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General Motors: US-Banker empfehlen Opel-Verkauf

Für Banker gibt es nur eine Lösung: General Motors muss sich von Opel trennen.
© Foto: Mark Keppler/dapd

Das Wall-Street-Haus Morgan Stanley legt dem Mutterkonzern General Motors die Trennung von der verlustreichen Tochter nahe. Die Radikallösung sei das Beste – für beide Seiten.


Datum:
07.09.2012
Autor:
<br>Von Daniel Schnettler, dpa
10 Kommentare

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Was soll General Motors (GM) mit seiner verlustreichen Tochter Opel machen? Das Wall-Street-Haus Morgan Stanley rät den Verantwortlichen des Mutterkonzerns General Motors zur Radikallösung: Trennt Euch von Opel, fordern drei Analysten der Bank in einer 37 Seiten langen Studie mit dem Titel "Leben ohne Opel". Das sei auch für die Rüsselsheimer das Beste. "Wir glauben, dass es für GM an der Zeit ist, ein neues Zuhause für Opel zu finden."

Opel habe in den vergangenen zwölf Jahren 16 Milliarden Dollar (12,6 Milliarden Euro) verbrannt, rechnete das Trio Adam Jonas, Ravi Shanker und Yejay Ying vor. "Die Verluste in den kommenden zwölf Jahren könnten sogar noch höher ausfallen", warnten sie in der am Donnerstag erschienen Studie. Opel sei die größte einzelne Gefahr für die langfristiges finanzielle Gesundheit und Zukunftsfähigkeit von GM. Das belaste auch den Aktienkurs.

"Aus unserer Sicht ist eine Trennung – wenngleich teuer – die beste Möglichkeit sowohl für die Beteiligten bei General Motors als auch bei Opel." Die Analysten sind der Überzeugung, dass es Opel unter einem neuen Besitzer besser ergehen würde, wenn dieser auf Augenhöhe mit Opel agieren und das Talent der Opelaner voll nutzen würde. Die Experten sehen dann sogar eine "glänzende Zukunft" für die Rüsselsheimer.

Positivbeispiel Chrysler

Als positives Beispiele führten die Banker den US-Hersteller Chrysler an, der nach der Loslösung von Daimler zwar zunächst in ein Loch gestürzt war, doch unter dem neuen Besitzer Fiat seine Verkäufe deutlich steigern konnte und satte Gewinne schreibt. Für eine Loslösung von Opel müsste GM nach den Berechnungen der Analysten allerdings sieben bis 13 Milliarden Dollar berappen, etwa für Pensionsverpflichtungen. "Scheidungen in der Autoindustrie sind teuer, aber sie lohnen sich."

Ein GM-Sprecher wies die Forderung zurück: "Wir stehen zu Opel und sind überzeugt, dass wir das Geschäft erfolgreich sanieren können, um langfristig profitabel zu sein." Opel-Interimschef Thomas Sedran hatte jüngst im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa erläutert, wie er die Wende schaffen will: mit neuen Modellen, einer günstigeren Herstellung sowie höheren Verkäufen im Ausland, vor allem in Russland.

Keine Sanierungserfolge in Europa

Die Morgan-Stanley-Analysten sind nicht überzeugt, dass das klappt. "Trotz GMs Bemühungen, das Europageschäft zu sanieren, wird es kein Stück besser." Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall leiden momentan unter der Schuldenkrise in ihrem Kernmarkt Europa. Hinzu kommt die Konkurrenz aus dem eigenen Haus. GM verkauft auch Autos seiner Hauptmarke Chevrolet im Opel-Stammgebiet.

Schon einmal wollte GM die Tochter loswerden – im Jahr 2009, als der US-Autokonzern mit seiner eigenen Insolvenz beschäftigt war. Die Amerikaner machten aber im letzten Moment einen Rückzieher. Die Analysten sind der Überzeugung, dass GM die Entscheidung heute bereut und stellen die Frage, ob es angesichts der Geschichte überhaupt noch eine gemeinsame Zukunft geben könne. 

"Opel schadet der Firmenkultur"

"Es gibt in der Autoindustrie nichts Schlimmeres als einen Geld verbrennenden, Ressourcen fressenden Geschäftszweig", stellten die Banker fest. Opel sauge Energie aus dem ganzen Konzern ab und schade der Firmenkultur. Auch dem deutschen Premiumhersteller Daimler sei es nach der Trennung von Chrysler besser gegangen oder BMW nach der Loslösung von Rover, führen die Analysten ins Feld. Während Chrysler im Aufwind ist, blieb von Rover allerdings nicht viel übrig.

