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Thomas Hausch: "Fühle mich als Steuerzahler verarscht"

Thomas Hausch: "Ich fühle mich als Steuerzahler verarscht."
© Foto: Nissan

Der Nissan-Deutschlandchef schimpft über das Förderprojekt für Schnellladestationen entlang der A9. Es unterstützt ausschließlich den CCS-Standard - damit kann der Nissan Leaf nicht geladen werden.


Datum:
21.05.2014
20 Kommentare

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Thomas Hausch ist richtig aufgebracht: Der Geschäftsführer von Nissan Center Europe schimpfte am Mittwoch vor der Presse in Köln über das Förderprojekt für Schnellladestationen entlang der A9: "Ich fühle mich als Steuerzahler verarscht", sagt der deutsche Vertreter des Herstellers des derzeit meistverkauften Elektrofahrzeugs der Welt, des Nissan Leaf. 110.000 Einheiten des Stromes wurden bisher weltweit verkauft, davon über 20.000 in Europa und über 1.500 in Deutschland.

Das mit Steuergeldern geförderte Projekt mit acht neuen Schnellladestationen entlang der A9 unterstützt aber ausschließlich den "Combined Charging Standard" (CCS). Damit kann der Nissan Leaf dort nicht aufgeladen werden, denn er braucht den CHAdeMO-Standard, um schnellgeladen werden zu können. "Es ist ein Skandal", schimpft Hausch, "dass ein mit den Steuern der Bundesbürger bezahltes Projekt, die Besitzer der überwiegenden Mehrzahl der derzeit in Deutschland zugelassenen Elektrofahrzeuge ausschließt."

Auch VDIK-Präsident Volker Lange hatte schon kritisiert, dass die Trasse eine unglaubliche Diskriminierung der Autofahrer darstelle, die sich bereits sehr frühzeitig ein Elektrofahrzeug angeschafft haben. Rund zwei Drittel der meist von Importeuren verkauften derzeit auf deutschen Straßen befindlichen zirka 4.000 Elektrofahrzeuge bräuchten den "CHAdeMO"-Standard. Lediglich sieben Prozent seien derzeit mit dem europäischen CCS ausgerüstet. Auch vom wirtschaftlichen Standpunkt her sei das Projekt damit also nicht tragfähig.

Andere Staaten, bei denen die Verbreitung von Elektrofahrzeugen deutlich weiter fortgeschritten ist, beispielsweise Norwegen und die Niederlande, empfehlen in Puncto Schnellladestruktur die sogenannten Multicharger, die alle schnellladefähigen Elektrofahrzeuge bedienen können. (dp)

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KOMMENTARE


timbo

21.05.2014 - 17:56 Uhr

Ich glaube da liegt Herr Hausch nicht ganz richtig, bzw. es zeichnet sich ein anderer Trend ab: Der BMW i3 z.B. verzeichnet dieses Jahr 912 Zulassungen in Deutschland, allein im April 274. Der Nissan Leaf in diesem Jahr 272 und davon im April 46. Den Nissan gibt es schon länger, aber so wie es aussieht wird der CCS Standard wohl demnächst häufiger gebracuht werden. Und wenn die anderen deutschen Hersteller auch noch diesen Standard nutzten war dies sowieso die richtige Entscheidung...


Arno Schmidt

22.05.2014 - 00:31 Uhr

Sehr geehrter Herr Hausch,wie viele Fahrzeuge produziert Nissan noch mal in Deutschland? Viel viele Zehntausend Mitarbeiter und wie viele Milliarden Steuern zahlt Nissan in Deutschland? Ja, ich meine die Steuern, von denen die Ladestationen bezahlt werden.Mit freundlichen Grüßen


