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Fahrbericht Smart Fortwo / Forfour: Kurz und würzig

Wer Raum benötigt, der greift zum viersitzigen Smart Forfour
© Foto: Daimler

Wenn man Geschäftsführerin Annette Winkler Glauben schenkt, dann ist die dritte Generation des Smart die seligmachende Lösung für alle Probleme der in die Städte strebenden Menschheit.


Datum:
06.11.2014
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Von Michael Kirchberger/SP-X

Bereits heute leben 54 Prozent der Weltbevölkerung in den Metropolen. Bis 2050 sollen es nach Ansicht der UNO schon 66 Prozent aller Menschen sein. Doch auch im urbanen Umfeld ist individuelle Mobilität gefragt. Antworten soll die Neuauflage des zweisitzigen Smart geben. Und wer doch etwas mehr Raum benötigt, der greife zum viersitzigen Smart Forfour. Der wurde in Kooperation mit Renault entwickelt und startet bei den Franzosen als neuer Twingo. Mindestens 10.895 Euro kostet die kurze Version des Stadtautos, 11.555 Euro sind für die Familienvariante fällig.

Geblieben ist es bei der Länge des 1,6 Millionen Mal verkauften dreitürigen Vorgängers. 2,69 misst der neue Fortwo, dieses Maß sei den Entwicklern heilig, sagt Smart-Chefin Winkler. Der Fünftürer ist 80 Zentimeter länger und kommt auf 3,49 Meter – immer noch deutlich weniger als das, was landläufig als Kleinstwagen gilt.  Formal hat sich dagegen eine Menge geändert. Der kleine Smart hat eine Nase bekommen, die Haube vorn, unter der kein Motor sondern nur die Behälter für Waschwasser und Bremsflüssigkeit zu finden ist. Sie stellt sich nicht über Scharniere auf, sondern muss manuell abgenommen werden und hängt dann an zwei Gurten wie am Hosenträger über die Front herunter. Die Anforderungen des Fußgängerschutzes waren der Grund für die konstruktiven Änderungen. Der Motor sitzt im Heck unter dem Kofferraumboden, temperiert das Gepäckabteil aber nur mäßig. Gewonnen hat der Fortwo in der Breite, satte zehn Zentimeter mehr werden geboten, das kommt dem Innenraum deutlich spürbar zu gute.

Es sitzt sich in beiden Versionen gut. Gewiss – man wünscht sich als Fahrer etwas mehr Abstellfläche für die Füße, an Langstreckenfahrten denken wir lieber nicht. Auch das Lenkrad lässt sich nur bei den höherwertigen Ausstattungen in der Höhe verstellen, eine axiale Justierung ist gar nicht möglich, wäre aber dem Finden einer angenehmen Sitzposition dienlich.
Im Viersitzer hocken auch die Rückbank-Passagiere in würdevoller Haltung, für den Gepäcktransport stehen im Dreitürer 260 bis 350, im Fünftürer 185 bis 975 Liter Ladevolumen bereit. Beim Verladen ist jedoch zumindest beim kurzen Smart Vorsicht geboten, die Schliesshalterungen der bei diesem Modell horizontal geteilten Kofferraumklappe ragen gut zweifingerbreit in die Laderaumöffnung und drohen den Koffern mit ihren harten Kanten. Beim Forfour macht das Readyspace genannte Sitzkonzept den Fond variabel. Mit einer Handbewegung lässt sich die Sitzfläche der Rückbank wegklappen und steigert die Laderaumhöhe um zwölf Zentimeter.

