Sanierungspläne: GM setzt erneut Rotstift an

18.02.2009 11:05 Uhr
Um an weitere Milliarden der US-Regierung zu kommen, will GM weltweit 47.000 Stellen streichen.
© Foto: General Motors

Um an weitere Milliarden der US-Regierung zu kommen, will der Autoriese weltweit 47.000 Stellen streichen. Davon sind auch 26.000 Jobs außerhalb von Amerika betroffen. Das Schicksal von Opel ist weiter ungewiss.

Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) will 26.000 Stellen außerhalb der USA streichen. Damit müssen auch Opel-Mitarbeiter an den deutschen Standorten um ihre Arbeitsplätze zittern. Das Schicksal von Opel ließ GM-Chef Rick Wagoner in der Nacht zum Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Detroit aber offen. Damit ist weiterhin unklar, ob GM deutsche Standorte schließen oder Opel komplett verkaufen will. Insgesamt will der US-Konzern 47.000 Stellen abbauen – das wäre etwa jeder fünfte Arbeitsplatz bei weltweit 245.000 Beschäftigten. In seinem der US-Regierung am Dienstag vorgelegten Sanierungsplan verlangt GM zudem bis zu 30 Milliarden Dollar vom Staat. Das ist mehr als doppelt so viel wie GM bisher bekommen hat. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) forderte während seiner USA-Reise Klarheit, was der Sanierungsplan konkret für die deutschen Opel-Standorte bedeutet. Im Bochumer Opel-Werk diskutierten die Beschäftigten der Nachtschicht die Lage. Ein Fertigungsmonteur sagte stellvertretend für Kollegen, dass man auf eine Zukunft ohne GM setze. "Wir hoffen, dass das Werk verkauft werden kann und erhalten bleibt", sagte er. Der Betriebsrat des Bochumer Werkes hält einen Verkauf für die beste Lösung. Der schwer gebeutelte größte US-Autohersteller droht zunehmend zu einem Milliardengrab zu werden. Der deshalb von der Regierung eingeforderte Sanierungsplan sieht neben Stellenabbau die Schließung von fünf US-Werken vor. Die Marken Saab in Schweden sowie Hummer und Saturn in den USA stehen zum Verkauf. Die Einschnitte sind die Voraussetzung für neue Staatshilfen.

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

C.Kleinebrahm

18.02.2009 - 10:57 Uhr

So ganz verstehe ich die Strategie des Herrn Wagoner nicht. Laut sämtlichen Presseberichten ist es doch gerade die europäische Sparte, allen voran Opel, die derzeit Überschüsse für die Konzernmutter erwirtschaftet. Man sehe sich nur die Vororder für den Insignia an. Warum sollte man die Kuh, die man melkt, verkaufen oder schlimmer noch die Werke schließen. Gerade bei letzerer Überlegung erschließt sich mir keine Logik, außer das sich kurzfristig enorme Kosteneinsparungen realiseren lassen. Aber wie sollte es dann zukünftig weitergehen? Vorausgesetzt GM erhält vor dem Hintergrund des Verkaufs oder Schließung der Europasparte weitere Milliarden von der US-amerikanischen Regierung, was soll dann damit passieren? Mal eben so deren komplette Modellpalette auf die Anforderungen der Gegenwart umzustellen wird auch mit einer solchen Summe nicht möglich sein, zudem ohne Opel sicherlich auch nicht unerhebliches Know-How fehlen dürfte. Also was sollen diese Überlegungen dann? Freue mich über antwortende Kommentare


J.P.

18.02.2009 - 11:02 Uhr

Es ist unerträglich und eine Schande, dass Herr Wagoner, der weltweit zu den unfähigsten höchstbezahlten Managern zählt, weiterhin an der GM-Spitze stehen darf, anstatt endlich das Ruder abzugeben. Mit ihm an oberster Stelle kann es nur einen Weg geben, nämlich immer weiter abwärts, falls dies überhaupt noch möglich ist. Die Perspektiven von GM liegen unter Null, wenn Opel nicht von der "Mutter" abgespalten wird, wird auch Opel untergehen.


