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Kommentare () Kommentare (0) 02.12.2016

Fahrbericht BMW 530d xDrive

Präzision mit Geisterhand

Fahrbericht BMW 530d xDrive
Präzision mit Geisterhand
Schnelle Kurven meistert der neue BMW 5er mit verblüffender Leichtigkeit.
© Foto: BMW

Anfang 2017 kommt der neue BMW 5er. Den Selbstfahrer kann die Business-Limousine mehr begeistern denn je. Alternativ kann man das Fahren aber auch der Technik überlassen.

Von Mario Hommen/SP-X

Nach siebenjähriger Bauzeit und über zwei Millionen verkauften Exemplaren geht der aktuelle BMW 5er F10 in Rente. Sein bereits mit den Hufen scharrender Nachfolger hat uns zum ersten Ausritt nach Lissabon einbestellt. Wie es sich gehört, wurde die mindestens 45.000 Euro teure Neuauflage umfassend aufgerüstet. So bietet der neue 5er mehr Assistenzsysteme und mehr Dynamik bei weniger Durst. Auch in Hinblick auf die Digitalisierung und Konnektivität zündet der Business-Bayer weitere Stufen.

Bereits die Schlüsselübergabe sorgt für große Augen, denn der Signalgeber ist nur noch in Nebenfunktion auch Zündschlüssel. Display Schlüssel nennt BMW den Handschmeichler, der mit integriertem Mini-Touchscreen nicht nur Statusdaten wie Reichweite feinauflösend und farbig anzeigen kann, sondern außerdem die Bedienung verschiedener Funktionen wie etwa eine Vorkonditionierung der Klimaanlage erlaubt. Der kommende 5er ist vernetzt wie kein BMW zuvor.

Äußerlich bietet der Auftritt der Business-Limousine hingegen keine Überraschungen. Die Neuauflage trägt gut erkennbar alte 5er-DNA in sich, stellenweise sorgen vom 7er her bekannte Versatzstücke für etwas Frische. Neu interpretiert wurden zudem die Vieraugen-Scheinwerfer mit nun hexagonalen Ringen. Trotz einiger Zentimeter Längenzuwachs wirkt der 4,94 Meter gewachsene Bayer nicht plump und wuchtig, sondern schnittig. Und das ist er auch, denn ausstattungsabhängig liegt der cW-Wert der Karosserie zwischen 0,22 und 0,25.

Praktisch sind sieben Liter Verbrauch realistisch

Dem Aero-Feinschliff sei Dank, bleiben die Windgeräusche innen erfreulich niedrig. So niedrig, dass BMW auf eine optionale Doppelverglasung der Seitenfenster verzichtet. Zusätzlich wirkt sich die windschlüpfige Außenhaut positiv auf den Verbrauch aus. So liegt der kombinierte Normverbrauch des 520d Efficient Dynamics bei nur noch 3,9 Liter. Der von uns getestete 530d xDrive braucht gut einen Liter mehr, was angesichts des längsdynamischen Potenzials ein allerdings theoretischer Wert ist. Mit 195 kW / 265 PS und 620 Newtonmeter Drehmoment prescht der allradgetriebene 1,8-Tonner in nur 5,4 Sekunden auf Tempo 100. 250 km/h verstehen sich in dieser Leistungsklasse von selbst. Wer ab und an aus dem Vollen schöpft, wird praktisch mit rund sieben Litern leben müssen. Acht oder neun sind auch möglich.

Zurückhaltung beim Gasfuß fällt schwer, angesichts der leichtfüßigen Art des 5ers. Der dumpf grummelnde Reihensechszylinder wirkt meist unangestrengt und schiebt stets mit viel Nachdruck die Limousine voran. Immer zum Sprung bereit ist der 530d vor allem auch dank der superben Achtgang-Automatik, die ganz unmerklich im Hintergrund ihre Arbeit höchst geschmeidig verrichtet und stets die optimale Übersetzung in den Vortrieb wirft.