Nissan Händler

22.05.2014 - 07:02 Uhr

Lieber Thomas H.,das finde ich echt mal gut, dass auch Du Dich "verarschst" fühlen darfst. Denn 1500 Leaf Verkäufe in Deutschland gibt es nicht, denn davon sind mindestens 750 "erzwungene" Händlerzulassungen, die die Fahrzeuge quasi unverkäuflich teuer auf ihren Höfen stehen haben. Wenn wir Händler Glück haben, haben Sie einen Kontakt noch Norwegen und können den Leaf mit rund 3-4 T€ Verlust dahin exportieren. Die restlichen Verkäufe wurden mit erheblichen Support und hohen Rückkaufverpflichtungen für Händler an ausgewählte Abnehmer im Leasingverfahren für mtl 199€ quasi verramscht. Und jetzt sollen die Leaf Verkäufe noch erhöht werden, in dem man neben den rund 420 Händlern noch den gut 200 Werkstätten ebenfalls einen Leaf als Vorführwagen quasi auf's Auge drücken wird, in dem man den Leaf zum Pflichtelement für alle Werkstätten macht. Deshalb freut es mich, dass auch Du Dich mal "verarscht" fühlst, dann weißt Du mal wie das ist.


Stephan

22.05.2014 - 08:52 Uhr

Hier teile ich ausnahmsweise die Meinung von Herrn Hausch.Es kann doch nicht sein, dass man ein so weit verbreitetes Ladesystem (auch in Deutschland macht es einen gewaltigen Anteil aus), einfach ausschließt. Ich denke nicht dass es mit großen finanziellen Mehraufwand verbunden gewesen wäre,statt reiner CCS-Ladestationen die oben genannten Multicharger-Stationen aufzustellen. Da hat die Lobbyarbeit der deutschen Hersteller in der Politik mal wieder prima funktioniert...


Dr. August Iner

22.05.2014 - 09:44 Uhr

Da hat Nissan wohl auf das falsche Pferd gesetzt. Shit happens!


Marc

22.05.2014 - 09:55 Uhr

Haben denn da die Hersteller nicht eher ihre Arbeit nicht getan? Warum kann man sich denn nicht auf ein System einigen? Wie immer sind dann andere Schuld. Die Vergangenheit hat es doch gezeigt: VHS vs. Beta, CD vs. Compact Disc und erst vor kurzem die Stecker der Handy- Ladegeräte. Und bei den Zulassungszahlen lassen wir ebenfalls mal die Kirche im Dorf! Es kann mir nämlich KEINER erzählen das BMW alles Fahrzeuge auf Endkunden zugelassen hat...


Pagani

22.05.2014 - 10:11 Uhr

VW setzt auf CCS... Na so ein Zufall... Ein Schelm, wer Böses denkt.


Guido Rosenheinrich

22.05.2014 - 11:05 Uhr

Hallo Herr Arno Schmidt. Auf welchem Planeten leben sie denn.1. bei ca. 650 Nissanhändler arbeiten im Durchschnitt 10 Angestellte2. 80% der Modelle sind europäisch und die Zulieferer sitzen auch in Deutschland3. von den angeblich deutschen Modellen kommen viele aus Europa und diein Deutschland zusammengebaut werden haben Teile aus der ganzen Welt drin.4. wir Händler zahlen genug SteuernAlso vorher schlau machen......ansonsten Klappe halten.


Annotator

22.05.2014 - 11:35 Uhr

Wenn mann schon in Deutschland schon Autos vekaufen will, dann hat man sich gefälligst auch an "unsere" Standards zu halten.


Hardy Scheibe

22.05.2014 - 11:48 Uhr

Wer fährt denn überhaupt mit seinem Elektrorollstuhl auf der Autobahn längere Strecken? Diese Fahrzeuge sind doch, wenn überhaupt, nur im Kurzstreckeneinsatz sinvoll!


timbo

22.05.2014 - 11:53 Uhr

@ Marc; naja bei ca. 50 BMW i Agenten in Deutschland ist die Möglichkeit auf Vorführwagenzulassung eher eingeschränkt...


Aha

22.05.2014 - 12:23 Uhr

Da hat er wohl eher schlechte Lobbyarbeit geleistet. Aus dem Fehler kann er ja jetzt lernen. Viel Erfolg beim nächsten Mal.


