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Fahrzeugkauf: Abgasaffäre ohne nennenswerten Einfluss

Fahrzeugkauf
Abgasaffäre ohne nennenswerten Einfluss
© Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Zum Themenspecial Abgas-Skandal

Wirkt sich die Diskussion um manipulierte Abgaswerte auf den Autokauf aus? Nur in überschaubarem Maße, wie der DAT-Report 2017 zeigt. Aus Sicht vieler Käufer zählt der Diesel noch nicht zum alten Eisen.

Der Einfluss des Abgasskandals auf den Fahrzeugkauf hält sich in Grenzen. Das zeigen erste Ergebnisse des DAT-Reports 2017, die die Deutsche Automobil Treuhand am Mittwoch in Berlin vor 270 Branchengästen präsentierte. Demnach gaben 15 Prozent der Neuwagenkäufer und zehn Prozent der Gebrauchtwagenkäufer an, dass die Diskussionen um manipulierte Stickoxidwerte bei Dieselwagen ihre Kaufentscheidung beeinflusst hätten. Von diesen Teilgruppen wechselten 35 Prozent der Neuwagen- und 40 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer deswegen die Marke. Und 30 bzw. 23 Prozent entschieden sich für eine andere Motorisierung.

Aus Sicht der deutschen Autokunden hat der Diesel noch lange nicht ausgedient. Knapp die Hälfte der Befragten (46 Prozent NW-, 47 Prozent GW-Käufer) glaubt weiterhin an den Selbstzünder als Antriebsform der Zukunft. Nur etwa ein Viertel erwartet, dass er an Bedeutung verlieren wird. Zu ähnlichen Anteilen wussten es die Käufer nicht oder wollten sich nicht dazu äußern.

Autokauf macht vielen Spaß

Trotz des Booms von neuen Mobilitätsformen hat der eigene Wagen nach wie vor einen hohen Stellenwert. Laut aktuellem DAT-Report sehen sich über 90 Prozent aller Fahrzeugkäufer ohne Auto deutlich in ihrer Mobilität eingeschränkt. Das gelte auch für Bewohner von Großstädten, in denen mehr als 500.000 Menschen leben, hieß es. Ohnehin ist der Autokauf für viele mit Emotionen und Spaß verbunden: Für 57 Prozent der Neuwagen- und 39 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer stellt der Vorgang ein Erlebnis dar. Nur acht Prozent betrachten den Erwerb eines neuen Autos als notwendiges Übel. Bei Gebrauchten liegt dieser Anteil bei 21 Prozent.

Für ihre Autoliebe greifen die deutschen Käufer immer tiefer in die Tasche. Durchschnittlich investierten sie im vergangenen Jahr 11.430 Euro in einen Gebrauchtwagen, 2015 waren es 10.620 Euro. Der gestiegene Preis führte vor allem dazu, dass der Gesamtumsatz mit gebrauchten Pkw im Vorjahresvergleich um neun Prozent auf 84,6 Milliarden Euro zulegte. Einen kleinen Beitrag lieferte die um ein Prozent gewachsene Zahl an Gebrauchtwagenkäufern. Diese hat sich seit 2010 fast in jedem Jahr erhöht.

"Die Händler verkaufen die besseren Autos"

Auffällig ist, dass der Privatmarkt für Gebrauchte seit 13 Jahren immer weiter schrumpft. Nach der Studie wird jetzt nur noch ein Drittel (32 Prozent) der Fahrzeuge von Privatperson an Privatperson verkauft. Es war einmal mehr als die Hälfte. "Das ist ein positives Signal für den Handel", sagte dazu DAT-Sprecher Martin Endlein. "Die Händler verkaufen die besseren Autos."

Für einen Neuwagen zahlten die Befragten dem neuen DAT-Report zufolge im Schnitt 29.650 Euro – über 1.000 Euro mehr als im Jahr davor. Für den Verband der Automobilindustrie (VDA) ist das ein gutes Zeichen. "Die Leute wollen ein sparsames und effizientes Auto, aber keine rollende Verzichtserklärung", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Der Anteil der Privatleute bei den Neuzulassungen sei gestiegen – wenn auch nur leicht um 0,8 Punkte auf 35 Prozent – und auch die jährliche Strecke pro Auto. Zuverlässigkeit und Design seien den Autofahrern wichtiger als der Anschaffungspreis.

Internetnutzung steigt

Vor dem Fahrzeugkauf gehört die Internetrecherche inzwischen zum Pflichtprogramm: 74 Prozent der NW-Interessenten informieren sich dort über das Modell- und Ausstattungsangebot oder vergleichen Preise. Das sind acht Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Und: 16 Prozent aller von Privatpersonen gekauften Neuwagen laufen bereits über ein Online-Vermittlungsportal (plus fünf Punkte). Wegen des Internets wechselt jeder Fünfte die Marke – ebenso viele entscheiden sich aufgrund der Online-Offerten statt für einen Gebrauchten für ein neues Auto. Bei den GW-Käufern liegt die Internetnutzung mit 74 Prozent auf gleich hohem Niveau. Wegen der Internetangebote werden 31 Prozent ihrer Marke untreu, 14 Prozent ihrem zunächst präferierten Händler.

Doch nicht nur beim Autokauf führt am WWW kaum ein Weg mehr vorbei – auch im Servicegeschäft spielt das Netz eine immer wichtigere Rolle. Von den befragten Pkw-Haltern buchen mittlerweile 28 Prozent online einen Kundendienst, 22 Prozent eine Reparatur. In den Großstädten betragen die Anteile bereits 37 bzw. 30 Prozent. Wer im Internet nach Informationen für den nächsten Werkstattaufenthalt sucht, der surft zu 35 Prozent auf Servicebörsen.

Werkstätten: Freundlichkeit ist Trumpf

Erstmals ging die DAT der Frage nach, warum sich ein Kunde für seine Werkstatt entscheidet bzw. was ihm wichtig ist. An erster Stelle steht demzufolge die Freundlichkeit des Personals, danach folgen die gute Lage, die gute Betreuung, die Beratung und die Qualität der durchgeführten Arbeiten. Die Nähe zum Wohnort, langjährige Bekanntschaft und das Know-how des Personals liegen noch vor dem Argument "gutes Preis-Leistungs-Verhältnis".

Die Marktanalyse belegt ferner den hohen Kommunikationsbedarf in der Werkstatt. 62 Prozent der Befragten bevorzugen vor einer anstehenden großen Inspektion eine ausführliche Dialogannahme. Demgegenüber stehen 35 Prozent, die nur den Schlüssel abgeben wollen und dann die Profis ihre Arbeit machen lassen. Bei den Frauen liegt dieser Wert mit 41 Prozent deutlich über dem Durchschnitt. (rp)

Der DAT-Report ist seit über 40 Jahren das Nachschlagewerk für die Kfz-Branche. Die neue Ausgabe kann ab Mitte Februar über die Internetseite www.dat.de/report bestellt werden.

Bildergalerie
Präsentation DAT-Report 2017

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