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E10, Super, teuer: Spritchaos erreicht Bundestag

Nach dem E10-Debakel sollte die Wiedereinführung des gewohnten Super eigentlich für Ruhe sorgen. Doch die Preispolitik der Konzerne erhitzt erneut die Gemüter.
© Foto: Norbert Millauer/dpad

Nach dem Debakel um den ungeliebten Biosprit E10 sollte die Wiedereinführung des gewohnten Super eigentlich für Ruhe sorgen. Doch die Preispolitik der Konzerne erhitzt erneut die Gemüter.


Datum:
12.04.2011
Autor:
<br>Von Daniel Rademacher, dpa
6 Kommentare

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An vielen Tankstellen in Deutschland gibt es zwar wieder das gewohnte Superbenzin zu kaufen, doch die Autofahrer müssen dafür nun oftmals tiefer in die Tasche greifen. Nach einer Stichprobe der "Bild"-Zeitung (Dienstag) wird der Kraftstoff mit fünf Prozent Ethanol und 95 Oktan an manchen Zapfsäulen zum gleichen Preis angeboten wie das hochwertigere Super Plus (98 Oktan). Schon am Mittwoch will der Bundestag über die Spritpreise debattieren.

Nach dem Chaos um den umstrittenen Biosprit E10 bieten viele Tankstellen nun wieder den gewohnten Superkraftstoff an. Aral und Shell haben das für ihre Stationen in Süd- und Ostdeutschland angekündigt, aber noch nicht gestartet. Der Biokraftstoff E10 mit zehn Prozent Ethanol ist bislang bei den Autofahrern weitgehend durchgefallen. Bislang gibt es nur wenige Tankstellen, die drei Benzinsorten anbieten, E10 und E5 mit 95 Oktan und eine weitere Sorte mit 98 Oktan. In Nord- und Westdeutschland gibt es noch kein E10. Dadurch ist die Lage unübersichtlich.

Der Automobilclub ADAC wirft den Unternehmen angesichts ihrer Preisgestaltung Abzocke vor. "Das ist der dreiste Versuch, den Autofahrern das Geld aus der Tasche zu ziehen. So kann es eigentlich nicht weitergehen", sagte ADAC-Sprecher Klaus Reindl der Nachrichtenagentur dpa. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) forderte die Mineralölkonzerne bei ihrer Preispolitik für das gewohnte Superbenzin zum Umlenken auf: "Es kann nicht sein, dass die Ölfirmen dafür einen Preis verlangen wie vorher für Super Plus."

Aral-Sprecher Detlef Brandenburg wies diesen Vorwurf zurück. Er betonte, dass an den Zapfsäulen der Marktführers Super "mit Super-Plus-Qualität" verkauft werde, nämlich mit 98 Oktan. Am Montag hatte auch der Branchenzweite Shell bekanntgegeben, zum gewohnten Kraftstoff mit fünf Prozent Ethanol und 95 Oktan zurückkehren zu wollen. Shell-Sprecherin Cornelia Wolber sagte, die Umstellung werde noch bis Ende April, Anfang Mai dauern.

Total Deutschland begründete die Preise laut "Bild" mit "logistischen Herausforderungen im Rahmen der E10-Umstellung". Sprecher Manuel Fuchs sagte dem Blatt: "Wir verkaufen in einigen Regionen Deutschlands Super Plus und Super für denselben Preis." Andernfalls würden Tankstellen "beim herkömmlichen Super 95 leer gekauft".

Aktuelle Stunde am Mittwoch

Union und FDP beantragten eine Aktuelle Stunde zum Thema Benzin und Diesel. Bereits an diesem Mittwoch wollen die Parlamentarier über den E10-Kraftstoff sowie über eine von der EU-Kommission ins Gespräch gebrachte Mehrwertsteuererhöhung für Diesel und die Preispolitik der Konzerne debattieren.

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KOMMENTARE


Dieter M. Hölzel

12.04.2011 - 16:26 Uhr

Es handelt sich nicht mehr um einen Unmut in der Bevölkerung, die Menschen sind w ü t e n d ! Auch handelt es sich nicht nur um eine Provokation der Mineralölgesellschaften, vielmehr um einen bruta- ler P R E I S W U C H E R und R A U B von Volksvermögen ! Wieder einmal mehr b e o b a c h t e t das Bundeskartellamt, aber von dort brauchen die Ölkonzerne nichts befürchten, denn, dieses Kartellamt befindet sich seit Jahren ja nur in der Beobachtung und geschehen ist bisher nichts, vielleicht auch deshalb, damit der Staat bei dieser Abzockerei kräftig mit abkassiert. Meiner Meinung nach ist das eine einzige Mischpoke eigener Interessen, der Bürger ist dabei nur Zahler der jetzt zunehmend " lästig " wird.


