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Kommentare () Kommentare (0) 23.04.2019

Fahrbericht Toyota Camry

Neuer Stern am Taxihimmel

Fahrbericht Toyota Camry
Neuer Stern am Taxihimmel
Der neue Toyota Camry soll den Taximarkt beflügeln.
© Foto: Michael Blumenstein

Der Toyota Camry kommt nach 15 Jahren wieder nach Deutschland und soll nicht weniger als "der neue Stern am Taxihimmel" sein. Richtig lohnen wird sich dieser Stern für die Händler wohl dennoch nicht.

Von Michael Blumenstein/Autoflotte

"Für den Satz gab es den bei der Händlertagung den größten Applaus", sagte Mario Köhler zu AUTOHAUS und freut sich gleichzeitig, dass von den 500 Einheiten für 2019 bereits 400 verkauft sind. Und dass, bevor der Wagen im Mai regulär bestellbar ist und ab August im Handel steht. "Für 2020 sind 1.000 Camry geplant", ergänzt der stets gut gelaunte Flottenchef von Toyota Deutschland. Vorwiegend werden auch diese an Taxiunternehmer verkauft, die den Vorteil des Hybridantriebs oft bereits erleben konnten.

Toyota ist Hybridvorreiter und drückt die Technologie seit dem Diesel-Dilemma auch in Deutschland in den Markt. "Nicht um jeden Preis", wie Köhler bekräftigt. Die Geschäfte müssen und sollen sich lohnen, für den Handel und für Toyota Deutschland. Dass es ihn ausschließlich mit einem Motor und immer als Limousine gibt, wird den Erfolg oder Nichterfolg kaum beeinflussen. Denn Deutschland ist ein Nischenmarkt für große Fahrzeuge aus Japan, Hybride und Limousinen sowieso. Anders in den USA. Dort ist der Camry seit Jahren die Nummer eins. Und in rund 100 Ländern hat er sich 19 Millionen Mal verkauft. Hut ab.

Das größte Potenzial von Camry Nummer acht sieht Köhler bei den Fahrdienstleistern. Sei es das klassische Taxi, Uber oder wie auch immer der Shuttle-Service genannt wird. Ein-Mann-Unternehmen, die sich und Fahrgäste entspannt von A nach B befördern wollen. Und da gibt es eine immer größere Anzahl, die dem Diesel den Rücken kehren und auf Hybrid setzen. Das zeichnet sich in allen europäischen Großstädten ab, bis auf Deutschland. Da sind nach wie die Selbstzünder trumpf. Berlin ist laut Toyota eine Ausnahme und rund 25 Prozent der Taxis in der Hauptstadt sind hybridisiert und haben das blaue Toyota-Emblem auf der Haube.

Der Camry soll nun alle abholen, die keinen Prius oder den größeren Prius+ mögen. Schmackhaft könnte den Einstieg der 2,5-Liter-Benziner im Bug des Camry machen. Diesen koppeln die Japaner noch immer mit einem Nickelmetallhydrid-Akku (NiMh) und einem kleinen E-Motor. Lithium-Ionen-Akkus, die eine höhere Energiedichte haben, gibt’s merkwürdigerweise lediglich für die US-Basisversion. Wie dem auch sei. Das Konglomerat leistet 218 PS auf die Chefentwickler Masato Katsumata mächtig stolz ist.

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Toyota Camry (2020)
Toyota Camry (2020)Toyota Camry (2020)Toyota Camry (2020)

Der Vierzylinder verstummt oft, wenn das Hybridherz genug Energie beim Rekuperieren gesammelt hat. Dann ist nichts vom stufenlose Getriebe zu spüren, was sich lediglich im Zusammenspiel mit dem Ottomotor bemerkbar macht. Wer den Gasfuß zügelt, gleitet mit unter fünf Litern durch Stadt und über Land. Auf der Autobahn sind es freilich mehr. Doch das ist nicht das Metier des 4,89 Meter langen Camrys. Er fühlt sich im urbanen Stopp-and-Go-Verkehr wohl und unterstützt den Fahrer serienmäßig mit diversen Assistenten, die Auffahrunfälle vermeiden helfen. Dass es nicht knirscht, dazu trägt auch die gute Übersichtlichkeit nach vorn und zu den Seiten hin. Die A-Säulen sind erfreulich schlank, das Spiegeldreieck fehlt und die Sicht nach schräg vorn ist auffallend gut. 

Das Cockpit schmiegt sich an den Fahrer, Tacho und Lenkradbedienung sind einfach zu durchschauen. Beim sieben oder acht Zoll großen Mittelmonitor scheiden sich ebenso die Geister wie bei der Gestaltung der Sitzheizungstasten. Das linke Beifahrerknie scheuert stets am "Designbogen", der ins Handschuhfach übergeht.

Das Credo "No More Boring Cars", das Toyota-Chef Akido Toyoda 2014 ausrief, passt. Langweilig ist der Camry weder innen noch außen. Und dass er in vielen Ländern das Dauerabo auf den ersten Platz hat, wirft die Frage auf: Warum klappt das in Deutschland nicht? 39.990 Euro könnte eine Hürde sein, wenngleich er in den USA mit ähnlicher Ausstattung ähnlich viele Dollar kostet. Vielleicht sind es aber auch Dinge wie die haptische Verarbeitungsqualität. Vieles was man anfasst, fühlt sich wenig handschmeichelnd an. Sei es der labbrige Tankdeckel, der den Weg zum 50-Liter-Tank freigibt, die Kunststoffeinsätze um die Fensterheber herum oder die Kofferraum-Innenverkleidung. Aber! Es sieht so aus, als sei es für die Ewigkeit gemacht. Simpel, funktional, aber eben nicht fein. Toyota fasst das wohl mit dem Kürzel "QDR" zusammen: Quality, Durability und Reliability (Qualität, Haltbarkeit, Verlässlichkeit) und unterfüttert es mit niedrigen TCO, die unter anderem auf kleinem Spritverbrauch und Bremsenverschleiß beruhen. 

24.000 Mal perfektioniert

Vielleicht ist es mit dem Camry tatsächlich so wie mit Jeans und Automatik-Uhren. Die besten kommen Insidern zufolge aus dem Land der aufgehenden Sonne; selbst wenn das US-Amerikaner und Schweizer anders sehen. Alles ist auf Langlebigkeit und Exaktheit gepolt. Zum Perfektionieren hatte Chef-Entwickler Katsumata 24.000 Gelegenheiten. Aus so vielen Teilen besteht der in Japan produzierte Camry. Bei wie vielen Teilen es gelungen ist, erfährt vielleicht der eine oder andere Fan mit einer Momotaro-Jeans am Leib und der Grand Seiko am Handgelenk.

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