-- Anzeige --

Produktion: Opel-Belegschaft läuft Sturm gegen Astra-Verlagerung

Die Gewerkschaft befürchte, dass als Ersatz für den Astra die Produktion des Zafira von Bochum verlegt werden könnte.
© Foto: Volker Hartmann/dapd

Die Pläne bringen die Arbeitnehmer gegen das Opel-Management auf. Die Gewerkschaft droht mit einem harten Kampf und weiß die Belegschaft hinter sich - nicht nur in Rüsselsheim, sondern auch in Bochum.


Datum:
08.05.2012
2 Kommentare

-- Anzeige --

Das Opel-Management steuert auf den nächsten knallharten Kampf mit Gewerkschaft und Belegschaft zu. Die Arbeitnehmer laufen Sturm gegen den geplante Abzug der Astra-Produktion aus Rüsselsheim. Am Dienstag nutzten allein am Opel-Stammsitz rund 8.000 Opelaner die Warnstreiks im Metall-Tarifkonflikt, um gegen die Sparpläne des Managements zu protestieren. "Ich warne den Vorstand der Adam Opel AG davor, offensichtlich bestehende Pläne zur Verlagerung der Astra Produktion von Rüsselsheim nach Gliwice in Polen weiter zu treiben", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild.

Auch in Kaiserslautern beteiligten sich 1.700 Opel-Beschäftigte an den Warnstreiks. In Nordrhein-Westfalen sagte IG-Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard der Deutschen Presse-Agentur: "Es ist ein hochgradig unanständiges Spiel der Geschäftsführung von GM/Opel, wie jetzt das erneute Pokern um die Standorte auf Kosten der Beschäftigten eröffnet wird." Opel-Aufsichtsratsmitglied Schild bezeichnete die Pläne des Managements als Kampfansage an die Belegschaft an allen deutschen Standorten und an die IG Metall: "Wenn ab 2015 kein Astra mehr in Deutschland gefertigt wird, fehlt ein erheblicher Teil zur Auslastung der Rüsselsheimer Produktionskapazität."

Die Gewerkschaft befürchtet, dass als Ersatz für den Astra die Produktion des Zafira von Bochum nach Rüsselsheim verlegt werden könnte: "Sollte die Produktion verlagert werden, ist zu befürchten, dass mittelbar der Bochumer Standort gefährdet ist." Das könne und werde die IG Metall nicht akzeptieren. Das Werk im Ruhrgebiet mit rund 3.200 Mitarbeitern steht schon lange auf der Streichliste des Managements. Am Montag waren Pläne des Managements bekanntgeworden, wonach das Unternehmen den Opel Astra künftig aus Kostengründen nicht mehr im Stammwerk in Rüsselsheim bauen lassen will, sondern komplett in England und Polen. Damit würde in Rüsselsheim etwa ein Drittel der Produktion wegfallen.

Beim Warnstreik der Metallbeschäftigten im Werk Kaiserslautern warnte IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban das Opel-Management davor, die Standorte gegeneinander auszuspielen: "Es gibt keine separate IG Metall Rüsselsheim, Bochum, Eisenach oder Kaiserslautern, sondern nur eine IG Metall." Die Gewerkschaft werde gemeinsam mit den Beschäftigten für die Zukunft aller Standorte kämpfen. Das Unternehmen sei in der Pflicht, ein Konzept zur Sicherung aller Standorte vorzulegen, anstatt die Beschäftigten zur Kasse zu bitten. Schild sagte in Rüsselsheim: "Wir werden nicht das Futter liefern, mit dem einige Herren die Sparschweine füttern wollen."

Kritik aus der Politik

Auch in der Politik formiert sich Widerstand gegen die Pläne. Die SPD-Bundestagsabgeordneten der vier deutschen Opel-Standorte solidarisierten sich in einer gemeinsamen Mitteilung mit den Opelanern: "Wenn die GM-Chefetage versucht, durch die Verlagerung der Produktion des Astra ins Ausland und des Zafira von Bochum nach Rüsselsheim die Opel- und Vauxhall-Standorte in Deutschland und Europa gegeneinander auszuspielen und damit die Konditionen der Opel-Beschäftigten zu drücken, dann ist dies nicht nur für die Beschäftigten verheerend, sondern auch für die Zukunft des Unternehmens."

