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Jaguar XE: Angriff in der Mittelklasse

Das neue Modell XE soll Jaguar aus der Luxus-Nische führen.
© Foto: Jaguar

Das neue Modell XE soll Jaguar aus der Luxus-Nische führen: Der Mittelklasse-Wagen greift etablierte Konkurrenten wie C-Klasse, Dreier oder A4 in einem absatzstarken Kernsegment an.


Datum:
09.09.2014
1 Kommentare

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Von Peter Weißenberg/SP-X

Wohl in keiner anderen Autofabrik sind so viele Nieten im Einsatz wie bei Jaguar in Solihull. Und darauf ist Alan Volkaerts gewaltig stolz. Denn der Leiter der brandneuen Produktion für den Jaguar XE in diesem Werk hat den "größten Aluminium-Karrosseriebau in Europa aufgebaut". 1.700 Kollegen und 613 Roboter nehmen gerade die Fertigung des Mittelklasse-Wagens XE in Angriff. Sie brauchen pro Auto eben jene 2.700 Nieten und eine Masse Superkleber aus der Luftfahrt, um die Leichtbauteile zu verbinden.

Und aus dem Metall ist die gesamte Karosse. Eine Premiere in dieser Klasse – und mit dem Marktstart im kommenden Sommer (ab 36.500 Euro) eine Kampfansage an BMW, Audi und Mercedes. Die haben bisher das Mittelklasse-Segment bei den Premium-Fahrzeugen fest im Griff. "Wir wollen jetzt ein starkes Wort mitreden", sagt Volkaerts selbstbewusst. Mehr als zwei Milliarden Euro haben seine Arbeitgeber dafür spendiert.

Nick Miller, Chefingenieur des XE, schwärmt von der "Alu-Schalenbauweise", die sonst niemand so wie Jaguar beherrsche. An einen Kern aus extrem festem Alu wird dabei ähnlich wie bei einem Rennwagen die Außenhaut praktisch wie eine Schale aufgenietet und geklebt. Vorteil für den Fahrer, so Miller: "Mit 70 Prozent hochfestem Alu ist die XE-Karosse fast ein Fünftel steifer als der größere XF." Mehr Sicherheit bei weniger Gewicht; 1,47 Tonnen wiegt das Modell. Ergibt mehr Fahrdynamik, verspricht Miller.

Brandneuer "Ingenium"-Vierzylinder

Neues Werk, neue Karosse – und nicht zuletzt neue Motoren: Der 4,67 Meter lange XE bekommt erstmals die brandneuen "Ingenium"-Vierzylinder eingepflanzt. Auch die hat Jaguar nach Jahrzehnten des Zukaufs jetzt selber entwickelt.17 Prozent weniger Reibung als die bisherigen Vierzylinder haben die eigenen Motoren. Der Zweiliter-Basis-Diesel (120 kW / 163 PS, 380 Nm Drehmoment) soll darum nur 99 g/km CO2 ausatmen und im Drittelmix 3,8 Liter Diesel nippen. Erstmals in diesem Jahrzehnt bauen die Briten sogar wieder einen Sechsgang-Handschalter in die Diesel ein, um Sparkünstlern das Handwerk zu erleichtern.

Aber der XE wäre wohl kein echter Jaguar, wenn Verzicht sein Credo wäre. Darum kommt neben stärkeren Dieseln und Benzinern aus der Ingenium-Reihe auch der per Kompressor aufgeladene 3,0-Liter-V6 aus dem F-TYPE zum Einsatz. Mit dieser Top-Motorisierung (250 kW / 340 PS, 450 Nm) erreicht der XE seine elektronisch abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometer und sprintet in in 5,1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Wichtig im Wettbewerb mit den M- AMG- oder RS-Modellen der Konkurrenz. Als Verbrauch gibt der Hersteller 8,3 Liter an.

Eine erstmals elektromechanische Servolenkung ermöglicht mehr Abstimmungs-Modi, eine Aluminium-Integral-Hinterachse besonders viel Abrollkomfort, so Jaguar.  Standard-Getriebe werden übrigens Achtstufen-Automaten von ZF sein, bedient über den aus dem XF bekannten Drehschalter in Chromoptik. Der fährt auch im XE beim Druck auf den Starterknopf aus der Mittelkonsole – ein bisschen Show muss sein.

Reichlich Platz auf allen Plätzen

Mit Show-Effekten allein wird der XE in dieser Klasse aber keine Geschäftsreisenden in Masse gewinnen können. Der Innenraum überrascht in dieser Hinsicht durch reichlich Platz für die Passagiere auf allen Plätzen; auch wenn der Einstieg nach hinten wegen der coupéhaften Form des Viertürers etwas gebückt vonstattengeht. Die Sitze sind nicht zu sportlich ausgelegt und bieten etwa auch im Fond ausreichend Beinauflage, für die Füße ist ausreichend Platz. Dazu tragen sicher auch die üppigen 2,84 Radstand bei.

Die Instrumente im Stil des F-Type mit ihren beim Anlassen des Motors kurz ausschlagenden Zeiger zeigen aber die sportlichen Ambitionen des Briten. Neues findet sich auch bei Infotainment und Assistenzsystemen. So gibt es neben mittlerweile in dieser Klasse unverzichtbaren Posten wie Totwinkel-Assistent, Einparkhelfer und Spurwechselwarner auch ein City-Notbremssystem und ein als besonders scharf angekündigtes Head-up-Display mit Laser-Projektionstechnik. Für ablenkungsfreies Fahren soll zudem ein neues Bediensystem sorgen, das die umständliche Vorgängertechnik ablöst. Von der Schwestermarke Land Rover hat sich Jaguar zudem eine besonders leistungsfähige elektronische Traktionshilfe für Fahrten auf verschiedenen Untergründen ausgeborgt.

Sportlichkeit vermittelt der neue Jaguar schon, wenn er sich an den Beobachter nur mit sanftem Grummeln heranschleicht. Der XE wirkt dank einer etwas verlängerten Motorhaube und dem kurzen Heck deutlich sportlicher als etwa eine C-Klasse – und das, obwohl die 1,42 Meter Höhe sich nicht wesentlich von den deutschen Hauptkonkurrenten unterscheiden. Chefdesigner Ian McCallum bekommt da glänzende Augen: "Sportlichkeit ist nun mal ein Jaguar-Gen. Darum zitiere ich etwa beim Heck den F-Type, von vorn den XF." Keine Angst vor zu viel Ähnlichkeit zwischen den Modellen, Mr. McCallum? "Nein. Wir bauen unsere Linie ja erst auf. In den USA etwa wissen viele potenzielle Kunden noch gar nicht, wie ein Jaguar aussieht." Das soll sich mit dem XE ändern.


Jaguar XE S (2016)

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KOMMENTARE


Michael Kühn

09.09.2014 - 14:25 Uhr

Jaguar sei willkommen im Design-Einheitbrei, jetzat braucht es nur noch die Zuverlässigkeit, wie es die Mitberwerber bieten... - Wirklich schöne Autos gab es einmal bei jedem Hersteller quer Beet... (Emotions seitens der äußeren Karosse, sind m.E. nur noch eine schöne Erinnerung an vergangene Zeiten...) Heute sind halt alles nur noch Designkrüppel ..., welche uns als "modern" serviert werden ! - haben/hat die "Jungdesigner/Nachhut" kein Gefühl mehr, für eine ausgewogene Linienführung bei einer Karosserie ??? T r a u r ig !!! (Modegeschäfte lassen grüßen) Grüßle MK


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