K. Wempe

12.04.2011 - 17:51 Uhr

Es ist natürlich immer der Andere schuld, gerade in der Politik. Dem interssierten Leser empfehle ich folgenden Link: http://www.gruene-bundestag.de/cms/archiv/dok/260/260477.merkel_schuetzt_autoindustrie_statt_das.html. Frau Merkels Schaffen als damalige Umweltministerin und spätere Kanzlerin ist an Doppelzüngigkeit nicht zu überbieten. Erst hat sie mit und in der EU den 120g CO² Grenzwert beschlossen und später als Kanzlerin im Schulterschluss mit der Industrie wurde u. a. die E10 Beimischung und andere Effekte ins Spiel gebracht um den hiesigen Premiumherstellern Schutzmechanismen anzugedeien. Denn primär Daimler drohte seinerzeit mit Stellenabbau. Ich bin weiß Gott kein Grüner, könnte es aber auf Grund der jüngsten politischen Geschehnisse (Atom Ein-/Ausstieg, E10, Stuttgart21) bald werden. Die Politiker agieren frei nach dem Adenauer Zitat "Was schert mich mein Geschwätz von gestern". Herr Brüderle und Herr Ramsauer können sich noch so laut in den Chor der Empörten einmischen. Die Mineralölkonzerne mussten investieren und holen sich das Geld vom Endverbraucher zurück. Von der Politik bekommen sie es ja eh nicht.


caramba68

12.04.2011 - 17:58 Uhr

Dieter Hölzel hat alles richtig gesagt / geschrieben. Im Klartext werden wir einfach abezockt, der ADAC als Vertreter der Autofahrer klopft nur Sprüche - unternommen und erreicht hat dieser seit Jahren nichts - es wird immer nur festgestellt und auf den Tisch geklopft, aber mit Durchsetzen von Zielen oder ähnlichem jämmerlich versagt. Und das Kartellamt hält sich ohnhin raus, da die Benzinsteuer eine nicht unerhebliche Einkommensquelle für die Regierung ist. Wären wir in Frankreich oder sonstwo würden wir sicherlich anders reagieren. So bleibt uns nur übrig, weitestgehend auf den Wagen zu verzichten und die Pille zu schlucken. Soll doch die Regierung aber auch mal die Steuer drastisch senken. Aber nein, warum auch? Und die Multis diktieren den Preis wie es beliebt.


Berndi

12.04.2011 - 19:18 Uhr

Wir hier in Deutschland besitzen eine politische Kultur und politische Führung die an inkompetente und fehlende Geistigkeit nicht zu überbieten ist. Wir haben keine Führung in unserem Lande. Viele interpretieren, gestalten, depatieren, schreiben Haushaltentwürfe, vergeuden Zeit und das alles mit einer immensen Kostenspirale für unsere Bürger. Ich habe leider keine Partei in Deutschland, die meine politische Interessen vertritt. Die politische Führungskompetenz einer Person ist hier in Deutschland nicht zu finden. Die E 10 Debatte zeigt, welche Dummheit, ja "Dummheit" und "idiotisches Verhalten" unsere Politiker in diesem Lande fabrizieren. Ich würde mal sagen, daß wir in einen tolaritären Staat leben und das Verhalten und die Inkompetenz unserer Politiker uns Ihre "Dummheit" auferzwingen. Leider haben Sie die Bürger dabei vergessen. Sie bestimmen den Markt und die freie soziale Marktwirtschaft und alles ist jetzt wieder da. Super bleifrei Benzin ist jetzt wieder käuflich. Und jetzt habe ich an die politische Führung unseres Landes eine Frage: "Wie funktioniert die freie soziale Marktwirtschaft?" Vielleicht gibt es ja ein Politiker, der mir diese Frage hier beantworten kann. :-) :-) PS: Fussnote für die Beantwortung dieser Frage hier und deren Internetpräsenz sollte man der Addition mächtig sein. Gruß von einen Mathematiker


JK64

13.04.2011 - 10:08 Uhr

Warum bekommen wir es in Deutschland eigentlich nicht hin, wie es in so manch anderen Ländern geschieht, gezielt bestimmte Ölkonzerne zu boykottieren und das abwechselnd Wochen oder sogar Monatsweise. Bei E10 zeigt die Abneigung doch auch so langsam aber sicher ihre Wirkung...Vieleicht weil die Bequemlichkeit allgegenwertig ist???


Super Plus

13.04.2011 - 10:40 Uhr

Unsere Regierung ( egal wer gerade dran ist ) begrenzt sich auf Sprüche klopfen. Neben den Mineralölkonzernen gibt es noch andere Abzocker und die sitzen in Berlin.


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