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Markenausblick DS: Die "Göttin" bekommt Nachwuchs

Citroens Edelmarke "DS Automobiles" soll den Avantgardismus längst vergangener Epochen wiederbeleben.
© Foto: Citroen

Citroens Edelmarke "DS Automobiles" soll den Avantgardismus längst vergangener Epochen wiederbeleben. Geplant sind sechs Baureihen bis 2019 – vom Premium-Kompaktwagen über ein SUV bis hin zur Oberklasse-Limousine.


Datum:
09.10.2015
5 Kommentare

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Von Michael Specht/SP-X

Zwei Buchstaben reichen, um die Augen frankophiler Auto-Enthusiasten zum Leuchten zu bringen: DS. So taufte Citroen 1955 seine als "Göttin" bezeichnete stromlinienförmige Limousine, die in Design und Technik damals für gehöriges Aufsehen sorgte, glich sie doch einer automobilen Revolution. DS Modelle zählen heute zu den begehrten Oldtimern.
Von dem Anspruch, andersartige Autos zu bauen, hat sich Citroen nach Produktionseinstellung der DS und Übernahme durch Peugeot im Jahre 1975 allerdings nach und nach verabschiedet. Nutzwert und Funktionalität standen fortan im Vordergrund. Der einst avantgardistische französische Automobilhersteller wandelte sich zur blassen Volumenmarke. Erst vor etwa zehn Jahren fing man mit dem Oberklassemodell C6 an, wieder auf Extravaganz zu setzen.

2010 reifte dann die Idee, das Kürzel DS zu reanimieren. Zunächst in Form der aufgepeppten Version DS3. Mit beachtlichem Erfolg. Der Kleinwagen fand bis heute über 400.000 Käufer. Derzeit besteht das DS-Portfolio aus DS3, DS3 Cabrio, DS4 und dem Crossover DS5. Letzterer gilt als Inbegriff der Marke.

Auf der IAA in Frankfurt stellte DS jüngst das Facelift des DS4 und die Variante DS 4 Crossback vor. In China, dem wichtigsten Markt von DS, laufen DS5, die Limousine DS5 LS sowie das 4,55 Meter lange SUV DS6 WR vom Band. Als Joint Venture Partner holte man dazu Chang'an ins Boot und betreibt zusammen ein Werk in Shenzhen mit einer jährlichen Kapazität von rund 270.000 Einheiten in der Spitze. DS konnte voriges Jahr im Reich der Mitte über 50.000 Fahrzeuge verkaufen. Man unterhält dort mehr als 100 Händlervertretungen. Tendenz: steigend.

Dreistufiges Modell im Vertrieb

So weit ist man in Europa längst nicht. Seit dem 1. Juni vorigen Jahres gibt es die Marke DS Automobiles offiziell. Deren Ziel: Die von der alten DS geerbten Werte Innovation und Individualität fortzuschreiben. Dafür hat DS sich vor drei Jahren sogar beim Design von Citroen abgespalten. Der Designdirektor der "DS-Linie" heißt Thierry Metroz. Bei Citroen verantwortet Alexandre Malval das Design.

Im März präsentierte DS sich erstmals eigenständig auf einer Messe. Für Deutschland sieht der Vertrieb ein dreistufiges Modell vor. Ganz oben positioniert sind die sogenannten Flagship-Stores in besten City-Lagen, wie sie derzeit in Kopenhagen und Rom anzutreffen sind. "Der Auftritt ist edel, das Ambiente premium", sagt Holger Böhme, Geschäftsführer Citroen Deutschland. Eine Stufe tiefer folgt der "DS-Salon". Diese sind dem Citroen-Händler oder der Citroen-Niederlassung angedockt, haben aber einen eigenen Eingang zum edleren Showroom. Zehn Salons gibt es derzeit in Deutschland. Stufe drei nennt sich "DS Corner". Hier stehen zwei bis drei DS-Modelle auf einer separaten Fläche innerhalb des Citroen-Verkaufsraumes.

Limousine und SUV

2017 wird DS mit einer Limousine auf den Markt kommen. "Wir wollen wieder an die französische Oberklasse anknüpfen", sagt Yves Bonnefront, Generaldirektor der Marke DS. Hierbei soll es sich jedoch nicht um die Serienversion der 2012 in Peking gezeigten Studie "Numéro 9" handeln. Thierry Metroz: "Sie gibt lediglich die Design-Richtung vor." Nutzen wird DS die Konzern-Plattform EMP2, auf der auch das für 2018 geplante Mittelklasse-SUV (Größe um 4,70 Meter) stehen wird. Dieses lukrative Lifestyle-Segment will DS auf keinen Fall auslassen. Man sieht sich hier mit den deutschen Premium-Anbietern sowie mit Alfa Romeo, Jaguar und Maserati, die ebenfalls erstmals mit dieser Auto-Gattung debütieren, auf Augenhöhe.