Geschmeidig ist auch das Fahrwerk, bei dem BMW allerdings auf eine Luftfederung verzichtet. Mit einer solchen kann zum Beispiel die Mercedes E-Klasse in besonders sanfter Weise Unebenheiten egalisieren. Eben das gelingt auch dem neuen Fahrwerk des 5er überraschend gut, allerdings in einer etwas verbindlicheren Weise. Selbst grobe Unebenheiten werden sauber kaschiert, dennoch bekommt man als Fahrer die richtige Rückmeldung zur Fahrbahnbeschaffenheit. Das passt gut zum gehobenen Fahrspaß-Niveau, denn die Business-Limousine lässt sich – besonders im Sportmodus und dank einer gegen Aufpreis mitlenkenden Hinterachse –  sehr präzise und sehr flott für forcierte Links-rechts-Manöver hernehmen. Wer den 5er mit Könnerhand Richtung Grenzbereich führt, wird von den Handlichkeit und Neutralität des 1,8-Tonners verblüfft. Da gibt es kein zuckendes Heck, kein Wimmern und Rutschen. Allerdings fährt sich der Bayer so perfekt und präzise, dass fast schon Langeweile aufkommen kann.

Komplexe digitale Welten

Spannend sind dafür die digitalen Welten und parallelen Bedienkonzepte, die der Arbeitsplatz des neuen 5er bietet. Unser Testexemplar ist selbstredend mit allem erdenklichen Schnickschnack gerüstet, welche der BMW-Kosmos bieten kann. Dazu gehören ein volldigitales Kombiinstrument, ein 10-Zoll-Touchscreen für das Infotainment-System oder ein farbenfrohes Head-up-Display. Bedienen kann man über den klassischen iDrive-Controller, diverse Schalter am Lenkrad, via Touchscreen, Sprachbefehl und Freihandgesten. Bei einer kurzen Einweisung wird uns klar, dass es vieler Erklärungen bedarf, dem Fahrer die komplexen digitalen Welten sowie die redundanten Bedienmöglichkeiten nahezubringen. Was zunächst kompliziert klingt, soll den 5er-Pilotan in der Praxis entlasten.

Wie zum Beispiel der Abstandstempomat, der in Kombination mit der Verkehrszeichenerkennung seine Geschwindigkeit nicht nur auf den Vordermann sondern auch an das situative Limit automatisch anpasst. Als Fahrer hat man die Möglichkeit, Abstand sowie einen Toleranzwert, um wie viel km/h das Limit über- oder unterschritten werden darf, vorzudefinieren. Darüber hinaus lenkt das Auto selber. Zumindest für einige Sekunden kann man auf der Autobahn die Hände vom Steuer nehmen, während der 5er ganz automatisch über Richtung und Geschwindigkeit bestimmt. Bis Tempo 210 funktioniert dieser per Knopfdruck aktivierbare Geisterhand-Modus. Doch 100 Prozent nach unserer Vorstellung in der Spur halten konnte der Co-Pilot den 5er auf den portugiesischen Autobahnen nicht. Mehrfach fühlten wir uns hierbei zum Eingreifen genötigt. Definitiv souverän funktionierte dafür das automatisierte Fahren mit dem Staufolgeassistenten. In Stop-and-go-Situationen bremste und lenkte die Technik tadellos. Pendler auf der morgendlichen Fahrt ins Büro könnten sich so während der Fahrt ihrer Rasur oder den E-Mails widmen.

Verdammt nah am 7er

Angesichts dieser technischen Innovationen erscheinen Fragen nach Qualitätsanmutung, Platzangebot im Innenraum oder Kofferraumvolumen fast schon nebensächlich. Sind sie auch, denn eigentlich ist der neue 5er hier fast über jeden Zweifel erhaben und verdammt nah am 7er. Lediglich Bein- und Fußfreiheit im Fond fallen angesichts der fast fünf Meter langen Karosserie nicht üppig aus. Auch der Kofferraum bietet mit 530 Liter eben ein nur klassenübliches Format. Verarbeitung, Ambiente und Materialien sind hingegen top.

Das betrifft auch die Preise, die sich natürlich auf hohem Niveau bewegen. Knapp 45.000 Euro kostet die Basis 520d, die eine bereits umfangreiche Serienausstattung bietet. Hierzu gehören eine Klimaautomatik, das Navisystem Business, LED-Vollscheinwerfer, Tempomat, 17-Zöller und vieles mehr. Der Basispreis liegt damit zwar höher als bisher, doch laut BMW bekommt der Kunde im Gegenzug auch mehr Ausstattung. Unser 530d kostet in der Grundversion rund 57.000 Euro. Trotz einer guten Basisausstattung lassen sich Extras im Wert eines neuen 3er bestellen. Angesichts der vielen verlockenden Möglichkeiten wird es jedenfalls schwerfallen, sich mit der Basis begnügen.  

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