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KOMMENTARE


Thomas

07.09.2012 - 16:17 Uhr

Das Beste für alle GM verkauft die ungeliebte Tochter an BMW ab. Die Produkte würden sich perfekt ergänzen. BMW hätte auf einmal Nutzfahrzeuge im Portfolio und die Opel Großkundenabteilung endlich die starke BMW Bank mit den GK Leasinggesellschaften wie Alphabet dabei. Der Marktanteil und das Image würde spürbar verbessert. Opel könnte endlich weltweit verkaufen und wäre die Amis los. Aber das können die ja schlecht machen. Wer soll denn den Gewinn von GM sonst fördern, wenn GM nicht zu Opel hohe IT Transaktionskosten buchen kann oder die Entwicklungskosten die Opel schultert, für Modelle wie den Insignia und Astra die auch von anderen Marken im GM Konzern vermarktet werden.


magicair

07.09.2012 - 16:35 Uhr

Mich erinnert die ganze Sache an die selbsternannten Propheten. Generell tragen Analysten nicht zur Lösung eines Problems bei, sie verstärken es nur noch und sind auf dem eigenen Augen blind (siehe Banken Chrash, EURO Krise, Immo Krise etc.) Gebt diesen Experten weiterhin eine Plattform, damit sie Analysen in die Welt setzen, deren Nutzwert gleich Null ist.


Michael Kühn

07.09.2012 - 17:46 Uhr

gem. o.g. Angaben direkt in 12 Jahren = 16 Mia. $ verbrannt...? - oha Meines Erachten gibt es nur zwei Erklärungen: 1. die Manager von GM sind total "bescheuert", kann ich mir aber nicht wirklich vorstellen, - 12 Jahre lang nur Geld verbrennen ohne einen Nutzen? - oder aber; 2. es wurde in der GM-Zentrale über viele Jahre eine "sehr spezielle Zahlenakrobatik" betrieben. Buchungen vor und zurück, über weitere GM-eigene Firmen mal im Kreis diverse Gelder herum geschickt, - je nachdem, wo gerade ein Gewinn ausgewiesen werden mußte, um z. B. die finanzierenden Banken zu beeindrucken (ruhig zu stellen)...(Nicht zuletzt werden die Manager-Bonis auch entsprechend der Ertragslage beziffert) - Diese Spielchen sind mir von einer deutschen Firma, inkl. Tochter u. Schwesterfirmen (40 Jahre Jubiläum noch gefeiert + platt) sehr gut bekannt. - Das klappt auch alles eine lange Zeit, solange noch genügend frisches Geld von aussen in die Kasse fließt. - Wenn aber, wie z. B. bei Opel in Europa, der Markt nicht mehr genügend frisches Geld bei gleicher und "echter" Kostenstruktur einbringt, sogar bereits "Tafelsilber angekratzt" wird, läßt sich nichts mehr schön reden. - Man führe sich einmal z. B. die Aussagen von Herrn Stracke vor Augen, im Aug. 2011 (2011 = schwarze Null, 2012 = Gewinnerwartung) und ca. 6 Wochen später Sept./Okt. 2011 wurde die vorherige Aussage komplett revidiert (Verlust in 2011, sowie in 2012 in beträchtlichem Umfang zu erwarten...usw.). - Herr Stracke hat sich bestimmt nicht geirrt bei seinen jeweiligen Aussagen (m. E. war er sicher auch nicht unfähig, Zahlen zu interpretieren), deswegen "duftet" für mich diese Kehrtwende im Hinblick auf die Gewinnerwartung, eindeutig nach echter zwischenzeitlicher "Zahlenkosmetik" in Reinkultur!! - Und jetzt hat man seitens GM einen Sündenbock (Opel)serviert, der für alle Managementfehler von GM herhalten muß... (Ein Chevi usw. war doch für uns Europäer sogar noch im Jahr 2000 nichts weiter, als eine "Hämorrhoidenschaukel" u. keiner ernsthaften Überlegung wert, - Ausnahmen waren einige Enthusiasten für Mustang, Covette, Camaro, Jeep usw. so wie unsereins...)


PeEmWe

07.09.2012 - 21:46 Uhr

Morgan Stanley hat in den letzten fünf Jahren fast 75% seines Börsenwerts vernichtet. Das liegt sicher auch an Spezialisten wie Jonas, Shanker und Ying. Es wäre interessant zu sehen was passiert, wenn alle Opel-Besitzer und Opel-Händler Morgan Stanley (WKN 885 836) short verkaufen würden.


Johannes

08.09.2012 - 10:42 Uhr

Wenn GM Opel verkaufen würde, dann nur so, dass man einen Käufer findet, der entweder finanziell so schwach auf der Brust ist, dass er die erste Durststrecke nicht überstehen wird und Opel dann dicht gemacht wird oder man dem Käufer solche Konditionen in den Vertrag schreibt, dass er keine Chance haben wird das Geschäft erfolgreich zu führen. Alles nur böse Parole? Nein, siehe Saab. Wenn GM eine Marke loswerden will, dann muss sie auch gleich dem Erdboden gleichgemacht werden. In irgendeiner Weise könnte sie ja Konkurrenz bedeuten. Bei Opel ist dies Chevrolet. Also: Es gibt leider nur eine Überlebenschance für Opel: Leider an der Seite von GM oder das ganze Unternehmen wird abgewickelt (gerne von anderen, die vorher dafür auch noch bezahlt haben, siehe Saab).