Marc

22.05.2014 - 13:44 Uhr

@timbo: 50 BMW i Agenten á 5 Auto´s, Werkszulassungen, Sixt, Avis, dann doch den einen oder anderen privaten Kunden usw. So habe ich es mir einfach mal errechnet.


James Housten

22.05.2014 - 13:47 Uhr

Die Europazentralen von Nissan und Infiniti haben Ihren Sitz in der Schweiz (sicherlich nur "zufällig" im gleichen Kanton wie Philip Morris International, Bata, Nestle, Yahoo und Cisco). Man kann wohl davon ausgehen, dass sich die Steuer- und Abgabenlast, die Nissan in Deutschland zahlen muss, auf ein Minimum beschränkt. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rolle_VD


Fritz v. Seifenstein

22.05.2014 - 13:54 Uhr

Wen interessiert hier in Deutschland was (...) Nissan für seine paar Leaf für ein Ladesystem braucht.


iDau

22.05.2014 - 16:53 Uhr

Bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis auch die Allgemeinheit kapiert, dass Schnellladestationen die Akkus dieser tollen Elektro-Flitzer schädigen.


timbo

22.05.2014 - 17:40 Uhr

@ marc; Ich glaube nicht, dass die i Agenten jeden Monat einen Vorführwagen anmelden (wenn sie den überhaupt bekommen würden). Tageszulassungen gibt es nicht und Werkszulassung nur im homöopatischen Bereich. Der einzige Autovermieter der i3 im Program hat ist Sixt in München, Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main und Amsterdam sowie auf Mallorca. Da kommen auch nicht so viele Fahrzeuge zusammen. BMW hat da eher ein Problem die Fahrzeuge für die Kundenbestellungen zu produzieren. Die Wartezeit ist lang und nimmt auch nicht ab...


Starkstrompilot

23.05.2014 - 14:03 Uhr

Tatsache dürfte doch sein, dass die zwei deutschen Hersteller hier einen Standard definieren wollen der eigentlich schon lange von anderen definiert wurde. Die EU hat den Mennekes Typ2 bereits als Standard definiert. Dieser wird benutzt von Daimler, Renault und Tesla. Letzterer schickt über diesen Stecker sogar 120kW DC. Mit Wechselstrom geht er aber auch. Wozu also diesen riesigen CCS-Stecker? Die Ladestationen von CCS kosten nebenbei auch noch ein mehrfaches der Typ2-AC-Stationen. Besonders interssant aber wird es, wenn man mit seinem deutschen CCS-Stecker im Ausland laden will. Schade, geht nicht.Während Tesla seine Gratis-Supercharger selbst installiert und bezahlt, lässt sich BMW zwischen München und Leipzig CCS-Stationen vom Staat aufstellen. Ein großes Testprojekt. Da bin ich ja mal gespannt, wer alle 100-130km einen Stop einlegt, um zu tanken, während die Dieselfahrer durchfahren und den Teslas auf dieser Teststrecke eine Station reicht. Achja, die sind ja so teuer.Vielleicht sollte man sich einfach mal eingestehen, dass man zu spät dran ist, um irgendetwas zu definieren, auch wenn man sich in einer selbst bezahlten Studie zum Leitmarkt hat küren lassen.Euer Starkstrompilot


Gallardo

28.05.2014 - 13:36 Uhr

Hallo Hardy Scheibe,weißt du auch warum, noch nicht viele Leute mit diesen "Elektrorollstühlen" fahren? Oder nicht über weite Strecken?Genau, du hast es erfass! Da es noch nicht genug Ladesäulen an den Autobahnen gibt, wo die Fahrzeuge laden können.Denk mal drüber nach ;-)


Thomas Hausch

13.11.2014 - 13:50 Uhr

Sachlich sehr gut gebaute Sendung (link anbei) .. trifft unseren Schwachpunkt in D ... dabei sind Lösungen so einfach ... http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/br/2014/12112014-02-100.html


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