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Prüfbericht: Jahrelange Manipulationen beim "Gelben Engel"

Bei der Wahl zum Lieblingsauto waren schon in früheren Jahren sowohl die Reihenfolge als auch die Stimmzahl manipuliert.
© Foto: imago/Lindenthaler

Lange war der "Gelbe Engel" ein Stelldichein der Autobranche. Doch bei der Wahl des Lieblingsautos wurde seit Jahren getrickst. Waren die Manipulationen für den ADAC ein Mittel zum Machtausbau?


Datum:
17.02.2014
12 Kommentare

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Beim ADAC-Preis "Gelber Engel" hat es schon in früheren Jahren umfangreiche Manipulationen bei der Wahl zum "Lieblingsauto" gegeben. Sowohl die Reihenfolge der platzierten Modelle als auch die Anzahl der abgegebenen Stimmen seien teils gravierend verändert worden, teilte der Automobilclub am Montag in München mit. Durch diese bewussten Verfälschungen sei bei dem Preis eine größere Markenvielfalt erreicht worden, zitiert der ADAC aus dem Bericht der externen Prüfer von Deloitte.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) riet dem Verein am Montag, sich auf seine Kernkompetenzen zu besinnen. Ferdinand Dudenhöffer wertete die Manipulationen als Mittel zum "Machtausbau" des ADAC. Vor einer Woche hatten externe Prüfer bereits Manipulationen bei der Wahl 2014 bestätigt. Autohersteller wie Daimler, BMW, Porsche und VW kündigten daraufhin an, ihre Auszeichnungen zurückzugeben.

Doch jetzt steht auch das Ergebnis für die Vorjahre fest: Für 2009 bis 2013 könnten bei der Wahl zum Lieblingsauto umfangreiche Manipulationen eindeutig belegt werden, sagte Frank Marzluf von Deloitte. Frühere Jahre konnten die Prüfer nicht untersuchen, weil es dafür keine ausreichenden Daten mehr gibt.

Manipulationen vor allem auf den ersten fünf Plätzen

Manipulationen gab es laut dem Bericht vor allem auf den ersten fünf Plätzen. So lag etwa 2012 der VW Up laut ursprünglichem Wahlergebnis auf Platz 12. Bei der öffentlichen Bekanntgabe wanderte er aber sieben Ränge nach oben, so dass sich der Wolfsburger Konzern über Platz 5 freuen konnte. Der Audi A6 rutschte damals vom zweiten auf den vierten Platz, während der BMW 1er öffentlich zum zweitliebsten Auto gekürt wurde.

Auch bei der Zahl der abgegebenen Stimmen wurde den Prüfern zufolge kräftig geschummelt. So waren 2009 den Untersuchungen zufolge insgesamt 80.211 Stimmen für die Wahl zum Lieblingsauto abgegeben worden. In der Presseerklärung sah das anders aus: Rechnete man die Stimmen allein für die ersten zehn Plätze zusammen, kam man bereits auf 220.898.

"Die Ergebnisse lassen vermuten, dass einzelne Personen offenbar bereits seit Jahren bei der Preisverleihung die Hersteller und die Öffentlichkeit systematisch getäuscht haben», sagte ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair. Vergangene Woche hatten die Prüfer bereits Manipulationen bei der diesjährigen Wahl bestätigt. Weitere Kategorien des "Gelben Engels" sind noch auf dem Prüfstand. Die Ergebnisse sollen Anfang kommender Woche veröffentlicht werden.

Dudenhöffer wertete die jahrelangen Manipulationen als Mittel zum "Machtausbau". "Man wollte zeigen, wie eng man mit den Autobauern verbunden ist. Da liegt die Vermutung nahe, dass davon auch das Werbeanzeigengeschäft des ADAC profitieren sollte", sagte er am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Durch geschönte Zahlen habe der Club vertuschen wollen, "dass die meisten ADAC-Mitglieder nur Pannenhilfen-Kunden sind und ansonsten kein Interesse am ADAC-Gedöns haben", sagte Dudenhöffer.

VW schickt 19 "Engel" zurück 

Der Volkswagen-Konzern hat bereits seine Trophäen an den Automobilclub zurückgeschickt. "Die 19 ersten Plätze sind alle in einem einzigen Paket auf dem Weg", sagte ein Sprecher am Montag in Wolfsburg auf Anfrage. "Wir hatten in den vergangenen Jahren keinerlei Grund, an der Ehrlichkeit des ADAC zu zweifeln."

Der ADAC steckt seit Bekanntwerden der Manipulationsvorwürfe Mitte Januar in der Krise. Der Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift "Motorwelt", Michael Ramstetter, hatte die Manipulationen damals eingeräumt und seinen Posten niedergelegt. Mitte Februar trat dann ADAC-Präsident Peter Meyer zurück. Weitere personelle Konsequenzen lehnte der Club bis dato ab und verwies auf seine Hauptversammlung im Mai und auf einen Zehn-Punkte-Plan, mit dem der Neuanfang gelingen soll. (dpa)

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KOMMENTARE


Martini

17.02.2014 - 15:22 Uhr

Ja klar...."Man wollte zeigen, wie eng man mit den Autobauern verbunden ist." Man sollte lieber mal prüfen, in welcher Form Zahlungen in der Zeit vorgenommen wurden. Wer bekam, wann, wieviel und von wem?????And the oskar goes to... ;-)


drreske

17.02.2014 - 16:46 Uhr

Nun sollten wir nicht alles schlecht reden, jedoch auch mit letzter Konsequenz die Manipulationen und auch die Vorteilsnahme/Vorteilsgabe aufklären! Deutschland ist doch keine Bananenrepublik! ODER?