K. Wempe

10.09.2012 - 09:15 Uhr

Wie "magicair" schon sagte: Wer hat denn in den diversen Krisen am meiste Geld vernichtet? Die Banken! Und die sagen jetzt, was zu tun ist? Lächerlich. Hätte OPEL die ganzen Technologietransfers ordentlich bezahlt bekommen, dann würde ich mich jetzt gar nicht aufregen hier. Wo waren denn die Stimmen der Banker, als die "Big Three" vor dem Abgrund standen und mit viel Staatsknete und Taschenspielertricks à la "Old GM" gerettet wurden? Die Antwort damals hätte lauten müssen: "Stampft alles ein und überlasst denen das Autobauen, die es auch verstehen!" Hätte GM die Fa. Magna nicht als Platzhalter missbraucht und OPEL wäre evtl. seinerzeit an einen seriösen Interessenten verkauft worden wäre OPEL schon weiter. Wie Vorredner "Thomas" beispielsweise mutmasst hätte es unter BMW wahrscheinlich einen "Rover-Effekt" gegeben. Die Marke hatte seinerzeit 200% Zuwachs in Deutschland. Und BMW hätte für seine MINI Familie passende Plattformen bekommen. Aber GM braucht OPEL. Würde man die ganze OPEL Technologie aus den diversen GM Brands herausdenken, es bliebe nur eine Hülle übrig - und eben die nutzlosen Pick Ups und SUVs.


egon sunsamu

10.09.2012 - 11:34 Uhr

"Opel sauge Energie aus dem ganzen Konzern ab und schade der Firmenkultur." GM und Firmenkultur? Habe ich etwas verpasst? GM wildert mit Chevrolet-Daewoo im Opel Stammgebiet. Dafür ist es Opel verboten, in anderen GM-Märkten anzubieten. Wenn das die zitierte GM-Kultur ist, wird jeder Kommentar überflüssig. Da ist fast die EU-Diktatur besser...


Michael Tropschug

10.09.2012 - 12:56 Uhr

und wieder stelle ich die Frage der Fragen? Wer braucht Opel wirklich im heutigen Automobilmarkt? Wer? Die Händler, die am meisten an persönlichen Investitionen in die Marke gesteckt haben, wären die ersten die der Hersteller und die armen armen Mitarbeiter vom Fliessband sterben lassen würden. Alle die, die es nur persönlich sehen. Die Manager kommen und gehen, sie entscheiden so oft zum "Wohle" der marke und "Unwohle" des Handels. Wenn sie weg sind vergessen sie aber nicht ihre Prämien und Abfindungen mitzunehmen, um Morgen ihren selben Stuss bei einer anderen Marke zu wiederholen. Der, der von Erfolg der Marke bis in seinen letzten Euro abhängig ist, weil er mehr als jeder andere in die Marke investiert hat, weil der Mißerfolg der Marke seinen persönlichen Ruin bedeuten kann, der sollte gefragt werden! Und wenn er sagt, dass diese Marke Zukunft hat und vielleicht auch sagen kann, wie er ihn sich vorstellt, dann haben wir mehr Wissen als das irgend welcher Weissen!


D. Ahlers

10.09.2012 - 17:07 Uhr

@ Michael Tropschug: Auch wenn man sich wiederholt, muss es nicht unbedingt richtig sein oder bleiben. Was sollte es uns interessieren wenn US Banker laut nachdenken. Haben die soch seinerzeit die größte aller Blasen platzen lassen. Nach Ihrem Meinungsgebilde müsste man also auch sofort Seat, Smart, Ford oder PSA zumachen. Smart z. B. hat Zeit seines Lebens noch nicht einen Cent Gewinn gemacht, taugt eigentlich nur dazu um bei Daimler die CO² Werte flach zu halten. Seat ist auch seit Jahren das Sorgenkind im VW Konzern. F. Piech sieht das gelassen ("1 Sorgenkind kann man sich leisten"). GM hat doch mittlerweise zugegeben, dass OPEL gebraucht wird. Diese Pressemeldung hat es leider nicht bis hierher geschafft.


Dieter M. Hölzel

10.09.2012 - 23:03 Uhr

Was da von H. Tropschug zu lesen ist, hat mit Kenntnissen n i c h t s zu tun. Gelaber und (nach)geplappere ohne jeglichen Inhaltlichen Wert. Offenbar bei Dudendingens in die ( Schule ) gegangen.


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