Sechs Baureihen sind das vorläufige Ziel von DS. Die Familie komplettieren dürfte dann etwa 2019 ein Premium-Kompaktwagen. Er steht auf der sich momentan in der Entwicklung befindlichen EMP1-Plattform. Positionieren will DS das Modell hauptsächlich gegen Mini Cooper und Audi A1. EMP1 erlaubt zudem E-Mobilität, sowohl batterieelektrisch als auch als Plug-in-Hybrid (Aufladung an der Steckdose). DS profitiert hier von der globalen Strategie des PSA-Konzerns, der ab 2018 eigen entwickelte Elektro- und Hybridfahrzeuge bauen will. Die Kooperation mit Mitsubishi läuft aus.

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KOMMENTARE


Citroen

09.10.2015 - 11:52 Uhr

Es wird nun auch endlich Zeit, dass neue Modelle auf den Markt kommen sollen; die bewährten DS3 (Cabrio), DS4, DS5 verkaufen sich leider äußerst schleppend bis gar nicht und und genießen im Straßenbild eher den Status als Exoten. Ob die Rechnung aufgeht, mal eben so eine "neue" Marke aus dem Boden zu stampfen, wird die Zukunft zeigen und man kann nur hoffen, dass PSA im Bezug auf DS einen langen Atem haben wird.


Beobachter 2.0

09.10.2015 - 14:16 Uhr

Die Rechnung wird leider nicht aufgehen, weil die Franzosen von ihrem Schema nicht abweichen und ihre Fehler wiederholen. Der C6 hatte einen viel zu kleinen Kofferraum und war nicht als Kombi erhältlich. Außerdem war der Preis einfach nur abgehoben. Beim DS5 pflegt man die Eigenheiten, die leider eher als Macken denn als Alleinstellungsmerkmal im positiven Sinne wahrgenommen werden. Der DS4 ist faktisch im Straßenbild vorhanden und verkauft sich (wie auch der DS5) allein über den Preis, d.h. Rabatte im großen Stil. Einzig der DS3 verkauft sich einigermaßen. Warum will man hier ab 2019 einen Premium-Kompaktwagen einführen, der gegen Mini und A1 fährt? Der DS3 deckt doch genau dieses Segment ab oder handelt es sich hier um einen Nachfolger? Wie dem auch sei: Das Angebot wird am (europäischen) Bedarf vorbei gehen oder man schafft es, dem Kunden die Marke DS schmackhaft zu machen. Aber auch das sehe ich nicht kommen. Citroën hatte schon lange kein glückliches Händchen in ansprechender Werbung. Also sollen die mal schön für China produzieren, in Europa werden sich die Modelle weiterhin nur über den Preis in den Markt drücken lassen.


Saabist

09.10.2015 - 15:14 Uhr

Das ist eine äußerst mutige Strategie. Der DS 3 ist ja im Grunde nicht mehr, als der Zweitürer des C3. Hier von Premium zu sprechen ist vermessen. Die anderen Modelle fristen ihr Dasein als Vorführwagen der Händler und finden im wirklichen Leben nicht statt. Der Schlüsselfaktor ist die Langzeitqualität der Produkte - hier fallen seit Jahrzehnten die gleichen Mängel auf. Das haben Wettbewerber in den Griff bekommen - PSA leider nicht. Ich warte auf die Meldung "Marke DS in Citroen konsolidiert - DS wird zur Ausstattungsvariante". Denn mehr ist es nicht.


MP

09.10.2015 - 18:48 Uhr

Man zitiert Im Rahmen der DS Markeneinführung immer wieder die "Göttin", die nach nunmehr 60 Jahren noch immer als Sinnbild für die Marke CITROEN steht. Heute baut man Autos, die mit weder mit dem Erbe eben dieses heute noch genialen Fahrzeuges noch mit der ehemals genialen Marke CITROEN irgend etwas gemein haben. Zynischer Weise ist festzustellen, daß man zwischenzeitlich (Gott sei Dank...) den eigentlichen Markennamen CITROEN unerwähnt läßt. Das ist auch logisch, hat man die ehemalige technische und komfortmäßige Vormachtstellung und zahlreiche Alleinstellungsmerkmale erfolgreich zu Grabe getragen. Statt an einer genialen Hydropneumatik ergötzt man sich heute an polyphonen Tonwelten im Innenraum. Wie gerne steige ich da immer wieder aus und nehme meinen SM oder eine meiner echten Göttinnen... da kommen dann ausnahmsweise wieder positive Erinnerungen an CITROEN.


Euryanth

10.10.2015 - 11:47 Uhr

Schließe mich meinen Vorkommentaren vorbehaltlos an; was PSA (und im besonderen die Citroen Partner) mit der Marke DS an Geld verbrennen, ist schon bemerkenswert und betriebswirtschaftlich überhaupt nicht nachvollziehbar!Der Hersteller nimmt sang- und klanglos die schleppenden bis nicht vorhandenen Verkaufsergebnisse hin und redet von einer "äußerst erfolgreichen Marke".


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