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Satzungsänderung: Porsche SE stellt Weichen neu

Rohstoffe, Ökostrom, Immobilien: Übernimmt die Porsche-Holding künftig für Volkswagen eine neue Rolle?
© Foto: Daniel Kopatsch/dapd

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – das gilt nicht nur beim Fußball. Auch die Porsche-Dachgesellschaft blickt weit nach vorne. Ihre Pläne legen auch ein Stück weit offen, was Volkswagen umtreibt.


Datum:
21.06.2012
Autor:
<br>Von Heiko Lossie, dpa
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Mit Rohstoffen handeln, Windenergie erzeugen, Immobilien kaufen – das hört sich nicht nach einem Autokonzern an. Doch bei der Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE (PSE) könnte dies künftig Realität werden. Denn der nahende Verkauf der zweiten Hälfte des Porsche-Sportwagengeschäftes (Porsche AG) an VW wird bei der Dachgesellschaft letzte Schulden abtragen. Und dann? Dann könnte die Porsche SE völlig neue Wege gehen und eine andere Rolle auch im VW-Konzern spielen.

Die ersten Hinweise dafür finden sich in Tagesordnungspunkt sechs für die in der nächsten Woche (25. Juni) anstehende Hauptversammlung. Darin sollen die Aktionäre den Paragrafen zwei in der Satzung der Holding ändern. Es geht um nichts Geringeres als den Geschäftszweck der PSE, die nach der komplizierten Übernahmeschlacht die Mehrheit der VW-Stammaktien hält. Die neuen Formulierungen erlauben es ihr etwa, groß ins Geschäft mit Rohstoffen für die Autoindustrie einzusteigen. Sie könnte auch im großen Stil Wind- oder Solarparks bauen lassen und mit Erneuerbaren Energie Handel treiben. Ebenfalls möglich wird das Erbringen von Mobilitätsdienstleistungen – etwa Carsharing.

Kurz: Die PSE könnte sich zu einem Investmentvehikel mausern, das für die strategischen Entscheidungen in der Autowelt von Morgen von Bedeutung wäre. Offiziell hängt die PSE das Thema Satzung etliche Stufen tiefer. "Es ist eine vorsorgliche Maßnahme", sagt ein Sprecher. Die Anpassungen eröffneten Möglichkeiten, aber keine Verpflichtungen. Doch die Frage, was aus der PSE wird, liegt auf der Hand. Schließlich entstand sie 2007, um das reine Sportwagengeschäft der Porsche AG vom "Beteiligungsmanagement" zu trennen – also dem Griff nach der Macht bei VW.

Sportwagengeschäft: Übernahme noch in diesem Sommer

Das Ende ist bekannt. Die Offensive gegen Wolfsburg stockte auf den letzten Metern, und die PSE blieb trotz hauchdünner Mehrheit bei VW derart verschuldet zurück, dass VW zur letzten Hoffnung wurde. Die früheren Kontrahenten sind heute Partner, und VW gab den Schwaben schon 2009 überlebensnotwendiges Geld mit der Übernahme von knapp 50 Prozent der Porsche AG. So schnell wie möglich soll nun auch die zweite Hälfte folgen, Insider gehen von diesem Sommer aus.

Zurück bliebe eine Hülle, in der zwar milliardenschwere Anteile am Weltkonzern VW und damit millionenschwere Dividendenaussichten ruhen. Doch mit dem Geschäft des Autobauens hätte die PSE direkt nichts mehr zu tun. Das ist ihren mächtigen Besitzern – den Familien Porsche und Piëch – aber offensichtlich nicht genug, sie wollen mehr Einfluss.

Porsche-Piëch-Clan will mehr

Führende Automobilexperten beurteilen die Lage ähnlich. "Nach bisheriger Sicht wäre ja die PSE nach der Porsche-AG-Übernahme von VW nur noch ein Mantel gewesen, in dem Kapitalanteile verwaltet werden", sagt Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Der Porsche-Piëch-Clan treibe die Dinge berechnend voran. Jüngstes Beispiel: die Übernahmepläne für die zweite Hälfte der Porsche AG. Dabei haben VW und Porsche einen juristischen Kniff gefunden, mit dem sie milliardenschwere Steuerlasten umschiffen (wir berichteten).

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