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Kommentare () Kommentare (0) 22.06.2016

Fahrbericht Audi TT RS

König der Kompaktsportler

Fahrbericht Audi TT RS
König der Kompaktsportler
Der TT RS kommt auf 400 PS.
© Foto: Audi

Wer Siegerautos für Le Mans bauen kann, besitzt auch genügend Know-how, Spaßgeräte für die Straße zu konzipieren. Der neue Audi TT RS ist so ein Fall.

Von Michael Specht/SP-X

Tom Kristensen, neunmaliger Gewinner von Le Mans, des berühmtesten Langstreckenrennens der Welt, gibt im Führungsfahrzeug nur eine kurze Anweisung über Funk: "Bitte nicht überholen!" Dann gibt der Däne Gas. Im neuen TT RS geht es hinterher. Das Modell ist nicht nur Audis heißester Kompaktsportler, sondern auch der stärkste in seinem Segment.

Sein neu entwickelter Fünfzylinder-Turbo leistet nun 294 kW / 400 PS (zuvor 360 PS), mehr als jeder seiner wenigen Konkurrenten. Selbst ein Porsche 718 Cayman S kann hier nicht mithalten. Auch der Basis-Carrera nicht. Und gegen die Porsche-Ikone ist der Audi TT RS fast schon ein Schnäppchen. Das Coupé kostet mit 66.400 Euro rund 30.000 Euro weniger. Der TT RS Roadster startet bei 69.200 Euro. Beide sind ab Herbst im Handel.

Das Warten wird sich lohnen. Dies schon mal vorab. Nie zuvor hat Audi einen knackigeren Sportwagen auf die Räder gestellt als dieses Mal mit dem TT RS. Ein Spaßgerät erster Güte. Das zeigen schon die ersten Kilometer auf dem legendären, 13,6 Kilometer langen Kurs von Le Mans. Rasiermesserscharf regiert die Lenkung. Kurven durchzieht der Audi in einem Tempo, als gäbe es keine physikalischen Grundgesetze. Der Quattro-Antrieb scheint sich mit dem Asphalt zu verzahnen. Wenn es für dieses Auto einen Grenzbereich gibt, dann liegt dieser ganz gewiss beim Fahrer.

Aggregat ist komplette Neuentwicklung

Hinzu kommen der herrliche Sound des Fünfzylinders, der scheinbar vom Gasgeben gar nicht genug kriegen kann, so leichtfüßig und spielerisch dreht der TFSI hoch. Das Aggregat ist eine komplette Neuentwicklung, auch wenn es einen Vorläufer gab. Dieser allerdings besaß noch einen Grauguss-Block. Jetzt besteht der Motor komplett aus Aluminium und wiegt 26 Kilogramm weniger. "Das sind Welten auf der Vorderachse", sagt Stephan Reil, Leiter Technische Entwicklung Quattro GmbH. Zusammen mit der höheren Leistung (400 statt 360 PS) ergibt das eine Agilität, die schwer zu übertreffen ist. Der neue TT RS wiegt lediglich 1.440 Kilogramm. Danach muus ein PS nur 3,6 Kilogramm nach vorne treiben. Macht 3,7 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h. Ferrari-Niveau.

An Tom Kristensen dran zu bleiben bleibt trotzdem keine einfache Sache. Mit über 260 km/h geht es die scheinbar endlose Hunaudieres-Gerade hinunter. Präzise und wohl dosiert packen die Bremsen zu. Die anschließende Spitzkehre Mulsanne meistert der TT RS als führe er auf Schienen, um sogleich mit bestem Grip aus ihr heraus zu beschleunigen. Das Gleiche gilt für das Porsche Doppel-S auf dem Weg zu den Tribünen, zum berühmten Dunlop-Bogen und den Zuschauern, die gerade noch das Qualifying der LMP1-Renner verfolgt haben. Ohne Zweifel: Audis Top-TT macht süchtig, erst recht mit dem 7-Gang-Direktschaltgetriebe. Nur ein Wimperschlag vergeht und der nächste Gang sitzt.

Dass hier nicht nur Profis am Werk waren, sondern auch viel Sinn für tolle Details haben, zeigt der TT RS einmal mehr im Cockpit. Wie im R8 liegt der feuerrote Starterknopf jetzt im Lenkrad. Ebenso der Schalter für das Drive Select Fahrwerk. Dessen Spreizung gelang noch besser als beim Vorgänger. Guter Komfort im Alltag, straffes Programm für die Piste. Das perfekte Package. Serienmäßig hat der TT RS das digitale "Virtual Cockpit" an Bord. Es lässt sich in drei Modi umschalten, je nach Vorliebe und Einsatz. In der Basiseinstellung dominiert der große Drehzahlmesser. Als kleines Gimmick mahnt ein Schaltblitz, wenn es Zeit für den Gangwechsel wird.

Über 7000 TT RS hat Audi vom Vorgängermodell verkauft. Entwicklungschef Stephan Reil ist sich sicher, dass es dieses Mal mehr werden. "Die Nachfrage nach diesem Auto ist angebotsinduziert", so Reil. Will heißen: Kunden wollen ein Produkt haben, sobald es dieses gibt, selbst wenn sie zuvor auch ohne dieses gut zurechtgekommen sind.

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