würde eine generelle Datenbank schon für etwas mehr Sicherheit sorgen. Das ganze wird aber auch durch das Phänomen "Gier frisst Hirn" gefördert. Schnäppchen, schon 10 Jahre alt aber nur 100.000 gelaufen und das bei einem 3 Liter Diesel und sooooo preiswert, klasse, kauf ich. Ich kann nur jedem GW Kunden raten, während der Probefahrt mal bei einem Markenhändler vorbei zu fahren und die Plausibilität kurz prüfen zu lassen.Es gibt seriöse und es gibt weniger seriöse freie Händler. Fahrzeuge im Kundenauftrag sind immer mit vorsicht zu genießen, vor allem wenn der komplette Bestand im Kundenauftrag angeboten wird. Meiner Meinung nach sind Fahrzeuge welche von Privat angeboten werden häufiger von Tachomanipulationen betroffen. Nicht jeder Privatverkäufer trixt aber es wird einem schon sehr leicht gemacht den Tachostand zu optimieren. Die Strafen sind auch zu gering. Die möglichen Folgen haben eher was von einem Kavaliersdelikt. Aber hier handelt es sich um vorsätzlichen Betrug. Das Unrechtsbewusstsein ist gering, weil ich ja ansonsten so ein guter Mensch bin.


Jürgen Sangl

23.10.2015 - 09:57 Uhr

Die Berechnungen der Polizei gehen von rund 30 % manipulierten Tachos aus ??????????????Wie kommt man zu so fragwürdigen Behauptungen? Genauso gut könnte ich sagen daß nach meinen Berechnungen hier zu 95 % Blödsinn verbreitet.


Witzig..

23.10.2015 - 10:00 Uhr

"Die Hersteller arbeiteten kontinuierlich daran, Maßnahmen gegen Tachomanipulation zu verbessern, sähen sich aber im Wettlauf mit den Betrügern: "Bei dem ständigen technischen Fortschritt geht es immer darum, dem jeweils anderen eine Nasenlänge voraus zu sein." Um Tachobetrug zu erschweren, seien deshalb zusätzliche Datenerhebungen von Fahrzeugen sinnvoll"Wie kann es sein das studierte Ing. es nicht hinbekommen gg. diese Betrüger mit einer sicheren Software anzukommen. Muahahahaaaa.. Ich lach mich schlapp.1. Man möchte irgendwas einbauen um den Bürger noch mehr überwachen zu können2. Wird es Betrüger IMMER geben. So ist die Welt!! Da kannst´e fast machen was du willst..


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