Klimaschutz: Öko-Verbände warnen vor "Desaster"

18.09.2008 10:49 Uhr
Deutsche Umweltverbände warnen vor einem "Desaster" beim Auto-Klimaschutz.
© Foto: Creditplus

Deutsche Umweltverbände haben Bundesregierung und EU aufgefordert, die Klimaschutzmaßnahmen zu verschärfen und nicht länger vor den "Interessen der Autolobby einzuknicken".

Deutsche Umweltverbände haben Bundesregierung und EU aufgefordert, die Klimaschutzmaßnahmen bei Autos wesentlich zu verschärfen. Beim Spritrückgang und bei der Festlegung niedrigerer Grenzwerte für den Kohlendioxid-Ausstoß sollten sie "nicht länger vor den Interessen der Autolobby einknicken", forderten der Verkehrsclub Deutschland (VCD), die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Greenpeace am Donnerstag in Berlin. "Das wäre ein Desaster für den Klimaschutz. Auch die Autofahrer haben das Nachsehen, da hoher Verbrauch bei steigenden Spritpreisen automatisch hohe Kosten an der Tankstelle zur Folge hätte." Die Senkung des Ausstoßes für alle Neufahrzeuge erst von 2015 an bedeute einen dreijährigen Aufschub, ohne dass die Industrie in dieser Zeit viel tun müsse, um die Abgas-Emissionen herunterzubringen. Ziel in der EU ist ein Rückgang auf 120 Gramm CO2 je Kilometer für Neuwagen. Dieser Grenzwert bezieht sich auf einen europäischen Flottendurchschnitt. Auch Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) denkt an den Umweltschutz und macht sich für das Radfahren stark: Ein Drittel der Kurzstrecken in der Stadt, die bislang noch mit dem Auto gefahren werden, sollten in zehn Jahren mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, forderte der Minister in der "Frankfurter Rundschau" (Donnerstag). 90 Prozent der Autofahrten in der Stadt hätten eine Länge von weniger als sechs Kilometer. Gelänge es, ein Drittel der Fahrten mit dem umweltfreundlichen Rad zurückzulegen, könnten 7,5 Millionen Tonnen des Treibhausgases CO2 vermieden werden, sagte Tiefensee. "Ich glaube, dass es viel mit einer schlechten Gewohnheit zu tun hat, wenn wir auch bei kurzen Entfernungen ins Auto steigen." Tiefensee fordert mehr Fahrradfahrten in den Städten Tiefensee findet "die Vision der Null-Emission bestechend", wie er sagte. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse in der Stadtplanung darauf geachtet werden, dass Verkehr gar nicht erst entstehe. "Und wenn schon Mobilität notwendig ist, muss sich der Planer fragen, wie er den Öffentlichen Personennahverkehr ausbauen kann, wie er für bessere Bedingungen für die Radfahrer sorgen kann, zum Beispiel durch neue und mehr Fahrspuren." (dpa)

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KOMMENTARE

Panzer

18.09.2008 - 12:56 Uhr

Ich finde den Vorschlag erst einmal nicht schlecht. Selbst auf kurzen Strecken zwischen Ortschaften würde ich das Fahrad nehmen. Leider ist das bisweilen aber Lebensgefährlich. Radwege Fehlanzeige. Wir haben es einfach noch nicht gelernt. Selbst beim Bau neuer Straßen werden Radwege nicht bedacht. Schade, denn wer schon mal in Holland war wird wissen wovon ich rede. Außerdem kann ich mir dadurch auch ein Zusatzgeschäft im Autohaus vorstellen. Es gibt schon den einen oder anderen Autohersteller der auch Fahräder und Mofa vertreibt, leider nur nicht in Deutschland.


Martin

19.09.2008 - 08:21 Uhr

"Auch Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) denkt an den Umweltschutz und macht sich für das Radfahren stark" Das haut ja wohl dem Faß den Boden raus!! Nicht nur dass unsere werten Herren Volksvertreter alles anderes als umweltfreundliche Autos fahren, nein... ohne die gepanzerte 3 Tonnen Limousine ein paar Meter hinter sich zu bringen können sie sich gar nicht mehr vorstellen... und jetzt will Herr Tiefensee dem gemeinem Bürger erklären, dass er möglichst oft mit dem Rad fahren soll?! Lieber Herr Tiefensee.... verzichten Sie doch einmal für 6 km auf Ihren rollenden Panzer und nehmen Sie lieber das Fahrrad, dann würde die Akzeptanz in der Bevölkerung was derart geistigen Dünnsch... angeht sicherlich steigern, wenn jemand aus der Legislative mit gutem Beispiel vorangeht...


Frank Sigmund

19.09.2008 - 09:20 Uhr

Glauben diese Umweltverbände eigentlich das nur PKW's Abgase ausstoßen? Da gibt es noch viel größere Baustellen in Deutschland, wo mit einfacheren Maßnahmen mehr erreicht werden kann. dazu ist es doch absolut egal wieviel Abgas oder CO2 pro Kilometer ausgestossen wird. Auf den Gesamtausstoss, sprich Jahresfahrleistung, kommt es doch an.


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