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Fahrbericht Nissan X-Trail: Vom Offroad-Dino zum Lifestyle-SUV

Sieht aus wie ein SUV heute aussehen muss: Nissan X-Trail
© Foto: Nissan

Der größere Bruder des Nissan Qashqai ist ins Hintertreffen geraten, weil rauhe Geländewagen nicht mehr so gefragt sind. Mit der Neuauflage des X-Trail starten die Japaner jetzt in der Riege der Allzweck-SUV.


Datum:
21.08.2014
Autor:
<br>Von Peter Maahn/sp-x
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Alles sollte anders werden: Deshalb schickte Nissan seinen Gelände-Dino X-Trail ins Schönheitsstudio, ließ kein Blechteil auf dem anderen und erfand das einst erfolgreiche Modell von Grund auf neu. Heraus kam ein nett anzusehendes SUV, das sich nahtlos in die Riege der Besten seiner Zunft einreihen kann. Waren bislang Matsch, Schlamm und Querfeldein die Domänen des Japaners, kann sich der neue Familienkombi im Offroad-Look durchaus auf der Kö, dem Kudamm oder der Leopoldstraße blicken lassen. Und wird auch häufiger als bisher vor der Kita oder der Staatsoper parken.

Die große Zeit der urigen Geländewagen ist nun mal vorbei, was auch bei den Verkaufszahlen des Urgesteins seine Spuren hinterließ. Während der kleinere Qashqai Nissans Kassen füllte, mutierte der um gut 25 Zentimeter längere X-Trail zum ladenhütenden Sorgenkind. Also kamen die Strategen auf die Idee, mit der Neuauflage gleich zwei Baustellen anzugehen. Da es für den neuen Qashqai keine Langversion mit dem Zusatz "+2" mehr gibt, soll der X-Trail auch dessen Ex-Kunden im Hause halten. Schließlich kann er auf Wunsch mit zwei versenkbaren Zusatzsitzen im Fond versehen werden und dann bis zu sieben Insassen mit auf Tour nehmen.

Rundlicher und glatter

Die werden dann von dem neu geschneiderten Blechkleid umrahmt, das deutlich rundlicher und glatter anmutet als bisher. Vor allem die Frontpartie im aktuellen Nissan-Look sieht richtig gefällig aus, ohne dabei penetrant weichgespült zu wirken. Charakter ja, aber eben alles eine gute Portion sanfter. Einer der wichtigsten Erfolge der Designerkunst ist die Streckung des Radstandes um fast acht Zentimeter, die zusammen mit der jetzt möglichen Verschiebung der Sitze in der zweiten Reihe für verblüffende Bein- und Kniefreiheit sorgt, die die Hinterbänkler regelrecht verwöhnt. Durch ausgeklügelte Variabilität ähnlich der des Qashqai ist der X-Trail auch als Lastesel nutzbar. Zwischen 550 und 1.982 Liter Stauraum sind mehr als ordentlich.

Beim Motorenangebot befreit Nissan künftige Kunden von der sonst üblichen Qual der PS-Wahl. Derzeit gibt es nur ein Einheitstriebwerk, einen Diesel mit eher bescheidenen 1,6 Litern Hubraum. Der muss sich mit 96 kW / 130 PS begnügen und steht mit einer Durchzugskraft von 320 Newtonmetern im Datenblatt. Von der Papierform her stellt sich vor der ersten Testfahrt schon die Frage, ob das alles für ein standesgemäßes Fortkommen mit dem je nach Version bis zu 1,6 Tonnen schweren X-Trail ausreicht.

Diesel will bei Laune gehalten werden

Nun gut, das "S" im Gattungskürzel "SUV" (Sport Utility Vehicle) ist nicht der größte Buchstabe im X-Trail-Alphabet. Der Motor will zum einen fleißig geschaltet, zum anderen bei Laune gehalten werden. Bis die Nadel des Drehzahlmessers die "2000" erreicht hat, passiert nicht allzu viel. Dann lässt er sich zum gelassenen Mitschwimmen im Alltagsverkehr bewegen, bewältigt aber zuverlässig auch Überholmanöver, wenn die Lücke zum Entgegenkommenden nicht allzu knapp bemessen ist. Nissan nennt eine Spitze von bis zu 186 km/h und einen Spurt auf Tempo 100 in gut elf Sekunden. Aber Nutzer dieser Art von Autos legen ohnehin mehr Wert auf Komfort, hohe Sitzposition, Raumangebot und praktischen Nutzen. Oder warten auf den 1,6-Liter-Benziner, der dann 120 kW / 163 PS haben wird.

Der X-Trail ist ab 26.790 Euro zu haben. Klimaanlage, Alu-Räder, Einparkhilfe vorn und hinten, LED-Tagfahrlicht oder Tempomat sind bei allen Versionen serienmäßig. Gegen Aufpreis gibt es diverse Assistenzsysteme, darunter auch eine Notbremsfunktion bei drohendem Aufprall. In der Liste der Extras stehen unter anderem LED-Scheinwerfer, eine elektrisch öffnende Heckklappe, eine Kamera mit 360-Grad-Rundumsicht oder eine Internet-Anbindung. Wer das nötige Guthaben auf dem Konto hat, kann also gut 40.000 Euro ausgeben.

Allrad ab 31.390 Euro

Auch wenn für die meisten Nutzer der standardmäßige Frontantrieb völlig ausreichen dürfte, werden sich laut Nissan-Prognose gut die Hälfte für die Version mit Allrad entscheiden, mit der dann auch Ausflüge abseits fester Straßen möglich werden. Mittels Drehrad kann zwischen Frontantrieb, automatischem Vierradantrieb oder der festen Verteilung der Motorkraft im Verhältnis 50:50 auf beide Achsen gewählt werden. Ein Allradler unter den X-Trails ist ab 31.390 Euro zu haben, allerdings nicht mit dem sonst lieferbaren stufenlosen Automatikgetriebe.

Da der X-Trail auch im Innenraum einen mehr als passablen Eindruck macht, gut verarbeitet und mit japanüblichen, leicht beherrschbaren Bedienelementen ausgestattet ist, wird er sicher auf die Gegenliebe der SUV-Gemeinde treffen. Allerdings kommt er etwas spät und trifft deshalb auf wohlsituierte Rivalen, die seit Jahren das Geschäft unter sich ausmachen. Aber: Nissan gehört inzwischen zu den erfolgreichsten Mitspielern in dieser Klasse und kann seine reichhaltige Kundenkartei einsetzen, in der zum Beispiel eben jene Besitzer des verblichenen Qashqai+2 als Zielgruppe verzeichnet sind. Das neue Leben des X-Trail kann beginnen. (sp-x)


Nissan X-Trail (2014)

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