Einen Dieselmotor wird es nicht geben

Zwei Dreizylinder-Benziner stehen zur Markeinführung im November für den Zweitürer zur Wahl. Beim Forfour beschränkt sich das Angebot zunächst auf das vorläufige Basistriebwerk, den Saugmotor mit 52 kW / 71 PS und 91 Nm Drehmoment. Grundsätzlich wird diese Maschine ebenso wie der stärkere Turbomotor, der 66 kW / 90 PS leistet und es auf 135 Nm Drehmomentspitze bringt, mit einem manuellen Fünfganggetriebe kombiniert. Im Frühjahr 2015 folgt ein Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gängen ebenso wie die Einstiegsmotorisierung mit einem 45 kW / 60 PS-starken Dreizylinder. Die Verbrauchswerte: 4,1 und 4,2 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Einen Dieselmotor wird es nicht geben, zu gering ist die Akzeptanz des Selbstzünders in dieser Klasse. Wohl aber einen Elektroantrieb, der allerdings erst geraume Zeit nach der Einführung der weiteren Versionen (Cabrio, Brabus) 2015 folgen wird.

Wohltuend ist der Verzicht auf das automatisierte Schaltgetriebe, das mit seinen als ewig empfundenen Zugkraftunterbrechungen die Karosserie des Smart und die Köpfe seiner Passagier bisher zu unvermeidbaren Nickbewegungen angeregt hat. Die Handschaltung funktioniert hinreichend genau, der Doppelkupplungsautomat beschleunigt den Fortwo je nach Motorversion in 14,4 und 10,4 Sekunden nahezu ruckfrei von 0 auf 100 km/h. Das Nicken hat der kleine Smart dennoch nicht verlernt. Auch die Verlängerung des Radstands kann Längsbewegungen der Karosserie nicht völlig unterbinden. Kurze Wellen in der Fahrbahn führen ebenfalls zum sanften Galopp über die Straße, weitaus erträglicher als bisher, versteht sich. Denn die Fahrwerksänderungen mit dem Einbau von McPherson-Federbeinen vorn und einer DeDion-Hinterachse (mit längs eingebauten Drehfedern) erweisen sich als überaus wirksam. Dazu kommt die überragende Handlichkeit des Smart. Der Fortwo dreht mit einem Wendekreis von 6,95 Metern gewissermaßen auf der Hinterhand, der Forfour erledigt diese Aufgabe mit 8,65 Metern kaum weniger gut.

Neues Luftkissen für die Knie

Für die Sicherheit sind fünf Airbags an Bord, neu ist das Luftkissen für die Knie, das den gesamten Fußraum des Fahrers bei einem Aufprall polstert. Dazu gibt es optional einen empfehlenswerten Seitenwind-Assistent, den Abstandswarner mit Notbremsfunktion, den Laneassist mit Spurhaltewarnung sowie eine Geschwindigkeitsregelanlage. Das Panoramadach im Fortwo und das Faltdach im Forfour steigern das Fahrerlebnis, das JBL-Soundsystem für 600 Euro trägt außerdem dazu bei. Die drei Ausstattungslinien Passion, Prime und Proxy sind für beide Baureihen zu haben.

Für Konnektivität ist das Smart-Media-System mit seinem berührungssensitiven Siebenzoll-Farbmonitor zuständig, Bluetooth-Technik für freies Sprechen beim Telefonieren und Audio Streaming gehört dazu und kostet im Cool&Audio-Paket einschließlich der Klimaautomatik 1.700 Euro. Für kleineres Geld gibt es die 100 Euro kostende Cradle-Lösung, mit der Smartphones über eine angepasste Schnittstelle integriert werden können. Was bei den meisten Modellen eine Navigationsoption einschließt. Dazu bietet Smart kostenlose Apps, etwa eine, die fahrzeugspezifische Parkplätze in Großstädten aufzeigt und die Navigation dorthin startet. In Barcelona, wo beide Smarts für erste Probefahrten bereitstanden, gibt es bereits 200 dieser Parkplatzempfehlungen.

Die Fahrten in der katalanischen Hauptstadt konnte die Wendigkeit beider Smart-Modelle eindrucksvoll nachweisen. Haben aber auch gezeigt, dass der tägliche Stau in den Metropolen für alle gilt, ob sie nun 2,69, 3,49 oder mehr als fünf Meter lang sind.


Smart Fortwo / Forfour (2015)

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