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Diskussionsrunde: Macht Schadenmanagement das Werkstattgeschäft kaputt?

Diskussionsrunde
Macht Schadenmanagement das Werkstattgeschäft kaputt?
Vertreter der Branche diskutierten das Schadenmanagement kontrovers.
© Foto: Goslar-Institut

Die Studiengesellschaft für verbrauchergerechtes Versichern e.V. in Goslar hat zur Diskussion in Studioatmosphäre um das Thema Schadenmanagement einige hochrangige Vertreter der Branche geladen.

Konkret ging es bei der kürzlich veranstalteten Diskussionsrunde des Goslar-Instituts um das Schadenmanagement der HUK-Coburg. Sie zahle ihren Vertragswerkstätten einen Stundensatz von knapp 60 Euro, während in Werkstätten Preise von 110 Euro und mehr pro Stunde üblich sind, wurde in der Aufzeichnung herausgestellt. HUK-Coburg habe inzwischen ein Netz von Werkstätten in Deutschland aufgebaut, denen die Versicherung Unfallschäden ihrer Versicherungskunden zusteuere, sofern die Kunden sich für einen besonders günstigen Tarif entschieden hätten. Die Werkstätten erhalten demnach für ihre Arbeit den Stundensatz von genau 59,90 Euro, so der Tenor. Etwaige Zweifel an der Qualität der Reparatur räumen Versicherung und Werkstätten mit einer fünfjährigen Garantie auf die Reparatur aus. Schwieriges Thema in der Branche Der Diskussionstitel "Hinterhof oder Highend? Servicequalität im Werkstattnetz der Versicherer" reizte die Experten zur Kontroverse. Auf dem Podium saßen Michael Legrand (Unternehmensberater der Dekra Consulting), Thorsten Rudnik (Vorstand im Bund der Versicherten), Dr. Klaus Weichtmann (Hauptgeschäftsführer Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik), Elmar Fuchs (Geschäftsführer des Bundesverbands der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen) und Klaus-Jürgen Heitmann (Mitglied des Vorstands der HUK-Coburg). Bei der Diskussion war dann rasch von "unmoralischem Regulierungsverhalten" der Versicherer die Rede. Wer Qualität haben wolle, müsse auch bereit sein, den Preis dafür zu bezahlen, legten die Schadenmanagementgegner nach. Eine Untergrenze von 60 Euro sei "ruinös". Heitmann darauf: "Das, was andere Dumping nennen, nennen wir angemessen." Das Karosserie- und Lackgeschäft stellt zur Zeit laut Dr. Weichtmann noch den ertragreichsten Zweig im Werkstatt- und Servicebereich dar. Kein Wunder also, wenn die Branchenverbände sich schützend vor die Preise ihrer knapp 4.000 Fachbetriebe stellen. Aus der Sicht des Unternehmensberaters der Dekra Consulting gibt es in diesem Geschäft jedoch "noch Schätze zu heben". Die Auslastung liege bei vielen nur bei 50 Prozent. Ein Optimum für Qualität und Preise liege aber bei 85 Prozent Auslastung. Heitmann spricht sogar von 90 Prozent bis 95 Prozent, die in den Vertragswerkstätten möglich seien, weil die Versicherung den Betrieben Aufträge nach Bedarf zusteuern könne. Damit seien auch andere Stundenpreise möglich: "Wir sind ein großer Einkäufer. Wir bekommen unsere Preise." Niemand, so Heitmann, werde gezwungen, das Angebot einer Versicherung anzunehmen. Auch der Versicherungskunde habe laut HUK die Wahl. Er könne sich für den normalen Tarif entscheiden. Damit bleibe ihm die Möglichkeit, weiterhin die Werkstatt seiner Wahl aufzusuchen und seinen Unfallschaden "fiktiv abzurechnen", also der Versicherung den Preis in Rechnung zu stellen, den ein Gutachter festgestellt hat. (gm)