Gerdi Hellmann

17.02.2014 - 16:53 Uhr

Wer bekam, wann, wie viel und von wem?(Zitat: Martini) Könnte ich noch ergänzen: Und wo? Geldübergabe im Koffer im Edel...? Edel-Hotel? Edelrestaurant? Oder anlässlich einer der beliebten Neuvorstellungsrunden an exotischen Orten All Over The World im sonnigen Ausland? Aber das wäre ja schon der Stoff für eine Verfilmung! Titel: "Die Goldenen Vereinsjahre"...


e.werner

17.02.2014 - 17:51 Uhr

Ich denke die Autohersteller sollten alle ihren "gelben Engel" behalten...schließlich haben sie ihn ja auch bezahlt.


Michael Kühn

17.02.2014 - 18:23 Uhr

wer es relativ geschickt einfädelt, wird schwerlich zu überführen sein; (Gerdi Hellmann "Edel-P... ? /im sonnigen Ausland über Spesen etc...) Hotelrechnung wird vorgelegt ohne genau deklarierte erhaltene Fremdleistungen, einfach auf die Gesamtrechnung der Suite draufgeschlagen.Im Ausland teilweise kein Problem..., man ist ja für den Gast da + er soll wiederkommen...) = Bananenrepublik läßt grüßen. Es ist halt wie mit den Statistiken, die ich selber fälschte...; irgendwann ... + das ist nun beim ADAC Gegenwart, tauchen unangenehme Fragen auf... und nun zu "Freund Dudelsack", der die gewünschten Musiktitel, analog der Hitliste spielt, will ich nur noch sagen: Covern von bereits bekannten Titeln ist ein Schmuck, der den Urhebern zusteht... (Insiderwissen von "van Anderen" = aufbereitet unter eigenem Namen veröffentlicht...? - Sorry, der Verdacht liegt sehr nahe. -) Dieser Mensch sollte sich aus der Diskussion raushalten !!!


Titanik

17.02.2014 - 18:32 Uhr

....EISBERG VORAUS...!!! Ich seh Deine Spitze...!!! Bin gespannt, wann die ersten Hersteller auffliegen, die die Bargeldkoffer übergeben haben...


Alfred

17.02.2014 - 21:56 Uhr

Ich denke was bei dem ADAC gelaufen ist das grenzt doch schon an einer Volksverblödung. Was ist noch real gelaufen wie z.B. Kindersitztest, Reifentest, Werkstättentest wo auch Empfehlungen zu lesen waren. Wenn ich das so verfolge muss ich denken dass mit den Mitgliedsbeiträgen auch eine Volksverdummung finanziert wurde.


Michael

18.02.2014 - 08:33 Uhr

Jetzt muss offengelegt werden, wer hat von wem hier wie viel Schmiergeld erhalten!Das wurde ja bislang überhaupt nicht thematisiert...So eine Sauerei.


eymandu

18.02.2014 - 09:06 Uhr

Ich hau mich weg. Sehr schön Herr E.Werner.Aber mal im ernst, ich bin doch schon das eine oder andere Mal echt aufgeheitert gewesen, als mir der Gelbe Engel behilflich war. Was da im ``Club`` läuft ist bestimmt nicht immer richtig und ich möchte gar nicht wissen, wie es den Jungs auf der Straße jetzt geht die sich jetzt mit Pannenopfer rumschlagen müssen nur weil da so viele Wasserköpfe beim ADAC oben im Vorstand sitzen.


Marcus Jähnert

18.02.2014 - 09:08 Uhr

Sich erst einen gelben Engel kaufen und dann zurück geben, ist ja auch doof...:-( Bestechungsgelder sind sicher nicht geflossen aber man kann sich ja über die Anzahl der geschalteten Werbeanzeigen und deren Preis im Hinblick auf einen "Gelben Engel" gut einigen.@drreske: Leider muß ich Ihnen Ihre Illusion nehmen: Wir leben verbindlich in einer Bananenrepublik und zwar in der Bundesbananenrepublik! Dazu bieten sich abseits vom ADAC genügend andere Beispiele. Aber dem Volk geht es so gut, dem ist das egal.


Veit

18.02.2014 - 09:33 Uhr

Ja Klar, VW Schickt die Preise zurück und Wuste von nix!Das Geld, was VW für die "guten Platzierungen" gezahlt hat, würde uns alle Sanieren!


R.Fuchs

18.02.2014 - 13:25 Uhr

Wer soll den glauben, dass diese Manipulationen das Werk eines einzelnen im ADAC gewesen sein sollen, und dieses nachweislich über Jahre? Für wie dumm hält der ADAC eigentlich die Öffentlichkeit und seine Mitglieder/rinnen?Aufklärung lückenlos, und nicht die Verantwortlichen mit einer ordentliche Geldsumme "aus dem Verkehr" zu ziehen. Neben dem ADAC ist aber auch die Automobilindustrie in der Verantwortung, denn auch diese hat zweifelsfrei nachweisen, an diesen Ergebnissen nicht "mitgearbeitet" zu haben. Ehrlichkeit und Vertrauen sind wieder mühsam aufzubauen, wenn nicht "BRD = Bananen Republik Deutschland"


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