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Verbände: Handwerk findet nicht genug Auszubildende

Karl-Heinz Bley: Ausbildungsreife der Jugendlichen hat sich nicht verbessert.
© Foto: ProMotor

Rund 11.000 Ausbildungsplätze blieben im Jahr 2011 im Handwerk unbesetzt, die Zahl der Ausbildungsverträge ging um 1,5 Prozent zurück. Neben Haupt- und Realschülern geht das Kfz-Gewerbe gezielt auf Abiturienten zu.


Datum:
07.05.2012
2 Kommentare

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Das Handwerk sorgt sich um fehlende Fachkräfte. "Etwa 11.000 Ausbildungsplätze blieben im Jahr 2011 im Handwerk unbesetzt, die Zahl der Ausbildungsverträge ging um 1,5 Prozent zurück", sagte Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), in Essen. "Die Betriebe wollen ausbilden, sie finden aber oft schon im zweiten oder dritten Jahr in Folge keine Auszubildenden mehr." Die Nachfrage ist groß: Die Zahl der bis zum Stichtag 30. April gemeldeten neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge liege mit 30.891 um 10,4 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum.

"Der Kfz-Mechatroniker ist die Nummer 1 unter den Ausbildungsberufen", betonte Wilhelm Hülsdonk, Bundesinnungsmeister des Kfz-Gewerbes. Rund 20.500 junge Menschen unterschrieben bis zum Stichtag 30. September 2011 einen Lehrvertrag zum Mechatroniker, darunter 1.398 Abiturienten. Das sind insgesamt knapp zehn Prozent mehr als im Jahr 2010 (18.700). Neben Haupt- und Realschülern gehe das Kfz-Gewerbe auch gezielt auf Abiturienten zu. In den technischen Berufen liege deren Quote aktuell bei fünf Prozent, in den kaufmännischen Berufen bei 27 Prozent.

Für die Betriebe im Kfz-Gewerbe ist Aus- und Weiterbildung wichtig. Die Fahrzeug-Werke Lueg AG beispielsweise beschäftigt an mehr als 30 Standorten im Ruhrgebiet und in Sachsen
1.310 Mitarbeiter und 151 Auszubildende: "Wenn es um Führungspositionen geht, setzen wir auf die bei uns ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und fördern diese durch interne Weiterbildungsprojekte und die Chance auf eine attraktive Karriere", betont Vorstandsmitglied Jörg Scharwald.

Berufsbildungstagung in Bad Fallingbostel

Mit dem Thema Nachwuchs beschäftigte sich die Branchen auch bei Berufsbildungstagung, zu der rund 100 Teilnehmer nach Bad Fallingbostel gekommen waren. Auf der Tagesordnung standen Aktualisierungen zum Kfz-Mechatroniker, zur Nachwuchs-Kampagne, aber auch zur Lernsoftware. Wer heute in einen der Auto-Berufe einsteige, starte nicht auf einer Einbahnstraße, sondern auf einer Sprosse der Karriereleiter, die "nach oben Luft lässt bis in akademische Grade", sagte Karl-Heinz Bley, Präsident des Landesverbandes Niedersachsen-Bremen.

Mit Blick auf die Situation in Niedersachsen konstatierte Bley, dass sich die Ausbildungsreife der Jugendlichen nicht verbessert habe. Obwohl das Handwerk im vergangenen Jahr zu 67 Prozent der Ausbildungsstellen nicht besetzen konnte, sei es gelungen, die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse sowohl beim Automobilkaufmann als auch beim Kfz-Mechatroniker zu steigern. (se)

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KOMMENTARE


K. Wempe

07.05.2012 - 12:55 Uhr

Solange es - wie bei uns hier im Norden - Vertagswerkstätten gibt, die weniger als 350,00 Euro Ausbildungsvergütung zahlen und obendrein auch noch Urlaubs- und Weihnachtsgeld als Fremdwort betrachten sowie 25 Tage Urlaub und min. 40 Std. Woche "anbieten" wundert mich nicht dass die Branche stöhnt. Dass der Beruf des Kfz.-Mechatronikers Nummer 1 ist liegt daran, dass die jungen Menschen - so wie ich damals - noch Benzin im Blut haben und Ihre Leidenschaft zum Beruf machen. Bei mir allerdings ist dieses Benzin schon lange verdunstet. Ich kenne genügend Kollegen, die seit 10 Jahren nicht 1 Cent Lohnerhöhung gesehen haben. Und es soll Händergruppen geben, die Ihre Kfz.-Mechaniker schon über die eigene Verleihfirma für 900 Euro netto knechten. Tolle Perspektiven für die Menschen und die Branche.


Michael Kühn

08.05.2012 - 10:45 Uhr

67 % der Ausbildungsstellen konnten nicht besetzt werden...; Darüber wundert man sich ernsthaft? Herr K. Wempe nannte bereits wichtige Gründe für diese Erscheinung. Jedoch sollte hier wieder erneut die Frage gestellt werden, warum Vertragshändler und Werkstätten so schlecht bezahlen, während bei den Herstellern die Löhne relativ angemessen sind. (Man könnte fast schon behaupten, die Arbeitsplätze/Perspektiven bei den Autohäusern sind die "3. Wahl" - ich behaupte einmal, dass die meisten Autohäuser gerne besser bezahlen würden, wenn sie es könnten.) Es wurde hier bereits öfter geschrieben, dass Hersteller von den Vertragspartnern seit vielen Jahren immer mehr fordern, ohne entsprechend mehr Gegenleistung zu bieten. (Ich selber kommentierte schon mehrmals, dass ich viele Händler kenne, welche heute niemals mehr einen Händlervertrag unterschreiben würden, respektive ihre bestehenden kündigten oder auch mit suspekten Gründen seitens der Hersteller gekündigt wurden. Bei der letzten Variante waren sogar noch Investitionen, die vom Hersteller gefordert waren, für die nächsten Jahre kapitalmäßig noch zu bedienen!) Deswegen betrachte ich meine Meinung zu den Vorstandsgehältern nicht als eine "Neidkampagne", sondern als ernsthafte Frage zur Angemessenheit gegenüber allen Beteiligten in der Autobranche! Warum sollte ein junger Mensch also einer total unterbezahlten Lebensperspektive entgegensehen, unabhängig von der Frage, der späteren Übernahame nach seiner Lehre.


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