Striker

18.02.2009 - 14:01 Uhr

Auch, wenn ich die Verärgerung meiner Vorkommentatoren über den Ist-Zustand von GM an sich und die offensichtliche Ratlosigkeit der GM-Führung im Besonderen teile, sehe ich das Thema OPEL etwas anders. Blicken Sie doch einmal zurück auf die letzten 15 Jahre der Opel-Geschichte. Der andauernde und nach wie vor nicht umgekehrte Verlust von Marktanteilen, nicht nur in Deutschland, hat ja auch seine Gründe. Es gab nur wenig attraktive Modelle, statt dessen aber beständige Nachlässigkeiten in punkto Qualität. Dazu wechselte das Management und damit die Strategie (soweit es überhaput eine gab), wie die Unterwäsche. Selbst, wenn man unterstellt, dass mit dem Corsa und dem Insignia wieder begehrtere Fahrzeuge geschaffen worden sind, stellt sich diue Frage, wie ein Unternehmen von der Größe Opels allein überleben soll. Selbst in einem möglichen Verbund mit Saab (112 Zulassungen bei 106 Händlern im Januar 2009!!!), Vauxhall oder Holden wird niemals eine kritische Überlebensgröße hinsichtlich der Menge produzierter Fahrzeuge erreicht. Die Präsenz in wesentlichen Märkten, z. B. USA, China, Brasilien, ist entweder gar nicht oder nur unzureichend vorhanden. Investitionen in neue Modelle, z. B. Astra, kosten Milliarden, die nicht da sind. Die Händlernetze, zumindest in Europa, sind sterbenskrank oder schon klinisch tot, da über die letzten Jahre finanziell völlig ausgezehrt. Wie soll so eine Firma selbständig überleben? Nein, Zukunft sieht für mich anders aus. Ich plädiere dafür, OPEL in die Insolvenz zu führen, voraussgesetzt, GM muss diesen Weg gehen. Nur aus der Insolvenz heraus kann dann, wenn überhaupt möglich, ein Neuanfang versucht werden.


