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Porsche-Prozess: Banker uneins über eigenes Kreditsystem

Hü und Hott im Zeugenstand des Porsche-Prozesses.
© Foto: istockphoto

Hü und Hott im Zeugenstand des Porsche-Prozesses: Nachdem ein Banker am Montag der Anklage neue Munition lieferte, spielt dessen Chef nun der Verteidigung in die Karten.


Datum:
27.11.2012
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Im Kreditbetrugsprozess gegen den früheren Porsche-Finanzchef Holger Härter haben die befragten Bankmitarbeiter widersprüchliche Zeugenaussagen über ihre eigene Arbeit gemacht. Der damalige Deutschlandchef des Geldhauses BNP Paribas widersprach am Dienstag im Landgericht Stuttgart der Aussage seines Kollegen aus der Risikoabteilung.

Dem Deutschlandchef zufolge war ein von Porsche nachgereichtes Schreiben zum Finanzbedarf für die Übernahme von Volkswagen bei dem Kredit "nicht maßgeblich". Aus Sicht der Anklage täuschte Härter die Bank 2009 allerdings mit dem Dokument und spielte darin den möglichen Geldbedarf für den VW-Einstieg herunter.

Die neue Zeugenaussage stützt nun das Argument seiner Verteidiger, wonach die Pariser BNP-Zentrale den Kredit unabhängig vom Inhalt des Schreibens zusagte. «Paris hat keinen Wert darauf gelegt und entsprechend ist das auch nicht relevant gewesen für die Kreditentscheidung», sagte der damalige Chef der Frankfurter BNP-Filiale.

Neben dem Inhalt des Schreibens streiten die Prozessparteien auch um die Bedeutung des Zeitpunktes, an dem das Dokument eintraf. Es erreichte die Bank zwar nach der Zusage aus Paris, aber noch vor den geleisteten Unterschriften - und erst mit denen gilt der Kredit nach Lesart der Staatsanwaltschaft als endgültig abgeschlossen.

Mitarbeiter der Risikoabteilung stützt Sicht der Anklage

Der Mitarbeiter aus der für Kredite zuständigen Risikoabteilung hatte diese Sichtweise der Anklage am Vortag gestützt: Das Schreiben sei im Hin und Her zwischen Stuttgart, Frankfurt und Paris doch maßgeblich gewesen. Das Gremium in Frankreich habe die Entscheidung, den Kredit zu gewähren, zwar vor Eingang des Schreibens getroffen - jedoch unter der Voraussetzung, dass Härters Erklärungen noch kämen.

Zudem seien die mündlichen Informationen von Härter und dessen Managern bereits in das Votum eingeflossen - und auf denen habe letztlich auch das spätere Schriftstück basiert. Angaben über einen unter Umständen höheren Finanzbedarf von Porsche seien "eine sehr wichtige Information gewesen".

Der Ex-BNP-Deutschlandchef sieht das anders: Egal, ob Porsche nun statt 4,1 Milliarden Euro doch 5,4 Milliarden Euro für die Erhöhung seiner Anteile an VW gebraucht hätte, sagte er, "es wäre aus unserer Sicht nicht maßgeblich gewesen." Damit stützte er auch die Angaben eines dritten Mitarbeiters, den das Gericht vergangene Woche befragt hatte. Auch ihm zufolge war das Schreiben "nicht erheblich", weil die Bank intern sowieso von noch höheren Finanzrisiken ausgegangen sei.

Befragungen für Banker heikel

Für die Banker sind die Befragungen nicht nur heikel, weil die BNP womöglich eher unzureichend über Porsches Finanzstruktur informiert war. Auch das genaue Gegenteil, nämlich tiefgründiges Wissen, wäre delikat: Je detaillierter die Bankmitarbeiter Porsches komplizierte Börsenwetten für den schrittweisen Einstieg bei VW gekannt hätten, desto eher wäre mit diesem Insiderwissen ein gutes Zusatzgeschäft möglich gewesen. (dpa)

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