Sollte das Opel-Management in der Debatte nicht einlenken, droht die IG Metall bereits mit einem harten Konflikt in Rüsselsheim. Schild sagte: "Jeder weiß, dass wir das können." Hessens SPD-Landesvorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel sagte vor Opelanern in Rüsselsheim: "Ich habe die Nase voll von der Planlosigkeit des GM-Managements." Er pochte auf die Einhaltung der Verträge, die Rüsselsheim einen Teil der Astra-Produktion garantieren.

Die Adam Opel AG hatte Verhandlungen mit den Arbeitnehmern über Produktionsstandorte für die nächste Generation des Astra bestätigt. Die Entscheidung sei Teil des Plans, das Geschäft von Opel/Vauxhall in Europa profitabel zu machen. Denn trotz der jüngsten tiefen Einschnitte, bei denen ein Werk und rund 9.000 Arbeitsplätze in Europa wegfielen, leidet der Hersteller unter Überkapazitäten. Der Absatz lahmt, die Gewinnzone ist in weiter Ferne. In Bochum gehen Ende 2013 300 weitere Jobs verloren, wenn die dortige Getriebeproduktion eingestellt wird. (dpa)

-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --

KOMMENTARE


Michael Kühn

08.05.2012 - 22:59 Uhr

"Hessens SPD-Landesvorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel sagte vor Opelanern in Rüsselsheim: "Ich habe die Nase voll von der Planlosigkeit des GM-Managements." Ausnahmsweise mal ein wahres Wort seitens der Politik, - immer wieder neue Ideen, die kurze Zeit später überdacht und verbessert werden müssen. So geht das schon seit Jahren...; keine nachhaltige und brauchbare Planung, und die Mitarbeiter sollen erneute Abstriche hinnehmen und diese Fehler bezahlen... Mit solcher "Strategie" wären viele Kleinunternehmer und Mittelständler längst insolvent.


uwe meier

09.05.2012 - 09:21 Uhr

Klasse, ganz großes Kino. So steigert man höchstens den Mitleidsbonus aber mit Sicherheit nicht die Sympathie oder das Image. Das Management bespricht mit den Arbeitnehmervertretern die Zukunft, es steht auf einmal in der Zeitung. Das Management spricht von "normalen Vorgängen" der Produktionsplanung. Der Betriebsrat vom Ende der Marke. Wer steckt eigentlich der Presse immer diese Interna? Lässt sich da jemand sein Wissen bezahlen? Wer hat Interesse daran Opel ständig negativ in den Medien zu sehen? Wenn zu teuer produziert wird MUSS nach Lösungen gesucht werden, aber doch bitte nicht immer öffentlich. Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Opelaner. Egal ob nun Autohausbesitzer, Verkäufer, Manager, Betriebsrat, Gewerkschafter oder "einfacher" Bandarbeiter bitte bitte klärt euere Angelegenheiten intern. Ihr schadet mit eueren ständigen festhalten an eingefahrenen Ritualen der Marke mehr als jeder Rückruf.


SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!

-- Anzeige --

WEITERLESEN




NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Auto News für die Automobilbranche: AUTOHAUS ist eine unabhängige Abo-Fachzeitschrift für die Automobilbranche und ein tagesaktuelles B2B-Online-Portal. AUTOHAUS bietet Auto News, Wirtschaftsnachrichten, Kommentare, Bilder und Videos zu Automodellen, Automarken und Autoherstellern, Automobilhandel und Werkstätten sowie Branchendienstleistern für die gesamte Automobilbranche. Neben den Auto News gibt es auch Interviews, Hintergrundberichte, Marktdaten und Zulassungszahlen, Analysen, Management-Informationen sowie Beiträge aus den Themenbereichen Steuern, Finanzen und Recht. AUTOHAUS bietet Auto News für die Automobilbranche.