wallibelli

18.02.2009 - 17:20 Uhr

Der Wagoner-Vorschlag enthält das von der US-Regierung geforderte Sparpaket mit den Eckwerten von 47.000 Entlassungen (USA und Europa) und der Ankündigung von fünf Werksschließungen in USA und weiteren in Europa. Die Lasten werden natürlich in höherem Umfang als verursacht auf Europa verteilt. Wagoner hat in seinem Sanierungskonzept auch den Verkauf GM-Europe als Sanierungsbeitrag stehen. Gemeint ist hier nur GM-Europa, weil die einzelnen Landesgesellschaften keine interne Bilanzen und als Nationalgesellschaft (bis auf Saab) nicht veräußerbar sind. Erst eine Offenlegung der detaillierten GM-Europazahlen kann wirkliche Transparenz über die Profitabilität von Opel bringen. Offensichtlich ist Saab der mit Abstand größte Verlustbringer. Wagoner hat anlässlich der Sanierungspräsentation gesagt, dass sich für die zum Verkauf stehenden Marken inkl. Opel bis heute noch kein Interessent gefunden hat. Wörtlich sagte er laut „Manager Magazin“ – „Kein Investor.“ GM hat sicherlich größtes Interesse GM-Europe zu veräußern. Und zwar einen Mehrheitsanteil. Eine maßgebliche GM-Minderheitsbeteiligung ist auch künftig erforderlich, da zu viele gemeinsame Verpflichtungen im Hinblick auf Zukunftsprojekte bestehen z. B. die Möglichkeit bei einer neuen US-Modellpalette auf Plattformen kleinerer Fahrzeuge, Elektro-Know-How, Diesel-Antriebe zurückzugreifen. Der Verkauf einer EU-Mehrheit hat sicherlich den Charme, großes Sanierungspotenzial freizusetzen. Das Risiko für EU-Fabriken und -Arbeitsplätze kann GM-USA abhaken. Sozialaufwendungen und Investitionen gingen zu Lasten der neuen Eigentümer. Wahrscheinlich spekuliert die Zentrale darauf, dass die spanische, britische und schwedische Regierung sich mit dem deutschen Bund und den betroffenen Bundesländern, an dem zur Veräußerung stehenden Mehrheitsanteil unterhalb der Mehrheitsgrenze maßgeblich beteiligt. Die restlichen Anteile könnten z. B. der Initiative des deutschen evtl. auch dem europäischen Opel-Händlerverband angeboten werden bzw. anderen Autoherstellern oder freien Investoren. Restanteile kann man sofern erforderlich an der Börse platzieren. Eine zukünftige EU-SE Opel/Vauxhall/Saab – sofern man die schwedische Marke nicht in die Insolvenz entlässt – produziert zwischen 1,5 - 1,8 Millionen Autos. Mittelfristig ist diese Größenordnung für einen Massenhersteller in margenschwachen Segmenten zu gering. Es müssten weitere Kooperationen bzw. Beteiligungen angestrebt werden. Nur eine gemeinsame EU-Initiative zur Abspaltung von Opel/Vauxhall/Saab-Europe hat evtl. Aussicht auf Erfolg. Über die Höhe der Beteiligung und deren Preis wird eine detaillierte Offenlegung der Bilanzen von GM-Europe, ihre fachmännische Prüfung durch neutrale Experten und der beabsichtigte, zukünftige Einfluss des Minderheitsgesellschafters GM-USA Klarheit geben. Wenn ich mir die deutschen Vorstellungen insbesondere die der Opelaner und der betroffenen Ministerpräsidenten anschaue, kann man in der Tat nur den Kopf schütteln. Hier sollen Milliarden Steuergelder vom Bund und Ländern (Hessen/NRW/Thüringen) an eine deutsche GmbH fließen, die weder Budgetplanverantwortung hat, noch eine Bilanz aufstellt oder wie aus gut informierten Kreisen kolportiert wird, befugt ist, Rechnungen zu bezahlen. Welche Alternative besteht zum obigen Vorschlag? In Anbetracht der angeforderten Barmittel-Unterstützung von 30-Mia.-Dollar unter Einbeziehung von knapp 50.000 Entlassungen und annähernd 10 Werksschließungen bzw. Veräußerungen stellt sich auch für die Regierungsverantwortlichen in den USA die Frage, wie es weitergehen soll? Die Einsicht, dass das Abenteuer „Sanierung Big Three“ dem amerikanischen Staat demnächst einen dreistelligen Milliardenbetrag kosten wird und als Sicherheit am Ende doch nur die Insolvenz steht, scheint einigen Senats- und Repräsentantenhaus-Mitgliedern langsam zu dämmern. GM`s-Genickbruch werden die mit der US-Gewerkschaft vereinbarten hohen Arbeitskosten und die Belastungen aus den Sozialaufwendungen für bestehende und ausgeschiedene Mitarbeiter sein. Dazu kommt noch die prekäre Situation hinsichtlich eines zukunftssicheren Modellangebotes. Das sind in der Tat hausgemachte Probleme. Bei der Option einer Mehrheitsabspaltung durch Veräußerung kommt es auch auf den Preis an. GM-USA will natürlich einen höchstmöglichen Kauf- bzw. Übernahmepreis erzielen. Und dabei elegant das evtl. sogar versteckte Risiko an die neuen Gesellschafter/Aktionäre loswerden. Der Preis für den Erhalt von ca. 25.000 EU-Arbeitsplätzen und einigen Werken inkl. der maroden Marke Saab könnte zu hoch sein. Die Alternative wäre noch schlechter. Ein Weiterbestehen von Opel im Rahmen eines Insolvenz- und Restrukturierungsverfahrens nach Chapter 11 ist der Ruin für alle EU-Dependancen. Unabhängig vom Vertrauensverlust kann Opel gar nicht mehr den Betrieb auf Sicht aufrechterhalten, da schon der schnell folgende Ausfall von Zulieferanten die Produktionsbänder zum Stehen bringt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass z. B. der deutsche Staat Ausfallbürgschaften für Dienstleister und Lieferanten übernimmt, die nicht wisse,n wie viel und wann sie Geld vom Insolvenzabwickler aus den USA für Ihre Leistung bekommen.


SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Auto News für die Automobilbranche: AUTOHAUS ist eine unabhängige Abo-Fachzeitschrift für die Automobilbranche und ein tagesaktuelles B2B-Online-Portal. AUTOHAUS bietet Auto News, Wirtschaftsnachrichten, Kommentare, Bilder und Videos zu Automodellen, Automarken und Autoherstellern, Automobilhandel und Werkstätten sowie Branchendienstleistern für die gesamte Automobilbranche. Neben den Auto News gibt es auch Interviews, Hintergrundberichte, Marktdaten und Zulassungszahlen, Analysen, Management-Informationen sowie Beiträge aus den Themenbereichen Steuern, Finanzen und Recht. AUTOHAUS bietet Auto News für die Automobilbranche.