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Fahrbericht Ford Mustang: Besser spät als nie

Bereit für den Kavalierstart in Europa: der neue Ford Mustang
© Foto: Ford

Nach 50 Jahren kommt das bekannteste US-Auto auch nach Deutschland und das gleich als echtes Schnäppchen: Der Ford Mustang hat einen Achtzylinder mit 426 PS und ist schon ab 39.000 Euro zu haben.


Datum:
24.09.2014
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Von Peter Maahn/SP-X

Gut drei Wochen dauerten die Dreharbeiten in und um San Francisco. Zehn Minuten davon schafften es 1968 ins Kino und verhalfen dem Thriller "Bullitt" zum Kultstatus. Die wildeste und längste Autojagd der Filmgeschichte ganz ohne Computeranimation. Steve McQueen als Frank Bullitt jagt in seinem Ford Mustang böse Buben in deren Dodge Charger. Das Gute siegt, die gehetzten Killer rasen in eine Tankstelle und büßen ihr schädliches Treiben im Explosionsfeuer. In Europa kannte bis dahin kaum einer das siegreiche Sportcoupé. Schnell wurde der Mustang berühmt, hatte über 3.300 weitere Auftritte im Film und Fernsehen, wurde ebenso ein amerikanisches Symbol wie der Jeep, die Coca Cola, der Cowboy mit der Marlboro-Zigarette oder der Burger im Fastfood-Restaurant.

50 Jahre hat es gedauert, bis Ford seine längst weltbekannte Ikone in Kürze auch außerhalb der US-Grenzen verkauft. Und das zu einem verblüffend niedrigen Einstiegspreis. Für knapp 39.000 Euro wird man sich den Mustang in den heimischen Stall stellen und überall berichten können, dass da ein Sportwagen mit acht Zylindern und über 400 PS parkt.

Chefingenieur Dave Periak tritt dem Verdacht des Billigautos vehement entgegen. "Wir haben das ganze Auto neu entwickelt und viel Geld investiert." Er nennt das Fahrwerk, die gesamte Abstimmung, die Innenausstattung und die Motoren. In Summe sind Periak und seine Mitstreiter überzeugt, dass sich der neue Mustang auch auf deutschen Autobahnen nicht blamiert, dass er vernünftig geradeaus fährt und mehrere Vollbremsung hintereinander übersteht. "Ein echtes Weltauto, das wie Focus oder Fiesta ohne große Unterschiede rund um den Globus bei den Händlern stehen wird."

Keine polternde Hinterachse mehr

Besonderes Augenmerk richtete Periak auf die Hinterachse, die bisher traditionell von der starren Art war. Jetzt stützt sich der Mustang mit den Hinterläufen einzeln ab, poltert nicht mehr und lässt sich recht präzise um die engen Kurven in den vielen Canyon-Passagen nahe Los Angeles twisten. Die Zeiten, in denen man sich stets vor einem ausbrechenden Heck in Acht nehmen musste, sind vorbei.

Der überarbeitete Fünfliter-Achtzylinder mit seinen 313 kW / 426 PS hält das, was die Papierform verspricht. Nach dem Start per Druckknopf bullert er zunächst behaglich vor sich hin. Spürt der Mustang die Sporen des Gaspedals, galoppiert er ohne Denkpause los, brüllt dabei aber nicht mehr grollend wie früher. Eher dringt solides Arbeitsgeräusch in den Innenraum, dezent und fast gediegen. Die deutsche Getrag-Handschaltung mit ihren sechs Gängen trägt mit kurzen Wegen in gut geführten Schaltgassen zum unverhohlenen Spaß am Ausritt bei. Nach, aus Respekt vor den Laserpistolen der Sherriffs, betont verhaltener Gangart, meldete der Bordcomputer einen Verbrauch von gut 13 Litern auf 100 Kilometern.

Eine Nummer kleiner

Es geht auch bescheidener, wie die zweite Testetappe zeigt: Im anderen Mustang arbeitet ein Ecoboost-Motor mit vier Zylindern und nur 2,3 Litern Hubraum. Dank Turbohilfe und Direkteinspritzung kommt er dennoch auf 309 PS und liegt in fast allen im Alltag wichtigen Leistungsdaten mit dem großen Bruder auf Augenhöhe. Nur bei der Durchzugskraft (ca. 407 Newtonmeter) fährt er dem Achtzylinder (529 Nm) deutlich hinterher. Dafür ist der "Kleine" mit knapp acht Litern erheblich genügsamer, ermuntert zum frühen Hochschalten und bietet all das, was man nun einmal von dieser Art von Autos erwartet. Nur der Sound der vier Zylinder wird für die Ohren der Fans zu banal und alltäglich klingen. Da der geschrumpfte Mustang auch ohne martialische Begleitmusik ein waschechter Sportler ist und zudem schon ab 34.000 Euro zu haben sein wird, ist ihm der Zuspruch gewiss.

Enttäuschend ist die fehlende Aufmerksamkeit der doch so autoverrückten Amis. Das bekannteste Auto der USA, erstmals ungetarnt in freier Wildbahn und keiner reckt den Hals, fragt nach Leistung und Preisen, zückt ein Foto-Handy. Dabei schneiderte Designer Moray Callum, sein Bruder Ian ist Chef-Kreativer bei Jaguar, dem neuen Mustang ein durchaus erkennbar verändertes Äußeres. Das Kühlergesicht soll an ein Haimaul kurz vor dem Zubeißen, die neuen schmalen Scheinwerferaugen an mutige Entschlossenheit erinnern. Das Coupé wurde flacher und wirkt durch diverse Karosseriefalze noch gestreckter als die Länge von 4,78 Metern im Datenblatt suggeriert. Am Heck integrierte Callum einen dezenten Spoiler.

Bei alledem aber ist der Mustang immer noch auf den ersten Blick zu identifizieren. Lange Motorhaube, markant abfallende Dachlinie und knuffiges Hinterteil. Vielleicht ist ja deshalb niemand stehengeblieben, weil ein Mustang, der wie ein solcher aussieht, einfach nicht als neu wahrgenommen wird.

Innenraum vermittelt Wertigkeit

Das könnte in deutschen Landen anders werden. Hier wird er ohne Zweifel auffallen und für teurer gehalten werden als er ist. Das "mehr sein als kosten" gilt übrigens auch für den Innenraum. Rund um die beiden Insassen entdeckt man reichlich Kunststoff, der aber durchaus Wertigkeit vermittelt. Liebe zum Detail ist im und um das Armaturenbrett herum verteilt. Und eine Lederausstattung könnte sogar schon beim Basismodell serienmäßig sein. Die genaue Ausstattung für die kommenden Exporte nach Deutschland steht noch nicht fest. Es wird Abstandsradar geben, einen Toten-Winkelwarner, Rückfahrkamera und vieles mehr. Ford will Pakete schnüren, in denen diese Extras gebündelt und so recht günstig angeboten werden. Aber auch Albernheiten wie eine Vorrichtung zum sogenannten "Burn-Out" ist an Bord: Dabei wird der Mustang nur vorne gebremst und darf sich mit den beim Gasgeben durchdrehenden Hinterrädern hemmungslos in eine Gummi-Qualm-Wolke hüllen.

Ein Extra allerdings wird in der noch ungedruckten Preisliste nicht zu finden seins: Die berühmte Ford-Pflaume, die nirgendwo am Coupé angebracht ist, kann nicht nachgerüstet werden. Als Typenbezeichnung findet man nur "Mustang" oder "GT" beim Achtzylinder. (sp-x)


Ford Mustang (2015)

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