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Crashtest: Unsichere Kleinwagen für Schwellenländer

Der Datsun Go versagte im indischen Crashtest
© Foto: GlobalNCAP

In den Schwellenländern steigt die Pkw-Dichte. Viele der Fahrzeuge sind jedoch extrem gefährlich für ihre Fahrer, wie nun eine Crashtest-Organisation warnt.


Datum:
07.11.2014
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Während bei den Crashtests hierzulande die Bestwertung von fünf Sternen eher die Regel als die Ausnahme ist, scheitern in den Schwellenländern selbst Autos der großen Hersteller reihenweise. In Indien hat der Kleinwagen Datsun Go nun null von möglichen fünf Sternen erhalten und insgesamt so schlecht abgeschnitten, dass die Sicherheitsorganisation GlobalNCAP sogar einen Verkaufsstopp fordert.

Die Karosserie des vom Nissan-Konzern gebauten Go sei so instabil, dass selbst der Einbau von Airbags in den Wagen zwecklos wäre, meldet die Organisation. Bei dem Crash mit Tempo 64 brach die Fahrzeugkonstruktion komplett zusammen. Die Kräfte, die auf die Dummys einwirkten, stellten ein besorgniserregend hohes Risiko für schwere oder tödliche Verletzungen dar. "Unter diesen Umständen möchte ich Nissan dringend dazu auffordern, den Datsun Go vom indischen Mark zurückzuziehen und eine Neukonstruktion der Fahrzeugkarosserie vorzunehmen", erklärte GlobalNCAP-Chef Max Mosley.

Dass die für den indischen Markt produzierten Kleinwagen der großen westlichen und asiatischen Hersteller im Crashtest versagen, ist nichts Neues. Anfang 2014 scheiterten etwa der vom Fiesta abgeleitete Ford Figo, der Hyundai i10, der Suzuki Alto und der VW Polo daran, auch nur einen Stern für den Insassenschutz einzufahren. Allerdings bliebt anders als beim Datsun zumindest die Fahrgastzelle einigermaßen stabil. Die westlichen Verwandten der Indien-Modelle hingegen überzeugen im europäischen EuroNCAP-Crashtest in der Regel. Beim Nissan Micra, der mit dem Datsun Go weitläufig verwandt ist, reichte es 2010 für vier von fünf Sternen.

Zukunftsmärkte mit Sicherheitsrisiken

Indien ist nicht der einzige Markt mit Sicherheitsproblemen bei Kleinwagen. Auch in Brasilien zeigte sich im vergangenen Jahr bei Test der LatinNCAP ähnliche Probleme. Und wieder waren es lokalisierte Varianten von bekannten europäischen, amerikanischen und asiatischen Modellen, die negativ auffielen.

Sowohl Indien als auch Brasilien gelten als wichtige Zukunftsmärkte für die Automobilindustrie. Entsprechen hart wird dort um Marktanteile gekämpft, meist über den Preis. Gespart wird dabei auch an der Sicherheit. Airbags, ABS oder selbst Gurtstraffer beispielsweise sind bei Einsteigermodellen fast nie an Bord. Wie viel allein zwei Airbags ausmachen können, zeigt der VW Polo. Nach dem verheerenden Null-Sterne-Crash in Indien hat VW nachgerüstet und bietet den Kleinwagen nun mit zwei serienmäßigen Luftsäcken an – im Nachtest wurde das mit zwei Sternen belohnt.

Offenbar wird teilweise aber auch an der grundlegenden Karosseriestruktur gespart. Die Konstruktion der Original-Modellen wird dann für den Einsatz in Schwellenländern leicht heruntergetunt. Verstärkende Elemente können weggelassen, günstigere Materialien verwendet werden. Und das Ganze wird dann in den lokalen Werken auch noch vergleichsweise lax zusammengeschraubt – unter dem Schirm der insgesamt niedrigen Sicherheitsstandards in vielen Schwellenländern.

Geringes Bewusstsein für Fahrzeugsicherheit

Auch ein Großteil der Verbraucher hat in Staaten wie Indien und Brasilien nach Einschätzung von GlobalNCAP nur ein geringes Bewusstsein für Fahrzeugsicherheit. Ihr erstes Interesse ist es, überhaupt erst mal einen fahrbaren Untersatz zu haben. Und zwar zu einem möglichst günstigen Preis. Die einheimischen Hersteller sind in dieser Beziehung übrigens nicht besser, wie zuletzt der indische Tata Nano zeigte. Er erhielt ebenfalls null Sterne für den Insassenschutz und scheiterte auch bei der Kindersicherheit komplett. Dort hatten Datsun, Hyundai, Ford und Co. zumindest ein bis drei Sterne eingefahren.

Die Organisation möchte die Crash-Sicherheit nun deutlich verbessern, vor allem vor dem Hintergrund der wachsenden Fahrzeugdichte und der dadurch steigenden Unfallgefahr. Nicht zuletzt so dürfte sich der aktuell strenge Umgang mit Nissan erklären. (sp-x)

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